Donnerstag, 25. Juni 2020

Der nächste Skandal


Es war bereits später Abend und es brannten nur noch wenige Kerzen im Schlafgemach Bonettis. Der opulente Raum war mit hellgrünen Teppichen aus der Ming-Dynastie und Ölgemälden ausgestattet, die italienische Landschaften der Renaissance zeigten.
Es klopfte an der Tür und der Kammerdiener trat ein. Auf Zehenspitzen schlich er sich an das riesige Bett Bonettis, das mit einem Baldachin aus scharlachrotem Brokat überspannt und mit hauchdünnen Seidentüchern verhängt war. Eine rätselhafte Seuche hatte das Land erfasst und der alte Bonetti, ehrwürdiger Verleger und Grandseigneur des Boulevardjournalismus, wollte kein Risiko eingehen.
„Entschuldigen Sie die Störung“, flüsterte Johann. „Ein Herr Besenbinder möchte Sie sprechen. Er sagte, es sei dringend.“
„Lassen Sie ihn zu mir“, brummte Bonetti.
Joachim Besenbinder, dieser verschlagene Hund, diese bucklige Missgeburt. Welches Stück dreckiges, stinkendes Aas wirst du mir diesmal bringen?
Besenbinder trat ans Bett Bonettis. Durch die Vorhänge konnte er ihn nur schemenhaft erkennen.
Besenbinder verzichtete auf jegliche Begrüßung und keuchte vor Ungeduld. „Es gibt Neuigkeiten im Skandal um den westfälischen Schweinebaron.“
Bonetti gab sich unbeteiligt. Er wusste, dass man auf diese Weise den Preis dieser Hyäne drücken konnte. „Er ist ein Rassist, ein Steuerhinterzieher, Menschenschinder, Tierquäler und seine blau-weiße Orktruppe spielt ohne zwingenden Grund in der Bundesliga. Was gibt es da noch auszugraben?“
„Er steckt mit Armin dem Ersten unter einer Decke. Jahrelang hat der katholische Klüngelkardinal von Düsseldorf jede Schweinerei des Barons gedeckt. Keine Kontrollen, keine Anzeigen. Für alles hatte Armin eine Entschuldigung. Jetzt weiß ich auch, warum.“ Besenbinder leckte sich erwartungsvoll die Lippen.
„Hast du Beweise?“
Besenbinder zog ein Päckchen aus seinem schäbigen, speckigen Mantel und reichte es Bonetti, dessen Hand kurz unter dem Vorhang hervorlugte.
Bonetti betrachtete deftige Kupferstiche, auf denen der Baron und der Kardinal bei wüsten Orgien zu sehen waren. Dazu Bankanweisungen des Barons, mit Feder auf Pergament geschrieben. Er hatte den Kardinal jahrelang mit vielen tausend Talern geschmiert und ihm eine VIP-Lounge auf Schalke besorgt. Der Verleger war zufrieden. Dieser Skandal war bares Geld wert.
Oder sollte er mit diesem Material Armin den Fetten, wie er auch spöttisch genannt wurde, erpressen? Ihm wurden Ambitionen auf den Heiligen Stuhl in Berlin nachgesagt. Aber welche Ämter oder Vergünstigungen konnte Bonetti von ihm verlangen, die er nicht selbst für Geld kaufen konnte?
„Gute Arbeit“, sagte er nur und ließ einen Lederbeutel mit Goldmünzen auf den Bettvorleger fallen.
Hastig griff Besenbinder nach seinem Lohn und humpelte in die Nacht hinaus.
Spider Murphy Gang – Herzklopfen. https://www.youtube.com/watch?v=g9Lr6BNWRJQ

Würstchen im Schlafrock.

2 Kommentare:

  1. Warum essen Blinde immer so gerne Mohnbrödchen

    weil da immer so tolle Geschichten draufstehen ... (ړײ)

    AntwortenLöschen
  2. Der Lebenslauf von Laschet ist noch wurstiger.

    AntwortenLöschen