Montag, 6. Juli 2020

Special: Bloggerlegenden – Heute: Andy Bonetti


Blogstuff 457
„Um glücklich zu sein, darf man sich nicht zu sehr mit den Mitmenschen beschäftigen.“ (Albert Camus)
Einmal im Jahr gehe ich in die trostloseste Kneipe des Universums und sie befindet sich natürlich im Hunsrück. Männer ab fünfzig mit verwitterten Hauptschulgesichtern, allesamt Kettenraucher, verwaschene Biker-Tattoos auf Rentnern mit Jeansjacke und Cowboystiefeln, Bier und Schnaps ab zehn Uhr morgens, Halbglatze mit Pferdeschwanz, ein Daddelautomat in jeder Ecke. Der griechische Wirt ist hier hängengeblieben, Frau und Kind haben ihn längst verlassen und es ist zu spät, um noch einmal neu anzufangen. Bonjour Tristesse.
Ebenso geeignet für soziologische Studien ist ein „Sportheim“ am Fußballplatz eines anderen Kaffs. Hier gibt es, als Highlight der Speisekarte, eine Tiefkühlpizza von Wagner, die der alkoholkranke Wirt persönlich in den Ofen schiebt. Fünf Euro. In Berlin glaubt mir kein Mensch, wenn ich diese Geschichten erzähle.
Gibt es eine Berufsgruppe, die weißer und deutscher ist als die Bauern? Haben Sie schon mal von einem türkischen Landwirt gehört? Oder von einem schwarzen Schweinebaron?
Viele setzen sich im Berliner Doppeldeckerbus aufs Oberdeck in die erste Reihe. Aber ich bin der Einzige, der ein Nummernschild mit seinem Namen an die Frontscheibe lehnt wie ein Trucker.
Wir leben in einer verrückten Welt. Nehmen wir nur mal Wasser als Beispiel. Klingt harmlos. Ich trinke ein Glas Wasser. Spaghetti werden in Wasser gekocht. Ein heißes Bad. Ein Regenschauer bringt nach langer Zeit Erholung für den Wald und für die Felder. Aber es gibt auch Überschwemmungen, bei denen Häuser zerstört werden. Sintflutartigen Monsun, der ganze Dörfer wegschwemmt. Tsunamis, die zehntausende Menschenleben fordern. Schiffe sinken im Sturm, Leute werden von Haien gefressen. Du liebe Zeit! Was soll ich vom Wasser halten?
Identitätspolitik hat die Demokratie so zersplittert, dass wir noch nicht einmal Klassen definieren können. Es gibt hunderte soziale Provinzen, die sich nicht mehr zu schlagkräftigen politischen Mehrheiten organisieren lassen. Vati Staat gefällt das. Und fördert demnächst die „dritte Toilette“. Panem et circenses.
Alle arbeiten im Homeoffice. Nur nicht Heiner, der ist Schreiner.
Die letzten Deutschen, die gemerkt haben, dass die komplette Medienwelt nur Propaganda ist, nur ein Apparat zur Vergesellschaftung, ein Instrument zur permanenten Erziehung der Arbeitnehmer und Konsumenten, waren die Bürger der DDR. Sie haben sich jahrzehntelang Westfernsehen angeschaut und wollten auch so leben wie die Leute, die sie jeden Tag im Fernsehen sahen. Dann wurden sie Bundesbürger und merkten den Betrug. Das Leben war gar nicht wie im Film. Oder sie waren im falschen Film gelandet. Ist aber auch egal, denn da war es schon zu spät.
Ennio Morricone ist gestorben. https://www.youtube.com/watch?v=Jjq6e1LJHxw

Dieses Foto hat mir Tikerscherk zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! Sie hat es mir überlassen, das Geheimnis von Bonettis Erbschaft zu lüften. Das völlig überschätzte Internet hat folgende Informationen: 1993 erschienen, Novelle, 56 bis 60 Seiten (Ausgaben variieren), Inhalt unbekannt. Vielleicht liegt es immer noch in Berlin. Wer findet es und gibt mir „sachdienliche Hinweise“?

2 Kommentare:

  1. Camus hatte wohl recht.
    Samstagabend 11 Uhr, kombinierter Rad/Fußweg, hinter dem betrunkenen Typ mit Oberarmen trippelt das Frauchen, ich klingle, er "lauf auch rischtig su Fuß wie alle", ich weiter, er mir hinterher "du Wixxa, du Bastard ".
    Hätte ich ihm zugerufen " du Einzeller, du Amöbe ", er hätte es nicht verstanden.

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  2. Hat Tikerscherk ein Zeichen gefunden? Wird Meister Bonetti auf eine höhere Energieebene gehoben und uns bleibt nur noch dieser Blog?

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