Montag, 25. Mai 2020

Eindringlicher Appell an die deutschen Bürger


Zum Glück war der Lockdown zu kurz, um die Bürger wirklich zum Nachdenken zu bringen. Es wäre fatal, wenn sie die Zeit der geschlossenen Geschäfte und Restaurants genutzt hätten, um ihr Alltagsroutinen, ihr Kaufverhalten oder gar ihr ganzes bisheriges Leben zu reflektieren.
Was die Wirtschaft und damit den Staat, der nur existieren kann, wenn in ausreichendem Maße Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer und alle anderen Steuern durch Produktion und Konsum generiert werden, am Leben erhält, ist der besinnungslose Konsum. Wir brauchen business as usual im Wortsinn. Wenn wir jetzt, als Ergebnis der erzwungenen Muße im Lockdown, anfangen, nur noch die Dinge zu kaufen, die wir wirklich brauchen, wenn wir wieder selbst kochen und backen, wenn wir stricken und häkeln, wenn wir Gemüse selbst anbauen, dann vernichten wir die Existenzgrundlage der Bundesrepublik.
Diese Existenzgrundlage ist zu einhundert Prozent kapitalistisch und funktioniert nur mit Wachstum. In diesem Jahr erlebt die Wirtschaft einen Einbruch. Umso wichtiger wird das Wachstum in den nächsten Jahren. Die Wachstumsideologie wird ihr großes Revival erleben. Wachstum um jeden Preis. Natürlich hätte man die Wirtschaftskrise 2020 auch für ein Umsteuern nutzen können. Es wäre ein günstiger Zeitpunkt, um die Digitalisierung von Arbeit und Bildung sowie die Elektrifizierung des Straßenverkehrs zu beschleunigen. Altes zerfällt, Neues wächst an seiner Stelle. Stattdessen werden wir hören, dass jetzt nicht die Zeit für Experimente ist. Es kommt die große Zeit der palliativen Politik. Sterbehilfe für Dinosaurier wie das Kaufhaus und den Verbrennungsmotor.
Konsum wird zu einer patriotischen Pflicht. Kaufen Sie das 28. Paar Schuhe, kaufen sie die 15. Übergangsjacke für die Zeit zwischen den Jahreszeiten, die sich immer ähnlicher werden. Wir werden Prämien für den Kauf von Dieselautos bekommen, Rabattschlachten für die Frühjahrskollektionen, die Regierung wird Helikoptergeld unters Volk werfen wie Konfetti. Jetzt nicht nachdenken! Jetzt nicht das alte Leben ändern! Es wäre nicht nur destruktiv, es wäre geradezu selbstmörderisch, wenn wir jetzt nicht alle auf Teufel komm raus Geld ausgeben. Der Staat verschuldet sich maßlos, das heißt: Er wirft jetzt schon mit den Steuereinnahmen der nächsten Jahre und der nächsten Generation um sich. Es droht eine Abwärtsspirale von Arbeitslosigkeit und Konsumzurückhaltung. Sie wird sich immer weiterdrehen und uns alle in den Orkus der Verdammnis, in Armut und Verzweiflung hinabziehen.
Wenn wir jetzt nicht wieder haargenau so leben wie vor der Coronakrise, gefährden wir unseren Wohlstand und ziehen auch unsere Zulieferer in anderen Staaten mit hinab. Niemand kann sich ernsthaft ein Ende des Kapitalismus wünschen. Wenn ich mich an die Wochen des Klopapiermangels erinnere, bricht mir der kalte Angstschweiß aus. Ein einzelnes Produkt wird, nur aufgrund unserer eigenen Panikkäufe, kurzzeitig knapp, und schon schweigen selbst glühende Marxisten beklommen und das Volk wähnt sich dem Untergang nahe. Wir haben unser ganzes Leben wie verwöhnte Einzelkinder verbracht, denen keinerlei Härte zuzumuten ist. Helfen Sie also bitte alle mit, liebe Bürgerinnen und Bürger! Denken Sie nicht nach! Kaufen Sie!
Die Krupps - Nazis auf Speed. https://www.youtube.com/watch?v=Gjf6TQw58ac

8 Kommentare:

  1. Der sich die Hände reibt25. Mai 2020 um 09:09

    Ha Ha...es ist in der Tat im höchsten Maße tragisch, daß wir keinen anderen Plan haben.
    Scheißdreck produzieren und kaufen.
    Immer weniger verdienen aber immer mehr kaufen.
    Sich verschulden für das Wohl der Gemeinschaft, für das Überleben.
    So wie die Amis, nix zu fressen aber die dicksten Allradautos kaufen, die auch noch Sprit saufen wie blöde, und in Amiland muß man weite Strecken fahren um ein Bier zu kriegen.
    Das wahre Problem ist, daß die entscheidenden Leute, also diejenigen welche entscheiden, die "Eliten", das alles nichts angeht.
    Sie fahren nicht Rad, also geht nix beim Radwegebau.
    Sie fahren nicht Zug, also S 21.
    Sie lassen sich in Privatkliniken behandeln, also Abbau des öffentlichen Gesundheitssystems.
    Nur "das Virus" unterscheidet nicht.

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  2. "Denken Sie nicht nach! Kaufen Sie!"

    Meine Oma hatte den Keller voller Einmachgläser. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, in der ersten Woche ein Glas, in der zweiten Woche zwei Gläser, in der dritten Woche drei Gläser heraufzuholen und das als Wachstum zu bezeichnen.

    Peter Hohl, deutscher Journalist und Verleger, Redakteur, Moderator und Aphoristiker

    *seufzzz*

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    1. Peter Hohl kenne ich. Der ist auch aus Ingelheim, mit seinem Sohn war ich zu Schulzeiten befreundet. Früher war er Assistent von XY-Zimmermann beim ZDF. Ihm habe ich 1985 mein erstes Buchmanuskript angeboten. Zum Glück hat er abgelehnt :o)))

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  3. Alles ist so dumm, wenn wir wie die Dinos agieren, dann verschwinden wir halt auch wie sie. Aber der Weg bis dahin macht mir dann wirklich Angst. Es gäbe viele Gründe, den Weg zu ändern, und es gäbe auch genug Ideen und Geld, nur mit der Umverteilung und den Machtstrukturen klappt es nicht.

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    1. Gerade die Angst ist ein Hindernis für Veränderungen. Man sieht es ja auch an den verwirrten Verschwörungsgläubigen. Sie wollen einfach ihr altes Leben wieder. Notfalls leugnet man die Gefahr. Hauptsache, man kann wieder in die Kneipe und nach Mallorca.

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  4. Der TV Glotzer25. Mai 2020 um 13:37

    Kneipe IST wichtig.
    Malle und 5er BMW weniger.
    Eine Gesellschaft ohne Geld und Krieg ? So wie in Raumschiff Enterprise ?
    Aber trotzdem mit Führerprinzip und alle Befehlshaber ( Kapt`n ) Weiße und Amerikaner.
    Ein Haken ist immer.

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    1. Bier ist wichtig. Freunde sind wichtig. Aber auf Kneipe verzichte ich schon seit vielen Jahren. Genau wie auf's Kino. Die wesentlichen Dinge wie Fernsehen und Trinken kann uns das Virus nicht nehmen. Es erreicht nicht den Kern unserer Existenz ;o)))

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