Freitag, 8. Mai 2020

Die Apokalypse als Lebenselixier


These

Das Leben ist eine Abfolge von Weltuntergängen. Das Chaos droht, der Kollaps steht kurz bevor. Aktuelle Uhrzeit: fünf vor zwölf. Wir haben Angst. Das ständige Überleben lokaler und globaler Krisen und Katastrophen lässt uns jedoch auch regelmäßig die Angst überwinden, es macht uns euphorisch und lässt uns den kapitalistischen Alltag, unsere Verwertung und Verwurstung durch andere, leichter ertragen. Wer gerade dem Teufel von der Schippe gesprungen ist, rebelliert nicht.
Also befinden wir uns im Zustand permanenter und größter Bedrohung. Unser Leben wäre belanglos, unser Besitz wertlos, wenn es die Gefahr des Untergangs nicht gäbe. Wir brauchen diese Aufregung, sie allein hält uns wach. Aber da in unserem Leben eigentlich nichts passiert, was erwähnenswert wäre, sehen wir uns jeden Abend die echten und gespielten Katastrophen im Fernsehen an: Explosionen, Schießereien, Verkehrsunglücke, Mord und Totschlag en gros et en détail in den Nachrichten, Krimiserien und Spielfilmen.
Im Angesicht der Apokalypse sind wir einträchtig vereint, in der Not halten wir zusammen. Macht das drohende Ende nicht alle Menschen gleich, ob sie nun arm oder reich, Vollkorndeutsche oder Migranten, linksgrünversifft oder nationalautoritär sind?

Systematik der Apokalypse

Umwelt: menschengemachte Bedrohungen wie Waldsterben, Ozonloch, Artensterben, Abholzung der Regenwälder, Klimakrise usw.; natürliche Bedrohungen: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme, Tsunamis usw.
Krieg: Steht uns seit Kriegsende ganz sicher bevor, notfalls führen wir ihn woanders (daher: permanente Aufrüstung und Alarmbereitschaft)
Terrorismus: links, rechts, islamistisch
Kriminalität: Einbrüche, Raubüberfälle, Amokläufer – in unserem Bewusstsein wird die Bedrohung von Jahr zu Jahr dramatischer
Seuchen: AIDS, Rinderwahnsinn, Ebola, Covid-19 usw.
Politik: Wir sind immer kurz vor einer Diktatur bzw. einem Überwachungsstaat, wahlweise auch vor einer sozialistischen Revolution oder allgemeinem Chaos
Technik: Reaktorkatastrophen, Machtübername durch KI usw.
Weitere: Rezession, Überbevölkerung, Aliens (schon da?) usw.
Persönliche Ebene: Unfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Gewalt usw.

Fazit

Die Katastrophen und die drohende Apokalypse stimulieren Wirtschaft und Gesellschaft. Aktuell in folgenden Bereichen:
• Erneuerung wird beschleunigt (z.B. Ende des Verbrennungsmotors)
• Nachhaltiger Konsum (Qualität vor Quantität, Fairtrade)
• Klimaschutz (Abschaffung der Billigflüge und Inlandsflüge, autofreie Innenstädte usw.)
Kleiner Spaß. Tatsächliche Folgen: Einschränkung von Arbeitnehmerrechten, Konzentration des Kapitals durch Ausschaltung der Konkurrenz, Wirtschaftswachstum als Allheilmittel nach der Krise, maßlose Subventionen für die großen Konzerne und Vergesellschaftung unternehmerischer Risiken, Fortführung der CDU-Herrschaft, Machtmissbrauch, Ende der Klimadebatte, Verzicht auf den ökologischen Umbau der Wirtschaft und der FC Bayern wird deutscher Meister.
INXS - New Sensation. https://www.youtube.com/watch?v=iV-QGQVZv0k

Echtes Blut. Mein Haushalt ist eine Todesfalle.

2 Kommentare:

  1. Der am Rad dreht8. Mai 2020 um 12:59

    Sehen wir es wie es ist/war.
    Die Rezession war schon im Anmarsch, manche Firmen haben schon im Februar Kurzarbeit angemeldet. Da kam das Virus gerade recht. Jetzt wird das Füllhorn wieder geschwenkt.
    Auf den Straßen sieht man nur noch neue Autos, Klamotten hat jeder bis zum Abwinken, besitze selbst 7 Fahrräder, die Wohnungsnot ist gemacht, es gibt genügend Wohnraum, es steht gerade hier in meinem Kreis, in dem Wohnungen knapp scheinen, genügen leer oder ist unternutzt. ( Oma im großen Einfamilientempel aus den 80ern, da hat man noch recht großzügig gebaut. Gerne auch mit damals steuerlich subventionierter Einliegerwohnung,80m², auch leer. ) Der Überfluß kommt an seine Grenzen, und der Rest der Welt wird ausgepresst und fällt somit als Konsument aus. Weil die würden auch gerne mal einen Daimler fahren.
    Was fehlt sind Ideen oder einfach Mut. Von den Verantwortlichen.
    Hach ja, und dann sollen wir uns Sorgen machen wann die Bundeslige wieder anfängt.
    Ha ! Gerade diese Geldsäcke.

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  2. In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.

    Miguel de Unamuno

    Das ENDE ist nah und nah ist das ENDE ...alte Engelchenweisheit (ړײ)

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