Mittwoch, 8. April 2020

Andy Bonetti ist immun


… gegen Kritik

Blogstuff 414
„Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen.“ (Friedrich Nietzsche)
Es ist eine teuflische Frage: Freiheit oder Gesundheit? Adam und Eva mussten sich zwischen dem Paradies und der Erkenntnis entscheiden. Faust wird von Mephisto vor die Wahl gestellt, ob er für ein aufregendes Leben seine Seele verkaufen will, und Lewandowski stand vor der Wahl zwischen BVB und FCB.
7. April. In New York City sind mehr Menschen am Corona-Virus gestorben als in China und Indien zusammen. Auch 9/11 wurde an diesem Tag übertroffen.
Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn Club Mate-trinkende Start-up-Gründer mit Holzfällerhemd und Dutt endlich wieder systemrelevant sind.
Manche Unternehmen nutzen die Krise, um die Mietzahlungen zu verweigern. Wie erbärmlich. Andy Bonetti wird ab heute keine Grundsteuer auf seine Immobilien bezahlen.
UK: Wer vor wenigen Wochen noch ohne Schutzmaske eine Intensivstation besucht und demonstrativ Corona-Infizierten die Hand gegeben hat, um zu zeigen, wie harmlos die Sache ist, sollte sich eigentlich nicht über eine Erkrankung wundern. Gute Besserung, ARSCHLOCH !!!
In seltenen Fällen blitzt in einem dreckigen Faschistenblatt wie der BILD ein wenig Poesie auf. Der deutsche Blick auf Italien, Bonetti hätte es in seinen Groschenromanen nicht schöner ausdrücken können: „Wir wollten immer ein wenig so sein wie Ihr. So gelassen, so schön, so leidenschaftlich. Wir wollten Pasta kochen wie Ihr, Campari Soda trinken wie Ihr, Amore machen wie Ihr. La dolce vita. Darum haben wir Euch immer beneidet.“ Immerhin: Wir haben Jens Spahn.
Seit ich nicht mehr im Supermarkt einkaufe, sondern online bestelle, habe ich jedes Maß verloren. Heute habe ich zum Beispiel zehn Packungen Choco Crossies bestellt.
Vor acht Jahren war ich zuletzt im Ausland, vor sieben Jahren habe ich mich ins Homeoffice zurückgezogen. Ich habe Corona gewissermaßen vorweggenommen. Mein alltägliches Leben hat sich kaum geändert. Es ist die Zeit der Eremiten. Bene qui latuit, bene vixit, hat Ovid geschrieben. Wer gut verborgen war, hat gut gelebt.
Wir haben das ganze Jahr 2019 über die Klimakrise geredet – passiert ist nichts. Jetzt zeigt sich, zu was Staat und Gesellschaft in der Lage sind, wenn die Situation ernst wird. Mit dieser Energie sollten wir 2021 auch die weiteren Problemfelder angehen: Umweltschutz, Energiewende, Altersarmut, Mobilität usw.
Ich werde eines Tages behaupten, der Corona-Hausarrest wäre die Ursache für mein Übergewicht.
Die Pandemie als Volkshochschule wie Tschernobyl oder 9/11. Damals wusste ich, was ein Becquerel oder Al-Qaida war, jetzt kenne ich die FFP3-Maske.
Letztes Jahr hat die FDP gemeckert, weil die Kinder freitags nicht in die Schule gegangen sind. Jetzt bleiben sie die ganze Woche zu Hause – aber von Lindner hört man nichts.
Der erste Sonntag im April. Die Biker haben ihre Mopeds wieder angemeldet. Es röhrt den ganzen Tag in den Straßenschluchten von Schweppenhausen.
Wer kennt sie nicht, El Dorado, die sagenhafte Stadt aus Klopapier?
Alex Harvey Band - The Faith Healer. https://www.youtube.com/watch?v=HqJ-ETSG4fs

Auf einem Privatgrundstück am Starnberger See ist es dem Villenbesitzer selbstverständlich erlaubt, ein Buch auf seiner Bank zu lesen. Wir sind ja keine Unmenschen!

9 Kommentare:

  1. Schade dass diese asoszialen Motorradspasties nicht von der Seuche dahingerafft werden. Gibt es etwas lächerlicheres als auf von anderen designten Geräten auf von anderen gebauten Strassen mit von anderen geförderten, raffinierten und verkauftem Kraftstoff ein dümmliches EgoGefühl zu entwickeln und anderen die Ohren vollzuknattern? Ein Lebensgefühl gleich einem Dänen der sich ne Lederhose anzieht um sich Plörrebier und Schwachsinnsmucke reinzujodeln. Da sehe ich keinen Unterschied zwischen Motoren- zu Hefewerke.

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    1. Am schlimmsten ist das jährliche Harley-Treffen in Rüdesheim, auf der anderen Rheinseite. Ü60 in schwarzem Leder. Tausende. Und sie brettern die Uferstraße rauf und runter, rauf und runter … drei Tage lang.

