Sonntag, 16. Februar 2020

People of Color


Es ist die neueste Variante eines alten Spiels. Wie bezeichne ich Menschen, die nicht meine Hautfarbe haben? Wie können sie sich selbst bezeichnen, um den Unterschied zu mir zu formulieren?
People of Color (PoC) ist aktuell die politisch korrekte Bezeichnung. Die älteren unter Ihnen, liebe Lesende, kennen noch den Begriff Colored People. Und den wollte man in den neunziger Jahren nicht mehr verwenden, weil er falsch ist. Ein Weißbrot wie ich, das übrigens gar nicht weiß, sondern hellrosa ist (weiße Lesende mögen ihre Hand einmal kurz auf ein weißes Blatt Papier legen, um zu verstehen, was ich meine), ist eigentlich colored, also ein Farbiger. In der Sonne werden wir braun, wir können knallrot werden (Scham, Sonnenbrand), die Gelbsucht macht uns gelb und in Fällen einer schweren Erkrankung oder gar des Ablebens werden wir leichenblass. Drückt man das Weißbrot, bekommt es blaue und grüne Flecken. So farbenfroh wie ich ist keiner.
Die Geschichte der Selbstbeschreibung nicht-weißer Amerikaner afrikanischer Herkunft ist lang. Bis in die 1950er sagte man Negro – und damit war nicht das Schimpfwort gemeint, das ähnlich klingt. So gab es beispielsweise die Negro Leagues im Baseball, weil dunkelhäutige Menschen nicht in der Major League spielen durften. In der Zeit von Martin Luther King und Malcolm X war Black das angesagte Wort. Black Power. Dann kamen Colored und African American als neue Bezeichnungen. Derzeit ist es wieder Black.
In Deutschland quälen wir uns auch schon seit langem mit den falschen Wörtern. Aus dem Gastarbeiter wurde der Ausländer, aus dem Ausländer wurde die Person mit Migrationshintergrund und schließlich der Migrant als Kurzform. Echt jetzt? Franzosen oder Türken in der dritten Generation werden mit dem Fremdwort für Einwanderer bezeichnet? Keiner dieser Begriffe hat jemals die Wirklichkeit korrekt abgebildet. Sie haben sich alle als untauglich erwiesen, Besserung ist nicht in Sicht.
Mein Vorschlag: Lassen wir es einfach. Ob jemand hellrosa, beige oder dunkelbraun ist (Schwarze im Wortsinn gibt es nämlich auch nicht), sollte uns so egal sein wie die Haarfarbe und die Augenfarbe. Jeder hat einen Vornamen und einen Nachnamen. Das muss zur Beschreibung reichen. Wenn wir noch nicht einmal den Namen eines Menschen kennen, sollten wir uns ohnehin mit Kommentaren oder gar Urteilen zurückhalten. Eigentlich könnten wir die ganze Farbenlehre in die Rumpelkammer der Rassenkunde stecken und für immer vergessen. Braucht kein Mensch.


Dieser Mann heißt Anton Brinkmann.
P.S.: Fragt man Leute, warum sie den Ausdruck PoC verwenden, verweisen sie auf den alltäglichen Rassismus. Es ist aber auch eine Form von Rassismus, mit solchen Begriffen den äußerlichen Unterschied zu zementieren. Da sind wir wieder beim Thema Identitätspolitik, die trennt, statt zu verbinden. Weißbrot und PoC können auf der Basis dieses Schwarz-Weiß-Denkens keine Gemeinsamkeiten entwickeln. Das wiederum freut die Herrschenden.
P.P.S.: Der aktuelle Ausdruck People of Color wurde zum ersten Mal 1781 verwendet. Nichts Neues unter der Sonne.
Tongue Forest - You got the nerve. https://www.youtube.com/watch?v=fcZlmdUo-jQ

5 Kommentare:

  1. Frieden ist,
    wenn die Hautfarbe egal ist. *tja*

    AntwortenLöschen
  2. "How dare you?", Bonetti Media?
    Dieser Blogpost entlarvt den Autor endgültig als Nazi, Putin-Versteher und AfD Troll.
    Ein unverschämter Angriff auf das Opfer-Status-Ranking.
    Es ist und bleibt die heiligste Pflicht der fortschrittlichen Kräfte erstmal zu ermitteln, auf welcher Stufe der Leiter stehen Opfer und Täter.
    Wen interessiert denn die Lösung irgendeines Problems, solange man die Schuldigen benennen kann.
    Morgens ein Blick in die a-sozialen Medien, erkenne den Feind und der Tag hat Struktur.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Statt schwarz und weiß könnte man auch "opferfarbig" und "täterfarbig" nehmen.

      Löschen
  3. Wann genau ist man eine “Person of Color”? Die taz-Journalistin Hengameh Yaghoobifarah mit iranischen Vorfahren identifiziert sich als PoC. Ich selber bin halb-griechisch und habe selber wegen meinem Nachnamen Vorurteile erlebt. Ich habe braune Haare und unterscheide mich nicht viel von “Volldeutschen”, aber dies ist wie viele, die nur ein wenig nicht-blondes Erbgut haben.
    Also? Wäre schon cool, eine Person of Color zu sein ...

    AntwortenLöschen