Montag, 27. April 2020

Schwarze Gummibärchen für Kreuzberg


Blogstuff 425
„Zwischen Suppe und Mund kann sich vieles ereignen.“ (Ror Wolf: Fortsetzung des Berichts)
23. März 2021. Erster Jahrestag der „Kontaktbeschränkungen“. Die Deutschen stehen maskiert auf ihren Balkonen und applaudieren. Wir haben uns längst an den Ausnahmezustand gewöhnt.
Erst wenn das letzte Internet-Start Up Pleite gegangen ist, erst wenn die letzte Fahrradwerkstatt geschlossen ist, erst wenn der letzte Chai Latte getrunken ist, werdet ihr merken, dass man von dieser pubertären Hipster-Scheiße nicht leben kann.
Die Österreicher sind geschäftstüchtige Leute. Erst haben sie Ischgl so lange offen gelassen, bis die ersten Leichensäcke aus dem Dorf getragen wurden, jetzt locken sie uns für den Sommerurlaub in ihr Knusperhäuschen.
Ich war nur einmal im Leben in Oberhausen. Damals habe ich mit einem Freund, der 18 Semester in Duisburg studiert hat, ohne einen einzigen Schein zu machen, das nagelneue CentrO besucht. Wir haben im Planet Hollywood einen überteuerten Burger gegessen, waren im Kino und hatten von dieser merkwürdig unpassenden Mall schnell die Schnauze voll. Wir gingen in eine Eckkneipe. Da wo wieder Ruhrpott ist. Sofort Totenstille am Tresen. Fremde! Wir setzten uns an einen Tisch und bestellten Bier und Schnaps. Die Lage beruhigte sich wieder, die Colts wurden zurück in den Halfter gesteckt. So viel von mir zu dieser Stadt.
Wie oft verkaufen uns die Besserwisser ihre Einmischung als Anteilnahme? Jetzt, wo man kaum noch andere Menschen trifft, bekommt man auch keine „guten“ Ratschläge mehr, wie man sein Leben zu gestalten hat. Deutschland, das Volk der Virologen, weicht auf YT-Videos und Podcasts aus, die ich mir alle nicht ansehe. Stattdessen sitze ich jeden Tag eine Stunde auf meiner Gartenbank und lass mir die Sonne auf den Pelz scheinen.
Es gibt etwa zweihundert Länder auf der Erde. Nur sieben haben mehr Corona-Tote als Deutschland. Aber wir halten uns mal wieder für die Allergrößten.
Nach Corona werde ich meine Klopapiervorräte anzünden wie Nero einst Rom.
Die Bayern haben seit dem 8. März kein Spiel mehr gewonnen. Wackelt der Trainerstuhl von Hansi Flick?
Habe ich jetzt eine Protestwampe, weil ich mich dem kapitalistischen Verwertungsideal verweigere, oder eine Coronawampe? Jedenfalls bekomme ich inzwischen auf dem Weg vom Sofa zum Kühlschrank Seitenstechen.
Die Krise: episch, epochal – und unglaublich langweilig. Wann kommt Covid20?
Ich entdecke immer mehr Vorteile an der Pandemie. Mit Maske kann man zum Beispiel aufs Zähneputzen verzichten. Oder denken Sie mal ans Händeschütteln. Wie oft habe ich jemandem die Hand gedrückt und dachte, ich fasse eine ausgelaufene Wärmflasche an. Oder die Frauen! Es sind vierzig Grad im Schatten, du bist in der algerischen Wüste – aber ihre Hand ist eiskalt.
Neueste Verschwörungstheorie: Der Klopapiermangel wurde nur inszeniert, um vom Maskenmangel abzulenken. Oder hatten wir die schon?
Im Traum begegnen dir deine Toten wieder, ob du willst oder nicht.
Blue Swede - Hooked on a Feeling. https://www.youtube.com/watch?v=NrI-UBIB8Jk

3 Kommentare:

  1. Mit Maske kann man zum Beispiel aufs Zähneputzen verzichten.

    Und aufs Rasieren!

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  2. " jetzt locken sie uns für den Sommerurlaub in ihr Knusperhäuschen."

    War schon vorher so ;-)

    "(...) in ein abgeriegeltes Tal gelockt und ausgenommen..."
    https://www.youtube.com/watch?v=mi127JuA-eA

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  3. Nur an 8. Stelle? Kann man das nicht mit der Verkehrstotenzahl pro Bahnhofskiosk indexieren? Wäre jedenfalls noch sinn- und geschmackloser.

    Maske ist jedenfalls das richtige Wort, andernfalls hieße es Atemschutz.

    "Mein" Optiker hat wieder auf, kam ne mail. Also diese überteuerte Spritzguss und Blechstanzbude bei deren Preisen ich in Fernost ne ganze Kollektion bekomme. Nicht der erste Fehler von den diesen nichts außer Korruptionskönnern in diesem Provinznest an der polnischen Grenze.

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