Sonntag, 26. April 2020

Zurück in die Silvesternacht von Köln


Es war eine Zeit voller Hoffnung. 2015. Willkommenskultur. Halb Deutschland stand mit Teddybär und Luftballon am Bahnhof, um die Armen und Entrechteten dieser Erde zu begrüßen. Überall halfen Menschen den Neuankömmlingen, in Turnhallen und Containern wurde ihnen ein Quartier bereitet. Ein Sommermärchen. Nur diesmal ging es nicht um Fußball, sondern um Menschlichkeit.
Natürlich ist es nicht lange gut gegangen. Ein paar Grabscher am Kölner Hauptbahnhof haben genügt, um die Tore zu schließen und eine Million Geflüchtete unter Generalverdacht zu stellen. Ein Jahr später kommen auf jeden Asylantrag zehn Wähler der faschistischen AfD. Wir kennen alle die Geschichte.
Jetzt wiederholt sie sich. Deutschland, ein Frühlingsmärchen. Das ganze Land nimmt harte Entbehrungen auf sich, um die Risikogruppen in der Coronakrise zu schützen. Wir verdienen unser Geld im Schlafanzug und nicht mehr im Sakko. Wir sparen uns den Stau im Berufsverkehr. Wir essen die Pizza zuhause und nicht im Restaurant. Wir besuchen an Ostern nicht die Schwiegereltern. Wir beklatschen unseren Heldenmut allabendlich auf dem Balkon. 2020 ist unser Weltkrieg.
Vorbei. Vier Wochen müssen genügen. Das Wetter ist schön und es zieht uns in die Biergärten. Warum sind sie geschlossen? Och, menno. Ich hab doch nix gemacht, Mutti. Bin brav gewesen. Keine Flugreise nach Mallorca? Darf ich wenigstens nach Ischgl? Der Onkel Sebastian hat’s erlaubt. Warum hat die Eisdiele geschlossen, wenn der Baumarkt aufmacht? Ich halte auch Abstand und trage eine Alu-Maske. Risikogruppe? Ist das eine neue Band?

4 Kommentare:

  1. Toll dieser Helm, ersatzweise geht auch der Feuerwehrhelm aus dem Spielwarenhandel, der mit Visier. Bin genervt!

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    1. Ich habe gestern mal probeweise meine neu erworbene Schutzmaske aufgehabt. Unangenehm. Es wird schnell heiß und feucht unter dem Ding. Ich verzichte lieber weiterhin auf den Einkauf im Supermarkt und in anderen Geschäften. Zuhause muss ich noch nicht mal Hosen tragen :o)

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  2. Ganz schön zynisch der Text, oder ne Ergebenheitsadresse?

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  3. Winnetou aus Winnenden26. April 2020 um 11:34

    Die Hälfte oder mehr der Ur-Amerikaner, Indianer, Mayas, Azteken, egal, wurden durch Bakterien und Viren der Weißen ausgerottet.
    Deshalb war ja die "Eroberung" von Nordamerika so einfach, es war einfach keiner mehr da.
    Was wir jetzt erleben ist der Witz.
    Nochmal: der Witz.
    Es ist schon etwas anderes wenn jeder der einen Schnupfen bekommt tatsächlich verreckt.
    So war das seinerzeit aber für die Amerikaner.
    Nur um mal darzulegen, was eine richtige Seuche ist.
    Hugh, ich habe gesprochen.

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