Donnerstag, 30. April 2020

Gott ist tot


„Der Mensch ist nur Rohstoff, sein eigentlicher Sinn ist Profit.“ (Andy Bonetti: Was ich schon immer mal sagen wollte)
Der Kapitalismus ist ein Glaubenssystem. Er beruht auf Autosuggestion. Er funktioniert nur, wenn wir Gott – in diesem Fall: das Geld – nicht in Frage stellen. Das bunte Papier und das runde Metall sind niemals wertlos. Punkt.
2008 wurde unser Vertrauen durch die Finanz- und Bankenkrise erschüttert. Merkel stellte sich mit dem damaligen Finanzminister Steinbrück vor die Presse und sagte: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein.“ Mario Dragi rettete in der Eurokrise 2012 die gemeinsame Währung mit den Worten: „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Nötige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird reichen.“
In der aktuellen Krise, die dritte in zwölf Jahren, erklärt uns Finanzminister Scholz, er hätte unbegrenzte Mittel zur Rettung der Wirtschaft, und sei bereit, sie auch einzusetzen. Wirklich? 718.000 Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet, ein Drittel aller Betriebe. Wie lange kann der Staat die Wirtschaftstätigkeit mit Schulden finanzieren und künstlich beatmen? Wie kann er dauerhaft fehlenden Konsum kompensieren? Mit Helikoptergeld, wie es die Grünen vorschlagen und Trump es vormacht? Der Staat lässt jetzt Muskeln spielen, die er gar nicht hat. Der Zauberer von Oz lässt grüßen.
Was passiert, wenn die Deutschen den Glauben an den Kapitalismus verlieren? Wenn sie ihre kollektive Macht in diesem Augenblick, da die Verhältnisse ins Taumeln geraten sind, erkennen? Es wäre der GAU unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Zugleich die Chance auf einen Neuanfang. Aber wir sehen sie nicht, weil uns der Glaube an die Obrigkeit blind gemacht hat. Wir stellen keine Fragen, wir warten auf Befehle.
P.S.: Jetzt mal im Ernst, Freunde der Sonne und der Berge. Wir haben doch gar nicht die Phantasie, uns eine neue Gesellschaftsordnung vorzustellen. Seit wir auf der Welt sind, haben wir die Wahl zwischen einem Kandidaten der CDU/CSU und der SPD. Die Politik ändert sich nie. Fragen Sie sich doch mal ganz spontan, welchen Regierungschef Sie gerne hätten, wenn es eine Revolution gibt. Außer Andy Bonetti fällt Ihnen doch niemand ein, oder?
Stretch – Why Did You Do It. https://www.youtube.com/watch?v=X4UD1sK5a1U

Corona macht uns klar: Wir sitzen alle im selben Bett. Die einen auf dem Sonnendeck, die anderen im Maschinenraum. Banker bekommen Boni, „systemrelevante“ Pflegekräfte Klopapier.
Update: 10,1 Millionen Beschäftigte beziehen aktuell Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit. Dazu kommen 2,6 Millionen Arbeitslose.

4 Kommentare:

  1. Eine wirkliche Wahl haben wir nie, Politik in Deutschland bedeutet immer irgendwas mit CDU. Die SPD stellt lediglich alle vier Jahre einen Pappkameraden hinzu, damit es nicht ganz so erbärmlich aussieht.

    AntwortenLöschen
  2. Das sind die Zeiten theologischer Dispute.
    Wessen Gott hat die dickeren Muckies?

    AntwortenLöschen
  3. Die SPD hat gerade in Deutschland für den Kapitalismus überlebenswichtige Funktion.
    Die SPD, auch die im grünen Gewand, steht seit ihrer Gründung für das Ammenmärchen vom beherrschbaren Kapitalismus. Einfach nur die/den Richtige/n an die Parteispitze bringen, raffendes vom schaffenden Kapital trennen und schon beginnt die Schussfahrt ins Paradies.
    Ökonomisch ist mir da sogar die AfD sympathischer, die sagen wenigstens ehrlich, dass es im Kapitalismus nur Gewinner geben kann, wenn am anderen Ende genug Verlierer stehen.

    AntwortenLöschen
  4. Nietzsche sagte "Gott ist tot"
    Gott sagt "Nietzsche ist tot"

    AntwortenLöschen