Donnerstag, 16. April 2020

Die Engel des Meeres haben Flossen


Blogstuff 419
“Future generations will look back on TV as the lead in the water pipes that slowly drove the Romans mad.” (Kurt Vonnegut)
Ich arbeite an einem neuen Roman. Es geht um einen Mann, der monatelang nicht das Haus verlässt. Es gibt eine rätselhafte Krankheit, die immer mehr Opfer fordert. Er muss sich entscheiden: Fährt er zu seiner erkrankten Tochter in eine weit entfernte Stadt oder rettet er sein eigenes Leben? In der dystopischen Welt, die ihn umgibt, fehlt es an Klopapier, Mehl und Hoffnung.
Natürlich haben die Baumärkte offen und die Kirchen nicht. Im Januar war ich mit meinem Vater in einem neu eröffneten Baumarkt in Gensingen. Wir waren eine Stunde drinnen! Der Markt hat auch ein völlig neues Konzept: Personal, das nicht wegläuft und sich versteckt, wenn ein Kunde kommt. Mein Vater hat sich nicht nur von verschiedenen Mitarbeitern zu den verschiedenen Sachen bringen lassen, die er kaufen wollte. Er hat ihnen auch genau erklärt, was er mit den Schrauben und Blumentöpfen machen will. Die jungen Leute waren höflich und haben zugehört. Mich hat es fast in den Wahnsinn getrieben. Mein Vater und ein neuer Baumarkt: True love‘s first kiss.
Stellen Sie sich vor, Sie wären eine Amsel und müssten dringend ein Ei legen, aber das Nest ist noch nicht fertig. Naja, jedenfalls ist gerade der Klempner da.
Ich teile die Euphorie mancher jungen Leute nicht. Für mich ist das aktuelle Jahrhundert nur das Zweitbeste, das ich bisher erlebt habe.
Im Bonetti-Museum in Berlin ist eine Zigarre ausgestellt, die der Meister nicht geraucht hat.
Erleichterung nach der Pressekonferenz eines Wirtschaftsforschungsinstituts. Es wird auch in diesem Jahr Wachstum geben. Es heißt jetzt eben „negatives Wachstum“.
Es ist inzwischen Volkssport geworden, sich nach der Lektüre von zweieinhalb Zeitungsartikeln zum Richter über seine Mitmenschen aufzuschwingen und eine Bestrafung zu fordern. Es ist ein Wettbewerb um das Privileg entbrannt, den ersten Stein werfen zu dürfen.
Geschäftsidee: T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich hab’s schon“.
Im 19. Jahrhundert gingen alle armen Menschen, alle Leute, die nicht gebraucht wurden, nach Amerika. Aus Amerika wurde im 20. Jahrhundert das mächtigste Land der Erde. Warum machen wir es jetzt nicht genauso? Es wird ein neuer Staat gegründet, in dem die Flüchtlinge, Sinti und Roma, die Verfolgten dieser Erde eine neue Heimat finden. Vielleicht wiederholt sich die Erfolgsgeschichte?
Zum Abschluss noch einige Sprüche aus Rheinhessen:
Liwwer zeviel gegesse als ze wenisch gedrungge.
Deheem hunn alle kleene Bube Klicker.
Lieber en waggelische Schdammdisch als en feschde Aaweidsbladds.
De Dolle leeft de Rotz ins Maul.
Immer mit de Woschd noum Schinke schmeiße.
Mer brunze ned, mer hunn.
Hunger, Doschd unn Ekel vor de Abbeid.
Bob Marley - Could you be loved. https://www.youtube.com/watch?v=6VwK4iuH_EE

6 Kommentare:

  1. Ich verstehe schon alles, bin des Alemannischen in allen Färbungen, Elsass, Schweiz, Vorarlberg, sehr schwierig, Hohenzollern, Baden, Bodenseeraum/Singen, hier ja tatsächlich Allemannisch genannt, wie auch dem "broida" Schwäbisch, meinem Idiom, mächtig, aber was ist/sind Klicker, den die Bube hunn ??

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  2. Muss ich kommenten und Autor leider sagen das Blei Oxidschicht bildet die Verblödung verhindert (oder wenn man sich länge von Reich römisches anschaut stark verlangsamt). Lässt sich selbiges bei Lobotomoie Box nicht beobachten, im Gegenteil.

    "Wenn ich den Spiegel gelesen habe hasse ich hinterher drei Leute die ich vorher nicht gekannt habe." stammt auch aus Jahrhundert voriges. Streiche ein inzwischen, kaufe ein Journaille und baue geschickt ein.

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    1. Das Problem liegt in der Zeit vor der Oxidschicht.
      Nach Abschaffung der Sklaverei war es sehr schwierig Menschen für die ersten 5000 Liter zu begeistern. Zumal die schon durch das "trocken wohnen" sehr beansprucht waren.

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  3. Geschäftsidee: T-Shirt mit der Aufschrift "I am no longer infected." Auch unabhängig von Corona ein Hingucker.

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  4. Eine neue Heimat finden. Mitten im Atlantik, erschaffen aus Plastikmüll. Cool.

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