Donnerstag, 26. November 2020

Maradona

 

Ein begnadeter Fußballer, der Drogen nimmt und ein Che-Tattoo hat? Kann man sich mit solchen Leuten überhaupt identifizieren?

Ein kleiner, pummeliger Mann. Aber sobald er den Fußballplatz betrat, war er ein Tänzer, ein Zauberer.

Was bleibt für die Fans? Unvergleichliche Dribblings und Tore. Sie bleiben uns für immer erhalten wie die Gemälde der großen Maler und die Romane der großen Schriftsteller.

Was bleibt für die kleinkarierten Krämerseelen, die an das WM-Finale 1986 denken? Drogen, Skandale und Fotos mit Fidel Castro.

Es mag überraschen, aber ich denke an diesem Tag an Gerd Müller, der uns alle mit seinen Toren so begeistert hat wie Maradona die Argentinier. Auf dem Platz ein Fußballgott, außerhalb des Platzes ein Gescheiterter. Vielleicht lieben wir deswegen die Geschichte von Maradona, weil er uns in seinen Fehlern näher ist als die Messis und Ronaldos von heute.

Gerd Müller liegt demenzkrank in einem Heim und wartet auf seinen Tod, während die eiskalten Geschäftemacher Beckenbauer und Hoeneß, die durch sein Tor 1974 Weltmeister wurden, niemals das Herz der Fans erreicht haben.



6 Kommentare:

  1. El Diego war und ist der größte.
    Was ist schon Koks im Gegensatz zu Leuten die auf Baustellen in Katar keine übelste Schinderei sehen wollen und Wurstfabrikanten die mit Werksverträgen ausbeuten und den Fiskus betrügt haben?

    Fred

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    1. Ich habe früher selbst auf Speed Fußball gespielt. Die Pumpe geht dir wie die Hölle, aber du rennst wie der Teufel.

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  2. Nur mit Pelé zu vergleichen. Ließ die Treter, die 'englische Härte' praktizierten und Fußball arbeiteten, stehen wie die Slalomstangen (waren nicht nur deutsche Eisenfüße, auch in der spanischen Liga wurde damals geholzt). Genial auf dem Platz, aber lebensuntüchtig. Ein Künstler eben.

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    1. Ja. Pelé gehört in diese Liga, aber ich habe ihn praktisch nie spielen sehen. Sein letzter WM-Titel war 1970, ich bin erst 1974 in den Weltfußball eingestiegen. Mit Maradona bin ich aufgewachsen. Er ist mir dadurch einfach näher. So wie Senna im Vergleich zu Fangio in der Formel 1.

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  3. Das beste was ich von Maradonna gesehen habe waren Zeitlupenaufnahmen im TV.
    Was der veranstaltet hat konnte man so garnicht richtig sehen.
    Scheiß auf Schwanensee.
    Ach, und außerdem halte ich Miro Klose für einen der Größten.
    Gelernter Zimmerman, aus der Regionalliga, und dann WM Torschützenkönig.
    Nix Fußballinternat, nix Jugendnationalmanschaft, erst mit 22 Profi geworden.
    Etwas langweilig, OK, keine Drogen, keine Eskapaden, grundehrlich.
    Also kein Star. Ein Punkt mehr.
    Noch einer, ich stand mal auf Speed im Tor. War scheiße.

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  4. Und Klose machte 71 Tore in der Nationalmannschaft.
    Maradonna nur 34.
    Aber bei Maradonna ist es die Faszination des nicht perfekten, des Tragischen, der Looser und trotzdem Held. Die show, die große Klappe, die drugs, die Frauengeschichten.
    Geht zu einem abgerockten Verein ( SSC Neapel, kurz vor dem Abstieg ) und leistet unglaubliches.
    Der Vollständigkeit halber : CR 7 85 Tore / Puschkas 84 Tore / Pele 77 Tore, die anderen mit noch mehr Toren kennt kein Mensch.

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