Donnerstag, 4. Juni 2020

The Bonetti Connection


Fernando Lopez hatte ein Gesicht aus Stein. Aus vernarbtem, grobporigem Stein. Aber an seinem rabenschwarzen Haaransatz, der zwei Finger breit über seinen öligen Augenbrauen begann, hatten sich Schweißperlen gebildet. Er hätte sein Gegenüber gerne mit der Bohrmaschine bearbeitet, seinem liebsten Folterinstrument. Sein Spitzname war „El Loco“, weil er immer irre lachte, wenn er einen Mord beging. Er war der Boss des Acapulco-Kartells und verkaufte jede Woche eine Tonne Kokain in den USA. Er war hier, um sich den rasch wachsenden chinesischen Markt zu sichern.
Ling Cheng war ein kleiner drahtiger Chinese aus Hongkong. Mit zwölf hatte er seinen ersten Mord begangen und mit fünfzehn gab es auf seinem Oberkörper und seinen Armen keine einzige untätowierte Stelle mehr. Ihm fehlte der kleine Finger der linken Hand, weil er bei einem Treffen mit dem Boss der südchinesischen Triaden-Vereinigung mit einem offenen Schnürsenkel aufgekreuzt war. Inzwischen hatte er diesen Boss an die Haie verfüttert und war selbst Chef einer Triade. Seine Fachgebiete: Glücksspiel, Prostitution, Drogenhandel.
„Das Kokain ist unverschnitten. Ich verlange 150 Millionen“, presste Lopez zwischen seinen schmalen Lippen hervor.
„Seit Peking jede Bewegung in Hongkong kontrolliert, sind meine Kosten gestiegen. Weißt du, wen ich alles schmieren muss, um den Stoff in die Stadt zu bekommen? Auf Korruption steht die Todesstrafe, die Preise für Zollbeamte sind astronomisch“, antwortete Cheng ungerührt.
„Dann 120 Millionen und ich hoffe, du Hurensohn erstickst an deiner eigenen Scheiße.“
„85 Millionen. Es kostet mich einen Anruf und deine Kinder werden zu Chicken Nuggets verarbeitet.“ Cheng entblößte ein paar nikotingelbe Zähne.
„Du schwanzlutschender Hundefresser willst mir drohen? Ich bin der Mann, der entscheidet, welcher Todestag auf deinem Grabstein steht, comprende pendejo?!“
Die Tür öffnete sich, beide Bosse drehen den Kopf. Ein Mann betrat den Raum. Hochgewachsen, mit entschlossenem Blick und wallendem Haupthaar. Eine Erscheinung wie ein römischer Kriegsgott: Andy Bonetti. Es war nicht selbstverständlich, dass sich eine so exponierte Persönlichkeit in die Verhandlungen einschaltete. Aber er war ein Mann, dem die Schwerverbrecher vertrauten. Man kannte ihn als duldsam, nachsichtig und verständnisvoll. Er setzte sich an den Tisch und faltete bedächtig die Hände, als wolle er beten.
„Meine Herren. Ich habe mir die Freiheit genommen, ihrem Gespräch zu lauschen. Warum einigen wir uns nicht auf 100 Millionen, eine glatte Summe? Dafür verschaffen Sie, Herr Cheng, ihrem Kollegen aus Mexiko Zugang zum Markt in Shanghai, zu dem Sie, wie ich aus sicherer Quelle weiß, hervorragende Kontakte besitzen. Herr Lopez wird im Gegenzug versichern, eine exklusive Lieferbeziehung zu etablieren und in den nächsten Monaten die Versorgung Hongkongs zum beschlossenen Vorzugspreis zu garantieren. Wie klingt das?“
Die Männer schwiegen eine Weile. Schließlich nickten sie.
„Johann, Champagner!“ rief Bonetti und fast augenblicklich brachte sein Kammerdiener ein silbernes Tablett mit einem Champagnerkübel und drei Gläsern ins Zimmer.
***
Sicher haben Sie sich schon mindestens einmal gefragt, woher Andy Bonettis märchenhafter Reichtum kommt. Bücher und Einlagen für Blasenschwäche können es nicht sein, obwohl dieser Mann unglaublich erfolgreich ist. Seine eigentliche Einkommensquelle ist die Invisible Business Factory. In diesem Hochsicherheitstrakt, gegen den Fort Knox ein Kindergarten ist, können sich Angehörige von Drogenkartellen, Mafia-Organisationen, Warlords und andere Beschäftigte im Bereich organisierter Kriminalität treffen, um an einem neutralen Ort ihre oftmals heiklen Geschäfte, Drogen- und Waffenhandel, Entführungen, Erpressungen u.v.m., abwickeln zu können. Oft kommt es beim Tausch von Ware und Geld zu unschönen Szenen, weil man sich in dieser Branche nicht über den Weg trauen kann. Bonetti bietet einen sicheren Ort für Verhandlungen und garantiert die Überweisung von Geld und die Übergabe von Waren. Keine verrauchten Hinterzimmer, keine leerstehenden Fabrikhallen, kein schäbiges Motel. Bonetti hat überall einen untadeligen Ruf, die Bosse der Unterwelt trauen ihm schon seit vielen Jahren.
Der Eingang zur Invisible Business Factory ist in einer kleinen Seitenstraße. Den Namen der Stadt darf ich an dieser Stelle nicht nennen. Man betritt ein winziges, unauffälliges Haus, das nur als Fassade dient. Dahinter ist ein riesiger Hochsicherheitstrakt, in dem Drogen, Waffen, geheime Dokumente und Geiseln sicher gelagert werden können. Besucher müssen Waffen, technische Geräte und ihre Bekleidung abgeben. Sie tragen einen Overall, in den Mikrochips eingenäht sind, so dass sie jederzeit im Gebäude geortet werden können. Dann werden sie in ein hermetisch abgeriegeltes Verhandlungszimmer gebracht. Dort können sie in Ruhe ihre Geschäfte machen. Gelegentlich tritt Bonetti als Mediator auf. Er bekommt von jeder Transaktion, die in der Factory durchgeführt wird, ein Prozent. Das klingt nach einer geringen Summe, aber bei einem Geschäft, bei dem es um Kokain im Wert von 100 Millionen Dollar geht, bekommt Bonetti eine Million – steuerfrei. Diese Marktlücke, in Fachkreisen „The Bonetti Connection“ genannt, sichert dem Dichterfürsten ein Leben in Luxus.

