Freitag, 9. Oktober 2020

Bonetti hat Visionen

 

Blogstuff 502

„Und wie geht es weiter, fragte man mich, was haben sie vor? Was habe ich vor. Ich weiß nicht, ich glaube nichts von Bedeutung.“ (Ror Wolf: Die Vorzüge der Dunkelheit)

Ich sitze in meinem Zimmer und schaue auf die geschlossene Tür. Wohin sie wohl führen mag?

Eigentlich bin ich über das Bahnhofsgelände nie hinausgekommen. Ich kam eines Tages am Bahnhof an, schlenderte eine Weile durch das Gebäude und nahm mir dann ein Zimmer im Bahnhofshotel. Die Nachmittage verbrachte ich im Bahnhofskino, die Abende in der Bahnhofskneipe.

Hätten Sie’s gewusst? Der Plural von Koma ist nicht Komas, sondern Komata.

Wir spielen Cowboy und Indianer. Nachdem wir zwei Gruppen gebildet haben, laufen wir auseinander. Wir suchen uns Verstecke, wir flüstern, wir schleichen uns an. Der ausgestreckte Zeigefinger und der erhobene Daumen sind unsere Revolver. Endlich stürmen wir los, ich werde als Erster getroffen. Ein kurzer Schrei, ich falle. Ich liege im Gras und schaue zum Himmel hinauf. Der Lärm des Spiels entfernt sich langsam. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich könnte den ganzen Nachmittag im weichen Gras liegen und den Wolken nachschauen.

Wirtschaft ist Psychologie, plärrt es aus allen Medienkanälen. Es ist wie im Krieg. Wir müssen nur an den Sieg glauben. Mangelnder Fanatismus – ein altes deutsches Problem.

Was wurde eigentlich aus Johnny Malta? Der pensionierte Trickbetrüger lebt zurückgezogen in Köpenick und von seinen Erinnerungen.

Anfang der 80er gab es in der Titanic eine fiktive Werbung für die "Sportpistole Hermann Göring" mit dem Slogan "Trifft jeden Turban auf 30 Meter." Heute ginge eine solche Satire nur mit Triggerwarnung. Daher frage ich mich: Verblöden wir selbst oder werden wir verblödet oder ist es eine Synthese aus beidem? Die Zahl der aktiven Fälle von Blödheit steigt jedenfalls exponentiell.

Nordkorea ist die einzige absolutistische Monarchie der Welt. Seit Gründung des Staates herrscht eine Dynastie uneingeschränkt über Wirtschaft, Militär, Verwaltung und Gesellschaft. Es ist das einzige Fleckchen Erde, das noch nicht kapitalistisch ist.

Die unerträglichsten Besserwisser im Internet sind die pensionierten Lehrer. Ihnen fehlen einfach die Kinder. Deswegen betreiben sie Blogs, die keiner liest, oder schreiben täglich Kommentare in anderen Blogs bzw. auf den Seiten der Medienkonzerne.

Da steht er nun: Berliner Urgestein, siebte Generation Schwerarbeiter, ein Schädelmassiv wie ein Gewaltverbrecher und in seiner Pranke hält er die Hundeleine mit dem winselnden Rehpinscher von seiner Ollen am anderen Ende.

Roger Hodgson - Fools Overture. https://www.youtube.com/watch?v=FOF5eofBzco

 


15 Kommentare:

  1. "Die unerträglichsten Besserwisser im Internet sind die pensionierten Lehrer."

    Wieso Internet? Immer und überall!
    Z.B., dass der Duden auch "Kommas" durchgehen lässt. ;-)

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    1. Ohne Lehrer und Rechtsanwälte wäre die Welt ein besserer Ort.

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  2. Bonetti liegt richtig. Das beste an Cowboy und Indianer war ja nicht jd. zu erschiessen, sondern getroffen zu werden, zu Boden zu gehen und dabei wie ein Esel zu schreien. Und wenn man dann im Gras lag, als toter Indianer, alleine, weil der Cowboyarsch längst woanders weitermordete, dann war Stille. Das Universum ein blutender Ort. Geeignet für gar nichts, außer rumliegen im Gras. Tot.

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    1. Wenn wir beide zusammen gespielt hätten, wäre es ein entspannter Nachmittag geworden ;o)

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  3. WAS für ein GLÜCK, bist nicht LEHRER geworden... (ړײ)

    Welt-Ei-Tag 2020
    9. Oktober 2020 in der Welt

    Zuerst das EI oder doch das HUHN ... Fragen über Fragen ?!?

    *am Tag der Kuriositäten 2020
    9. Oktober 2020 in der Welt*

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    1. Zuerst erschuf Gott das Huhn. Und aus einem Chicken McNugget erschuf er das Ei.

      Viel wichtiger: Warum erschuf Bonetti Gott?

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  4. Ich wusste gar nicht, dass Du ein Korrekturensohn bist. ;)

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    1. Hat die olle Heike doch auch nur geklaut.

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    2. So kommt also alles ans Tageslicht. Der feine Herr Brünig!

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    3. Ich war auch in der 10a. Alle coolen Jungs gingen in die 10a. Ich weiss gar nicht, ob es eine 10b gab. Wer hätte das denn sein sollen in der 10b.

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    4. Der Purche ist ein kleiner Widerporst! Soll ich ihn zu Poden chleudern, oh großer Ponetti?

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  5. Heute schon ein paar Zeilen von "Dicke" von Westernhagen gesungen.
    Meine Frau sagte dann, so etwas könnte man heute auch nicht mehr bringen.
    Dikriminierung und so. Wobei mir dieses Lied eigentlich nie so richtig gefallen hat, aber wenn man das mit der heutigen Zeit vergleicht, Mohrenbräu...pfui, dann war das schon, na ja, nicht gerade OK, aber mutig.

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    1. Früher habe ich das auch gesungen. Heute wäre das irgendwie ... Glashaus ... Steine ...

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