Samstag, 3. Oktober 2020

030/101990 – Kein Anschluss unter dieser Nummer

 

Blogstuff 499

„Die AHA-Regel reicht nicht mehr. Was uns retten wird ist: Abstand, Lüften, Lüften, Alltagsmaske und Hygiene. Oder kurz: ALLAH!“ (Friedemann Weise)

Johnson, Bolsonaro, Trump – alle haben das Virus nicht ernst genommen und sich anschließend infiziert. Soll ich jetzt ernsthaft einem US-Präsidenten gute Besserung wünschen, dessen Gesundheitspolitik viele tausend Menschen das Leben gekostet hat?

Wann gibt es endlich eine gegenderte Fassung der Bibel?

Hätten Sie’s gewusst? Heinz Pralinski absolviert gerade ein Volontariat beim angesehenen kirgisischen Literaturmagazin Tadaschwar (Der Schrei). Ganz liebe Grüße gehen ins beschauliche Provinzstädtchen Podwarim uz labem (Löffel und Fäuste).

Manche Ostdeutschen glauben, „Wir sind das Volk“ sei eine Art Zauberspruch. Man muss diesen Satz nur oft genug rufen, dann geht ein Wunsch in Erfüllung. Quasi ein „Sesam, öffne dich!“

Wann machen Menschen eine Revolution? Wenn sie hungrig, wütend und verzweifelt sind. Darin unterscheiden sie sich nicht von anderen Herdentieren. Wie verhindert man also eine Revolution? Mit blankem Materialismus in  Form zahlloser Konsumgüter und einer Kirmesindustrie, die unseren Geist vernebelt. Können wir bitte dieses Thema für die nächsten hundert Jahre zu den Akten legen?

Wir sind beim Thema Corona-Schutzmaßnahmen bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung an einem Punkt angelangt, wo Aufrufe zur Solidarität sinnlos geworden sind. Wir kennen es von Landwirtschaftsministerin Klöckner, dass der appellative Politikansatz limitiert ist. Auch im Straßenverkehr werden Regeln nur eingehalten, wenn es klar definierte Strafen gibt und nicht nur Ermahnungen. Wenn der Staat ernstgenommen werden will, muss er die beschlossenen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz auch durchsetzen. Leben wir in einem Rechtsstaat oder debattieren wir endlos und ohne Ergebnis wie Waldorf-Schüler? Gesundheit ist, wie übrigens auch Umweltschutz und Klima, kein linkes oder rechtes Thema. Es betrifft alle Menschen, unabhängig von Herkunft und Klasse. Selbst die Reichen und Mächtigen können sich dem Virus nicht entziehen, denn sie können von Mitarbeitern und Dienstpersonal angesteckt werden. Es gibt keinen vollkommenen Schutz, es sei denn, man zieht sich allein in die Einsamkeit einer Berghütte zurück. Erschreckend ist der ethnische Scheuklappenblick der Coronaleugner: Wenige Deutsche sind gestorben, die eine Million Tote weltweit blenden sie bewusst aus. Diese nationalistische Nabelschau ist einer der Gründe, warum die „Querdenker“, die sich heute wieder treffen, als Rechte wahrgenommen werden.

P.S.: Ein ausgezeichneter Text zum Jubiläum der deutschen Einheit von Rainer Mausfeld: https://www.heise.de/tp/features/Die-Einheit-ein-kapitalistisches-Uebernahmeprojekt-4914128.html

Fischer Z – Marliese. https://www.youtube.com/watch?v=j6TAevvtFfE



5 Kommentare:

  1. Auch keine Nummer unter diesem Anschluss?

    Hope Hicks!

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  2. Aufrufe zu Solidarität waren schon immer sinnlos. Du kannst nichts in Menschen hineinlegen, was nicht da ist. Mit Gegenmaßnahmen zu Corona hat das indes nichts zu tun. Drei Mal darf man sich ausrechnen, wie der Verlauf beim Gröpaz und seinem Hofstaat sich entwickeln wird. Es ist und bleibt ein Armenvirus.
    Da die aktuellen Zahlen nicht mehr so viel hergeben, muss man ein paar Promis bemühen, damit auch morgen noch die Tatortbanderole lustig durch den Swimmingpool gezogen werden kann. So unbekannt ist das Virus offenbar auch nicht mehr, wenn die Medizin den Reichen helfen kann. Aber schön zu sehen, wie sich die besten Demokratien der Welt reihenweise als Feudalismen demaskieren.

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    1. @ eike

      Wir haben also in den "besten Demokratien der Welt" gelebt und jetzt hat Corona sie demaskiert. Du bist ja lustig. 2020 ist der Groschen gefallen, dass die Welt von superreichen Kapitalisten beherrscht wird. Biste da ganz allein drauf gekommen oder hat dir Bruder Schiffmann das Händchen gehalten?

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    2. Oh. Die anonymen Dachter schlagen wieder zu. ¯\_(ツ)_/¯ Es ist immer schön zu sehen, wie sie jeden gleich in die Schublade stecken.p

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  3. Siewurdengelesen3. Oktober 2020 um 14:37

    Mausfelds Text beschreibt das, was mir schon 89/90 klar war, als die politische Übernahme der Protestbewegung in der DDR durch Ableger der damaligen BRD-Parteien erfolgte.

    Mit dem Wandel von "Wir sind das Volk" zu "Wir sind ein Volk" war der Ansatz eines reformierten Sozialismus auf deutschem Boden mit langsamen Angleichen der Staaten und der Option eines wirklich freiwilligen und selbstbewussten Wiedervereinens statt des Überstülpens des Systems BRD ausgeträumt.

    Einerseits hatten viele keinen Bock mehr auf "Warten auf bessere Zeiten" und haben über das Wedeln mit der D-Mark durch die Währungs- und Wirtschaftsunion den vermeintlich leichteren und schnelleren Weg gewählt. Das ist freilich nicht ohne massives Einwirken der Medien geschehen. Der Regierung Kohl hat es die nächste Amtszeit gerettet und in der alten Bundesrepublik die aufkommende Rezession um ein paar Jahre nach hinten geschoben, während der Einbruch und das m.E. systematische Plattmachen der ehemaligen DDR-Wirtschaft um so drastischer war.

    Insofern teile ich die Sicht Wolfgang Thierses nicht, dass die Ostdeutschen endlich aus ihrem Selbstmitleid herauskommen und selbstbewusster als die Initiatoren der "friedlichen Revolution" auftreten sollen. Leider ist das Interview in der SWP hinter einer Bezahlschranke. Solange selbst 30 Jahre nach der Einheit noch nicht einmal die Gehälter landesweit dieselben sind und die Partei Thierses unter Schröder das systematische Verarmen weiter vorangetrieben wird und damit im Osten anteilig deutlich mehr Menschen trifft, handelt es sich hier mitnichten um eine Demokratie. Die Leistung selbiger kann auf dem Papier noch so gewürdigt werden, wenn es sich nicht im Alltag bemerkbar macht, bleiben es Phrasen. Dann ist es auch nicht verwunderlich, dass dort antidemokratisches Denken und Tun schneller Nahrung findet als anderswo.

    Mausfelds Einlassungen sind so gesehen nicht wirklich neu, sondern wie vieles von ihm eher Aufgewärmtes. Das Buch werde ich mir trotzdem kaufen, auch um mal wieder etwas von Daniela Dahn zu lesen als eine der reflektierten Vertreterinnen aus dieser Zeit bis heute.

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