Dienstag, 13. Oktober 2020

Bonetti ist ein Teufelskerl

 

Wie jeder anständige Schriftsteller saß ich auch an diesem Vormittag seit sieben Uhr am Schreibtisch, um mich im unermüdlichen Dienst an meiner hochgeschätzten Leserschaft mit Satzbau und Rechtschreibung, mit Deklinationen und Irritationen zu quälen. Aber ich will nicht klagen. Dieser tägliche Opfergang ist der Preis für unseren Ruhm und die Unvergänglichkeit unseres Werks.

Ich gab gerade einem Sonett für den „New Yorker“ den letzten Schliff, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Ich blickte nach links, schon stand er vor mir. Ein junger Mann, ganz in schwarz gekleidet.

„Wie sind Sie hereingekommen?“

Er lächelte nur. „Das ist nicht wichtig.“

„Was wollen Sie von mir?“

„Ich habe einen Auftrag.“

„Wer schickt Sie?“

„Der Teufel.“

Träumte ich? Der Mann setzte sich in den Sessel neben meinem Schreibtisch und schlug die Beine übereinander.

„Welchen Teufel meinen Sie? McKinsey, Roland Berger?“

Er lachte und schüttelte den Kopf. „Der Teufel persönlich. Der Herr der Finsternis. Luzifer. Der große Versucher.“

„Donald Trump? Markus Söder? Björn Höcke?“

„Ich komme tatsächlich aus der Hölle.“

Ich konnte es nicht glauben. „Wollen Sie mich abholen? Sterbe ich heute? Das käme terminlich recht unpassend.“

„Nein, ich soll Ihnen ein Angebot unterbreiten.“

„Ein Angebot?“

„Genau. Wir haben einen Auftrag für Sie.“

„Um was geht es?“

„Die Erderwärmung. Es ist natürlich ganz in unserem Sinne, wenn die Temperaturen steigen. Die Hölle auf Erden. Sie verstehen?“ Ein diabolisches Grinsen umspielte seine Lippen. „Aber es geht uns nicht schnell genug.“

„Und da komme ich ins Spiel.“

„Richtig. Bonetti Media. Eine PR-Kampagne. Autos, Öl, Fernreisen, sinnloser Konsum. Wir müssen ein paar Kohlen ins Feuer schütten.“

„Kein Problem. Wie wäre es mit einem Werbefeldzug für größere Autos? Autonomes Fahren mit dem eigenen Wohnmobil. Immer unterwegs. Rund um die Uhr. Ein Leben auf Rädern.“

„Uns machen auch die Windräder Sorgen“, gab der junge Mann zu bedenken.

„Das sind Superspreader. Sie verteilen Aerosole. Das müssen wir verhindern. Ich kann meine Kontakte zur CDU und zur FDP aktivieren.“

„Sehr gut.“

„Heizen ist die neue Gesundheitsvorsorge. Dauerlüften wegen Corona heißt Dauerheizen. Wir brauchen permanent 25 Grad Raumtemperatur zuhause. Der Virus mag die Wärme nicht.“

Er nickte. „Ich sehe, wir denken in die gleiche Richtung.“

Das freute mich. Unverzüglich kam ich zum wesentlichen Punkt. „Wie sieht es mit der Bezahlung aus?“

„Wir garantieren Ihnen einen Platz in der VIP-Lounge. Sie werden sehen: Für erfolgreiche Menschen ist die Hölle ein Luxusressort. Perfekter Service bei angenehmen Temperaturen. Das Rundum-Sorglos-Paket. Die Zukunft wird schön.“

Eine Stunde später war mein Exposé auf dem Weg zum Leibhaftigen.


Sponsored by VW, Aramco, Black Rock, RWE, Shell und Toyota.


The Alan Parsons Project – Mammagamma. https://www.youtube.com/watch?v=XXzOkCLdFwI



6 Kommentare:

  1. Antworten
    1. Gut, dass ich kein Katholik bin ;o)

      Löschen
    2. Na dann aber hoffentlich auch nicht evangelisch.

      Löschen
    3. Natürlich nicht. Als bekennender Bonettista bin ich nur dem Müßiggang und der Völlerei verpflichtet.

      Löschen
  2. BILLIG ... sehr BILLIG ... sich bezahlen zu lassen, Herr Bonetti... wäre doch auch - als LIEBESBEWEIS - ganz ohne gegangen - oder ?!?


    Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.


    Oscar Wilde *tja*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Geld gibt es ja keins. Nur einen Logenplatz in der Hölle :o)

      Löschen