Samstag, 28. März 2020

Das Räderwerk der Wohlstandsgesellschaft zerbricht


Blogstuff 409
„Das ist keine Übung.“ (Andy Bonetti)
Stellen Sie sich mal vor: Im Winter haben wir die Corona-Scheiße hinter uns und dann kommt die nächste Pandemie um die Ecke. Dann ist der Kapitalismus endgültig hinüber und wir stoppen doch noch den Klimawandel. Immer und immer wieder, bis der Mensch es kapiert, dass er ein falsches Leben führt.
Neuer Trend: Angeber posten jetzt Selfies, auf denen sie Hosen anhaben.
Ich kaufe mir ja keine Zeitungen am Kiosk, aber ich frage mich trotzdem gerade, wie die Journalisten in diesen Zeiten den Sport- und den Kulturteil vollkriegen.
Wer 2020 mitgemacht hat, braucht uns nichts mehr von „Verbotskultur“ zu erzählen. Wir haben sie akzeptiert, nach Corona machen wir weiter: Inlandsflüge, Diesel, Tempolimit usw.
Niemand regt sich mehr über die Bonpflicht beim Bäcker auf. Man ist dankbar für das Brot.
Jetzt singen und klatschen die Menschen noch auf dem Balkon. Im Hochsommer, wenn die Temperatur in der Dachgeschosswohnung auf vierzig Grad steigt, werden sie an Mord denken.
Andy Bonetti hat die Mainzer Rheingoldhalle für eine Geisterlesung gemietet. Er wird am 7. April vor tausend leeren Plätzen aus seinem Werk „Die einsame Insel hat meine Adresse“ vorlesen. Ich bitte um zahlreiches Meiden.




Das Wort Foodporn wird in den nächsten Monaten eine ganz neue Bedeutung bekommen. Keine Bilder aus schicken Restaurants, sondern Bilder von selbstgebackenem Kuchen oder einer ganzen Salami.
2020: Die Lücke im Lebenslauf. Kein Personalchef wird je nach den Gründen fragen.
2020. Quersumme: 4. In China die Unglückszahl, das Wort klingt im Chinesischen ähnlich wie „sterben“ und „Tod“.
Das österreichische Heer weiß Bescheid: „Humor zulassen: ‚Humor ist erlaubt!‘ - er ist ein starkes Mittel gegen Hoffnungslosigkeit, Lächeln und Lachen bringen oft Erleichterung.“ (Information des Psychologischen Dienstes zum Umgang mit COVID-19)
An der Tankstelle: „Zahlen Sie bar oder mit Ravioli?“
MERS heißt ein anderes Coronavirus. Es tötet etwa ein Drittel der Infizierten. Wir haben nochmal Glück gehabt. Bei MERS wäre die gesellschaftliche Ordnung schon zusammengebrochen wie bei einer mittelalterlichen Pestepidemie.
Der Laie glaubt, nur die Supermarktangestellte, die eine Flasche Apfelsaft ins Regal stellt, ist systemrelevant. Aber auch der Fahrer, der die Flasche aus dem Lager der Supermarktkette anliefert, ist systemrelevant. Der Mensch, der in der Fabrik den Apfelsaft abfüllt. Der Mechaniker, der die Abfüllmaschine wartet. Der Facharbeiter, der Abfüllmaschinen montiert. Der Mechatroniker, der den Lkw am Laufen hält, und der Tankwart. Natürlich an erster Stelle der Bauer und der Erntehelfer. Es gibt im Proletariat keine überflüssigen Leute, denn die Arbeitswelt wurde seit Jahrzehnten auf maximale Effizienz getrimmt. Irrelevant für das System sind allerdings etliche Leute in den aufgeblähten Verwaltungen der Konzerne.
Wahrlich, ich sage euch: Es werden Zeiten kommen, da werdet ihr keine Witze mehr über Sanifair-Bons machen.
Quizfrage im Jahr 2050: In welchem Jahr fanden die Olympischen Spiel 2020 statt?
Blond - Sanifair Millionär. https://www.youtube.com/watch?v=dXAgH9Fhtxg

4 Kommentare:

  1. „Humor zulassen: ‚Humor ist erlaubt!‘ - er ist ein starkes Mittel gegen Hoffnungslosigkeit, Lächeln und Lachen bringen oft Erleichterung.“

    "Was haben das Coronavirus und die Pasta gemeinsam?
    - Die Chinesen haben es erfunden, die Italiener verbreiten es auf der ganzen Welt."

    "Eine Frau in der U-Bahn zu einem stark hustenden Mann: ,Corona?‘ - ,Nein, Marlboro.‘"

    Eine belgische Brauerei heißt Mort Subite, was man mit "plötzlicher Tod" übersetzen kann. Der Supermarkt wirbt mit dem Slogan: "Kaufen Sie zwei Flaschen Corona, und sie erhalten ein Mort Subite gratis!"


    ... ohne weitere Worte (ړײ)

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    1. Sehr gut! Wir lassen uns von dem bisschen Apokalypse nicht unterkriegen. Erst wenn das Regal mit den Klopapierwitzen leer ist, mache ich mir wirklich Sorgen.

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  2. Aaaaalso. In der Jugend verlor ich einige Freunde, Kumpels und Gleichaltrige an den Straßenverkehr, mit dem Moped oder Kleinkraftrad, die Dinger rannten an die 100, schnelle Autos, auch damals schon Audi, dann Motorrad.
    Selbstmord gab es auch. Schon mit 18.
    Dann kamen Drogentote, hier im ländlichen Raum nur vereinzelt, trotzdem.
    So ab 50 dann der Alk, oft in Verbindung mit drugs.
    Habe ich erst neulich im TV erfahren, Alk schädigt die Leber in bekannter Weise, Cannabis wenig bis nicht, aber die Kombi aus Alk und Dope ist der Hammer. Erklärt den Abgang vieler Leute, auch gute Freunde, die Ihr Verhalten nicht dem Alter anpassen konnten.
    Dann natürlich der Krebs, das sind inzwischen auch einige......so ab dem Alter von 50.
    Leichen pflasterten also meinen Weg, und nicht nur meinen Weg.
    Nicht gerechnet die Leute mit stressigem Beruf, die dem Tod gerade noch mal von der Schippe sprangen, Herzinfarkt und so.
    Aber ich kenne keinen einzigen Covid 19 Fall, weder eine Infizierung oder gar ein Todesopfer. Bis jetzt. Gut, der Cem, aber das ist nur ein ganz weitläufiger Bekannter.
    Nur so am Rande.

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  3. Mein türkischer Bäcker das zwei Bondrucker auf den Tresen gestellt. Die Bonrollen laufen da durch und kringeln sich dann bedruckt und vorgeschnitten auf dem Boden. Ein Fanal der deutschen Lächerlichkeit.

    Wer in autoritären Systemen groß geworden ist kommt mit dem neuen hier wohl besser klar.

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