Freitag, 1. Mai 2020

Das große Fressen


Saftiges Fleisch. Weicher Knödel. Scharfes Messer, das hineinschneidet. Spitze Gabelzinken, die hineinsinken. Schmatzen. Kauen. Schlucken. Was gibt es zum Nachtisch? Was essen wir morgen? Ist genug Wurst im Haus? Der kleine Betrieb wird von einem großen Unternehmen geschluckt. Die Stadt frisst sich in die Landschaft. Gewerbegebiete verschlingen Wälder. Ich bin noch nicht satt. Dampfende Schüsseln werden hereingetragen. Ich will mehr. Ich will Tiere, ich will Pflanzen, ich will Sachen. Meine Heimat ist das Mehr. Der Hunger treibt mich in den Wahnsinn. Ich kann nicht aufhören. Bringt mir ein Spanferkel! Bringt mir Nudeln! Bringt mir Pizza! Schmatzen. Kauen. Schlucken. Ich werde mir alles einverleiben. Es wird kein Außen mehr geben, ich verzehre es vollständig. Ich bin nur noch Mund. Die Welt ist Nahrung.

2 Kommentare:

  1. An diesem "Mehr" leidet der Mensch wie die Umwelt. Mehr Gewinn, mehr Auswahl, mehr von allem. Ich las mal ein Märchen in dem es hieß: Es muss im Leben mehr als alles geben. Dieser Satz hat mich sehr beeindruckt, obwohl ich die Geschichte nicht mehr kenne.

    AntwortenLöschen