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    2. Harley Days haben wir hier auch. 30 000 Studienräte zeigen wie Sie mit Polierpaste und Lederpflegespray umgehen können. Anschließend wird Individualität und Freiheit auf einem Motorradgottesdienst ausgelebt, Lärmkarawane zum Massenparkplatz included. Was könnte besser zu "freiheitsliebenden" Staatsdienern passen als diese Ritual. Hätten Sie nicht wenigstens nen Maorischen Haka nehmen können?

      Aber das ist nach 3 Tagen vorbei (und lustig wenn man mit dem Fahrrad im Pulk mitfährt und die sich alles nicht anmerken lassen müssen). So wäre das noch Ok wenn Sie nicht den Rest der warmen Jahreszeit (wieso gibt es die "stahlharten Typen nur dann) auch noch rumnerven würden. Hier gibt es dann noch die Sonderform Jungtürke in Sportflitzer ohne Auspufftopf, die aber ganzjährig.

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    3. Weiß von was er redet9. April 2020 um 13:26

      Das mit dem Motorrad ist schon so eine Sache geworden.
      Meine Generation ist ja mit dem 2-Rad gebohren worden, in der Jugend hatte gefühlt jeder so ein Ding unter dem Arsch, die Mädchen sprachen oft despektierlich vom "Geschwür".
      Mit 18 sind dann schon recht viele ein "richtiges" Motorrad gefahren, oft als reines Fortbewegungsmittel, da es billiger war als ein Auto.
      Ich sage nur Jamaha SR 500, DAS Studentenmotorrad.
      Vor den Kneipen standen schon mal an die 20 bis 30 Motorräder, schön in einer Reihe.
      Herrlich. Und man saß dann natürlich im Suff auf die Karre und kachelte nach Hause. War irgendwie total normal. Gut, es sind dann schon auch Leute gestorben.....
      Man hat ausgedehnte Reisen bis nach Afrika unternommen, ja man dachte schon es ist die große Freiheit, war es ja auch in einer Welt, die einfach enger war, viele mußten bis zum Auszug aus der elterlichen Wohnung das Zimmer mit den Geschwistern teilen.
      Das können sich die Einliegerwohnungskids aus dem Neubaugebiet heute gar nicht mehr vorstellen.
      In den 90ern hat sich das dann tatsächlich zum Livestyle Produkt gewandelt.
      Und mit dem Anstieg des Lebensstandards, bitte jetzt keine Diskussion, vielen Leuten geht es auch heute noch wirtschaftlich sehr gut, zumindest hier im Südwesten, wurden auch die Motorräder dicker und teurer.
      Warum man dann auf ein technisch völlig überholtes Gerät wie eine Harley draufhockt erschließ sich mir auch nicht, es ist wohl der Nimbus und der Sound.
      Und die Ursprünglichkeit von früher ist komplett weg. Wenn ich heute die Typen in Warnweste auf ihren Kisten hocken sehe, meist übergewichtig, die Frau auf einer kleineren Karre hinterher, kaum der Bedienung der Maschine mächtig, da kann ich nur noch lachen.
      Wenn ich mir überlege wie wir früher rumgerast sind, in der Jeans, also ohne jegliche Schutzkleidung, Lederjacke auch nur weil es cool war, sonst gerne auch in der Jeansjacke. Oh Gott.
      Ich habe nach div. Unfällen das Biken aufgegeben, sonst würde ich nicht mehr leben.

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  2. "Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn Club Mate-trinkende Start-up-Gründer mit Holzfällerhemd und Dutt endlich wieder systemrelevant sind."

    Als Parkwächter.

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  3. Bonetti ist ein gewaltiger Blender, der es leider vermocht hat, ganze Generationen von Kritikern mit seiner jämmerlichen Poseur-Literatur um den kleinen Finger zu wickeln (leider gehörte auch Reich-Ranicki dazu). All diese Kritiker schneiderten dem Literatur-Kaiser Andy Bonetti neue Kleider, wie in Hans Christian Andersens Märchen. Zwar gibt es mittlerweile einige Stimmen, die rufen: "Aber er hat doch gar keine Kleider an!" Doch immernoch werden sie übertönt von den Horden an Sachwaltern in deutschen Redaktionsstuben, die vor der heiligen Kuh Bonetti niederknien und ihm zum Schriftsteller aller Schriftsteller erhöhen.

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    1. Glauben Sie mir: alle fünftausend Mitarbeiter von Bonetti Media hassen ihren Chef. Jetzt hat er die Acht-Tage-Woche eingeführt und droht uns mit Kurzarbeit. Die Germanistik-Studenten aus Kalkutta, die täglich die Kiezschreiber-Text verfassen, bekommen statt 20 Rupien nur noch 15 Rupien am Tag. Es ist eine Schande! Tut doch endlich was!!!

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    2. Alle bitte einmal auf dem Balkon Applaus geben für die Mitarbeiter von Bonetti Media!

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    3. Vielen Dank! Das ist immerhin besser als die Bonetti-Autogrammkarten, die der Werksarzt und die beiden Krankenschwestern als "einmalige Bonuszahlungen" bekommen haben.

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