Donnerstag, 9. Juli 2020

Der große Satan


In der DDR waren die Vereinigten Staaten der Erzfeind. Der Sozialismus hatte keinen größeren Gegner auf dieser Welt, im internationalen Klassenkampf gab es kein größeres Hindernis als die Führungsmacht des degenerierten Westens. Entsprechend wurden die Ostdeutschen durch die Medien und Schulungen von Kindesbeinen an auf diesen Feind eingestellt. Die Hauptkritikpunkte waren:
1. Die USA sind die Hauptmacht des Imperialismus. Ausbeutung im internationalen Maßstab und Neokolonialismus sind die Mittel, die Unterdrückung der Völker in aller Welt ist das Ziel amerikanischer Politik.
2. Die USA sind die Hüterin des Monopolkapitalismus, der reinen Lehre vom allmächtigen Markt. Der Kapitalismus bedient sich der Demokratie nur, solange sie ihm nützlich ist. Daher geht vom Kapitalismus auch immer die Gefahr einer faschistischen Diktatur aus.
3. Die USA sind eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die Bourgeoisie unterdrückt das Proletariat. Gleichzeitig ist das Land eine Zwei-Rassen-Gesellschaft, die Weißen beherrschen die Schwarzen, die Latinos, die Asiaten und die Native Americans.
4. Die USA sind die Ursache für den kulturellen Verfall in der westlichen Welt. Materialismus, Hedonismus, Konsumismus und Eskapismus sind die Kennzeichen dieses Verfalls, der durch amerikanische Kulturprodukte in alle Welt getragen wird.
Sehen wir uns die Vereinigten Staaten im Jahr 2020 an, dreißig Jahre nach dem Ende der DDR. Im Weißen Haus regiert ein Monopolkapitalist, kein Politiker. Er macht aus seiner Verachtung gegenüber der Verfassung keinen Hehl. Er hätte eine Wahlniederlage 2016 nicht anerkannt und wird eine Wahlniederlage im Herbst dieses Jahres nicht anerkennen. Er lebt seinen Rassismus, seine Ausländerfeindlichkeit, seinen Sexismus und seinen Hass auf Muslime in aller Öffentlichkeit aus. Seine Politik ist offener Klassenkampf. Er senkt die Steuern für die Reichen und fördert aktiv die Verarmung der Unterschicht.
Das politische System der USA ist fest in der Hand der reichen Oberschicht. Es gibt keine Alternative zur Zwei-Parteienherrschaft, keine politischen Optionen, die es in den Gesetzgebungsprozess schaffen würden. Geld regiert das Land mit einer Offenheit, die auf Außenstehende skrupellos und zynisch wirkt. Es gibt praktisch keinen Sozialstaat, viele Menschen sind noch nicht einmal krankenversichert. Arbeitnehmer und Mieter genießen nur rudimentäre Schutzrechte. Der Rechtsstaat ist fest in der Hand der Politik und damit des Establishments. Die Polizei ist eine rassistische Schlägertruppe. Es gibt de facto Rassentrennung im Schulsystem und in den Wohngebieten. Das ganze Land ist zerfallen, es gibt keine Gesellschaft im eigentlichen Sinne mehr. Keine gemeinsamen Werte, keine gemeinsame Zukunft. Das ganze Elend wird mit christlichem Fundamentalismus und Wissenschaftsfeindlichkeit garniert.
Was soll man dazu sagen? Honecker hatte recht – und im Vergleich zur Gerontokratie, die sich im November in den USA zur Wahl stellt, Trump (74) und Biden (77), wirken er und Breschnew im Rückblick wie jugendliche Helden.
The Gap Band - You Dropped A Bomb On Me. https://www.youtube.com/watch?v=17lkdqoLt44

1 Kommentar:

  1. https://www.youtube.com/watch?v=nb6Gbi1MpoE

    Niemals werden der Menschheit die Heroen fehlen. Man wird immer Helden haben, in denen man die Verkörperung eines Volkes oder gewisse Gedanken erblickt. Wenn man sucht, findet man, wenn man auch fehlgreift und eine Lächerlichkeit findet.

    Theodor Rocholl (1854 - 1933)

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