Donnerstag, 5. November 2020

Der Einkaufszettel

 

Wenn ich einen Einkaufszettel von anderen Menschen in meinem Einkaufswagen finde, stecke ich ihn sofort ein. Zuhause wird er dann in aller Seelenruhe analysiert. Der hier abgebildete Zettel bietet besonders viele Informationen.


Fangen wir mit dem Zettel selbst an. Offensichtlich ist er von einem Zettelblock, der von den Brauereien an die gastronomischen Betriebe geliefert wird, die zu ihrer Kundschaft zählen. Wir haben es also vermutlich mit einem Wirt, einem Koch oder einem Kellner zu tun.

Die Liste besteht aus drei Teilen, die wir an den drei verschiedenen Handschriften und an den drei unterschiedlichen Präferenzen erkennen können.

Der erste Teil der Liste ist offenbar von einem Mann geschrieben worden. Die Begriffe „Spießbraten“, „Wurst“ und vor allem „Rasierschaum“ sind eindeutig einem männlichen Wesen zuzuordnen. Er ist offenbar verheiratet, denn am Anfang der Liste stehen nicht Bier, Wein oder Schnaps, sondern „Apfelsaft“. Es handelt sich demnach um ein domestiziertes Exemplar der Gattung - oder er bezieht seinen Stoff direkt aus dem Gasthaus, in dem er arbeitet.

Den zweiten Teil hat ein Kind geschrieben. Es wurde vermutlich zur Ergänzung der Liste ermutigt und notierte „Kaugummi grün“ auf dem Zettel. Das ist reichlich unspezifisch und lässt auf ein junges Alter schließen. Allerdings nicht auf das Grundschulalter, denn die Schrift ist sehr präzise und ohne Rechtschreibfehler.

Ganz am Ende kommt die Ehefrau. Sie mahnt die gesunden Sachen an: Mais, Kartoffeln, Tiefkühlgemüse. Ohne die Frauen wären wir schon längst alle tot.

Fazit: Hier waren keine woken Akademiker am Werk, keine Veganer, keine Ökotrophologen (Schlagen Sie den Begriff gefälligst nach, Sie Ignorant!), denn sonst hätten sie auf Fleisch verzichtet und zum Thema „Brötchen“ und „Toast“ noch die Getreideart bzw. das Präfix „Vollkorn“ ergänzt. Wenn wir das Volk verstehen wollen, müssen wir seine Einkaufszettel lesen.

The Cars – All Mixed Up. https://www.youtube.com/watch?v=E9d-1d0ltCM

3 Kommentare:

  1. Wigald Boning sammelt ebenfalls Einkaufszettel und verfasste sogar ein Buch darüber

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    1. Pah! Dieser Pfuscher, hat es sogar nötig, die ersten drei Buchstaben seines Nachnamens von der Konkurrenz abzugucken, und Bücher sind sowieso 20.Jhdt.
      Also, wenn ich mal Einkaufszettel lesen möchte, dann natürlich nur hier!
      Sowas!
      Mit besten Grüssen, Ano

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  2. „Wenn man alle logischen Lösungen eines Problems eliminiert, ist die unlogische obwohl unmöglich unweigerlich richtig.“

    Autor: SHERLOCK HOLMES

    DU, als Dr. Watson ... geniale Analyse ;D ... siehe oben ... BUCH schreiben !!!

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