Sonntag, 3. Mai 2020

Irrweg durch die Trümmer des Sinns


Gibt es eine historische Logik, der die menschliche Entwicklung folgt? Gibt es Gesetzmäßigkeiten? Ich bin pessimistisch, was die Logik angeht. Ich habe Frauen getroffen, die fünfzig Paar Schuhe hatten. Da habe ich mich gefragt: Warum? Du hast doch nur zwei Füße. Ich habe Männer kennengelernt, die hatten zehn Autos. Da habe ich mich gefragt: Junge, wo willst du hin? Natürlich gibt es oberflächliche Erklärungen wie Kauflust und Statusgeprotze. Aber vernünftig und logisch nachvollziehbar ist schon das Verhalten des Einzelnen nicht durchgängig.
Wie sieht es mit der Gesellschaft aus? Entwickelt sich ein sozialer Organismus nach Gesetzmäßigkeiten? Folgt nach dem Kapitalismus der Sozialismus und schließlich der Kommunismus? Hat Gott einen Plan? Oder der Weltgeist? Was ist mit Hegel? Auch an diesem Punkt bin ich pessimistisch. Ich habe in Sachen Gesellschaft einen Heringsschwarm vor Augen. Warum schwimmt der Schwarm nach rechts oder nach links, nach oben oder nach unten? Gibt es einen Chef-Hering? Oder zieht ein Teil des Schwarms nach rechts, die anderen Heringe sehen es und folgen erst mal. Schließlich sehen sie nicht, was rechts ist. Und allein nach links zu schwimmen, macht den einzelnen Hering angreifbar, weil er nicht mehr den Schutz des Schwarms genießt. Also schwimmen alle nach rechts. War die Entscheidung richtig? Keine Ahnung. Was erwartet uns, wenn wir diese Richtung einschlagen? Futter? Oder der Untergang? Man weiß so wenig, wenn man Hering ist.
Und so taumeln wir weiter durch die Geschichte, auf dem Tacho rauschen die Jahreszahlen vorbei, irgendwann bin ich tot, habe mir viele Fragen gestellt, keine nützlichen Antworten bekommen und die nächste Generation Heringe, Schuhkäuferinnen und Autofahrer zieht ihre Bahn durch die Banalität des Lebens und das eisige Schweigen des Universums.
George Thorogood and the Destroyers - I Drink Alone. https://www.youtube.com/watch?v=4E9ydw_aDMg

3 Kommentare:

  1. Es ist wirklich schrecklich banal. Zum kotzen.

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  2. Man soll weder annehmen noch besitzen, was man nicht wirklich zum Leben braucht.

    Mahatma Gandhi

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  3. ... und die Jahre rauschen immer schneller vorbei. Immer mehr Dinge werden unwichtiger und unwichtiger, und die Generationen an Schuhkäufern, Autokäufern, Hashtagfreaks drehen weiter ihre Kreise. Scheint der Lauf der Sache zu sein. Eigenwilliger Gedanke. Einerseits wirklich banal, andererseits scheint dies Gesetz zu sein

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