Samstag, 11. Juli 2020

Neues Virus? Killerschaf reißt Wolf


Am Abend begibt sich der Meister in seinen Gartenpavillon, der einsam hinter dem Lotosteich liegt. Er genießt die Stille und die kühle Abendbrise. Er hat auch einen kleinen Krug Wein und eine Trinkschale dabei. Er sitzt in einem Sessel aus Bambus und fächelt sich gemächlich Luft mit einer Straußenfeder zu, während er über die Wipfel der Bäume in den Himmel blickt. Dann lässt sich Bonetti, oberster Mandarin aller Mandarinen, von seinem Diener Tinte, Füller und Papier bringen und beginnt zu schreiben:
Blogstuff 460
„Herr, ich habe die große Beschäftigung, müßig zu gehen, ich habe eine ungemeine Fertigkeit im Nichtsthun, ich besitze eine ungeheure Ausdauer in der Faulheit. Keine Schwiele schändet meine Hände, der Boden hat noch keinen Tropfen von meiner Stirne getrunken, ich bin noch Jungfrau in der Arbeit, und wenn es mir nicht der Mühe zu viel wäre, würde ich mir die Mühe nehmen, Ihnen diese Verdienste weitläufiger auseinanderzusetzen.“ (Georg Büchner: Leonce und Lena)
Es fällt mir erst jetzt auf: Wenn Trumps Slogan „Make America Great Again“ richtig ist, wie ist Amerika denn im Augenblick? Tiny? Unimportant? Bad? Rotten? Awful? Small? Lousy? Und wie lange ist Amerika schon so, wenn Reagan den Spruch bereits 1980 benutzt hat?
Es waren herrliche Zeiten des Aufbruchs, als man in den neunziger Jahren nach Begriffen suchte, die das 21. Jahrhundert beschreiben sollten. Neues Jahrhundert, neues Glück. Die Autosuggestion, mit dem Umspringen des Tachos von 1999 auf 2000 würde sich tatsächlich etwas verändern. Keine schnöde Wirtschaft mehr, sondern New Economy. An der Börse gab es den Neuen Markt. Die Politiker fanden die Neue Mitte. Die Briten glänzten mit New Labor, die Amis mit New Democrats. Selten war der Lack so früh und so gründlich ab. Die Regeln des Marktes blieben unverändert und die neuen Regierungen in Deutschland, Großbritannien usw. entpuppten sich als neoliberale Horrorshow. Die Zukunft liegt ebenso düster vor uns wie in den siebziger und achtziger Jahren.
Im Westen ist es am besten. Im Norden ist es zu kalt, im Süden zu heiß und im Osten lauert der Sachse, hinter dem Sachsen der Pole, hinter dem Polen der Russe und immer so weiter. Deswegen ist es im Westen am besten.
Seit einer halben Ewigkeit bleiben die meisten Deutschen in diesem Sommer im eigenen Land. Sie haben Wohnmobile und Zelte gekauft, sie stürmen die einheimischen Campingplätze. Corona und Klimawandel machen es möglich. Wozu mit dem Flugzeug ans Mittelmeer, wenn wir Sonnenschein und angenehme Wassertemperaturen auch in Deutschland haben? Aber gerade dieser Sommer ist vergleichsweise kühl und regnerisch. Ich würde mich echt kaputtlachen, wenn wir ausgerechnet 2020 wieder so einen miesen Sommer hätten wie in meiner Kindheit, z.B. 1975, als Rudi Carell den Schlager „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ in seiner Show präsentierte (Verlinkung entfällt, da ich auf das jüngere Publikum Rücksicht nehmen muss) und ich auf einem Campingplatz in der Eifel die Tage mit meinen Comics im Zelt verbrachte.
Steppenwolf - Magic Carpet Ride. https://www.youtube.com/watch?v=U4WiyxXpyZc

6 Kommentare:

  1. "und ich auf einem Campingplatz in der Eifel die Tage mit meinen Comics im Zelt verbrachte."

    Ah, und deshalb Magic Carpet Ride und nicht Born To Be Wild?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Born to be wild hatte ich schon mal verlinkt. Nach über 3500 Liedern wird es immer schwieriger, neuen Stoff zu finden.

      Löschen
  2. VORSICHT: WIR DÜRFEN ECHT NICHT GLAUBEN, WAS UNS DAS GESUNDHEITS-MINISTERIUM SAGT!!!
    Sie haben gesagt, es reicht, wenn wir MASKE und HANDSCHUHE beim Rausgehen tragen.
    Das habe ich heute morgen gemacht.
    Aber die anderen hatten alle auch noch Pullover und HOSE an!!!

    ... (ړײ)

    AntwortenLöschen
  3. ...und immer so weiter.
    ja, so ist das! doch damit der wahnsinn auch an sein ende kommt, hat der liebe gott mitten ins große meer die datumsgrenze gebaut. da hört es dann mit dem osten endgültig auf!
    (wie gerne wäre ich damals in der antike mit einem dieser uluburun-schiffe entlang des horizonts balanciert - voll im wind und mit depp in den wanten und verbinski in der kombüse!)

    AntwortenLöschen
  4. Im Dezember 2019 hat die NASA ein Statement, sozusagen auf Website 429 und ganz klein geschrieben, heraus gegeben, dass ab 2020 turnusgemäß eine Dekade mit minimaler Sonnenaktivität beginnt, ideal für bemannte Raumfahrtprojekte. Gleichzeitig aber wohl auch das Ende des Traumes von Palmen am Rhein.
    Ähnliches verlautete bereits im Sommer 2019 von der chinesischen Raumfahrtagentur.
    Schaut man sich in den Medien um, ist in der Nach-Corona-Ära auch nicht "tödliche Hitze" für Deutschland der heißeste Scheixx, sonden "Dürre".

    AntwortenLöschen
  5. Der Süden ist heiß und von Seuchen zersetzt
    Der Norden ist feucht, von den Russen besetzt
    Der Westen ist einsam, nur von Batman bewohnt
    Der Westen ist einsam und der Osten ist tot

    AntwortenLöschen