In diesem Gebäude, auf dem Bild links, ist der Eingang zur Factory. Im Gebäude rechts können sich die Gangster mit einem kleinen Imbiss stärken.
Sleaford Mods – Second. https://www.youtube.com/watch?v=IT09DGuXwYQ

5 Kommentare:

  1. "Man kannte ihn als duldsam, nachsichtig und verständnisvoll."

    Schafskälte 2020
    4. bis 20. Juni 2020 in Europa

    Der Zeitraum, in dem die Schafskälte auftreten kann, beginnt am 04. Juni 2020 und endet am 20. Juni 2020.
    Um den 11. Juni gibt es in Mitteleuropa oft einen Kälteeinbruch, der sich vor allem in Deutschland auswirkt.
    Die Schafskälte tritt nicht jedes Jahr auf. Durch kühle und feuchte aus dem Nordwesten einströmende Luft sinkt die Temperatur um fünf bis zehn Grad Celsius.

    Dieser Text wurde von www.kleiner-kalender.de entnommen.

    *STIMMTauffallend... WetterVERSCHWÖRUNG...dieEISHEILIGENwarenauchinvolviert...augenroll*

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  2. je höher sie summe, umso kleiner kann die provision ausfallen, ganz praktisch eigtl. ;)

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  3. Braucht Bonetti dafür zufällig eine Website, um diese Dienstleistung zu bewerben?

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    1. Hast du eine oder willst du eine machen?

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    2. Ich würde eine erstellen und betreiben, inklusive SEO und Online-Shop.

      Gegen entsprechende Provision.

      Vielleicht hättest Du auch noch Interesse an einem ERP?

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