Mittwoch, 22. Januar 2020

Kritik des Kapitalismus


Vor der Industrialisierung hat die Mehrheit der Bevölkerung in der Landwirtschaft gearbeitet. Damals gab es gelegentlich Bauernaufstände, die sämtlich gescheitert sind. Danach folgte die Arbeiterschaft, die erfolglos Revolutionen veranstaltet hat. Jetzt haben wir die Angestellten, die sich an Reformen abarbeiten, die nichts bringen. Das Pendel schlägt nicht mehr, es hängt bewegungslos in der Mitte.
Was ist politisch Mitte? Die urdeutsche Mittelschicht in den Großstädten. Sie setzt die Agenda, an ihr richten sich die Programme aller Parteien aus. Ich spreche nur eine Selbstverständlichkeit aus, aber es lohnt sich, darüber nachzudenken. Schließlich gibt es noch viele andere Menschen in diesem Land.
Nach den neuesten Daten des „Trust Barometer“ der amerikanischen Kommunikationsagentur Edelman glauben nur noch 12 Prozent, dass der Kapitalismus ihnen persönlich nützt und sie von einer wachsenden Wirtschaft ausreichend profitieren. 55 Prozent sind der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft. 55 Prozent! Was für ein Wählerpotential. Wenn wir jetzt eine kapitalismuskritische Partei in Deutschland hätten – nicht auszudenken …
Welche Systemopposition mit Massenbasis gibt es 2020 in Deutschland? Fridays for Future von links, AfD von rechts. Nazis und Kinder. Die einen wollen einen entfesselten Kapitalismus ohne Demokratie, die anderen wollen echte Demokratie ohne Kapitalismus. Die saturierte schwarzgrünrotgelbe Mittelschicht gibt sich derweil der spätrömischen Dekadenz des hedonistischen Konsums hin. Kommt das Pendel wieder in Bewegung?
P.S.: „Weltweit leisten Frauen & Mädchen täglich weit über 12 Milliarden Stunden Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit – unbezahlt. Würde man ihnen auch nur einen Mindestlohn für diese Arbeit zahlen, wären das umgerechnet über 11.000.000.000.000 US-Dollar pro Jahr“, schreibt Oxfam. Problem: Wenn wir Frauen fair bezahlen, können wir uns doch den ganzen Kapitalismus nicht mehr leisten!
Pointer Sisters - I’m so excited. https://www.youtube.com/watch?v=rQqwG_rQx7A

11 Kommentare:

  1. Vielleicht sollten wir mit Lysistrate drohen? Oxfam hat Recht, aber was nutzt das?

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    1. Kennst du nicht die Komödie von Aristrophanes? Hochhuth hat ein Theaterstück über dieses Thema geschrieben "Lysistrate und die Nato". Es ging darum, das sich die Frauen den Männern verweigern, um sie zur Vernunft zu bringen. Bei Hochhuth retten die Frauen mit Intelligenz und List die griechische Insel vor dem Zugriff der Armee. Lustig, leider ein Märchen, weil die Frauen auch nicht immer solidarisch sind ;-).

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  2. Feiere-das-Leben-Tag 2020
    22. Januar 2020 in der Welt

    ...♥ *zwinker*

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  3. Wir sind gelähmt. Auch ohne Kirche, in die ja keiner mehr reingeht.
    Die Angst vor dem Verlust der derzeitigen Lebensituation.
    Egal wie beschissen Sie ist. Drecks Job, den man so nennen kann auch wenn man sich nicht beschmutzt wie auf dr Baustelle oder als Landschaftsgärtner. Aber man will ihn nicht verlieren. Man will überhaupt nichts verlieren.
    Mallorca, Auto, Skifahren gehen, Essen gehen, wichtig tun bei den Freunden. Alle scheiße.

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  4. Kapitalismus ist auch, daß man Autos kaufen kann, die mittels Lautsprechern außen einen dickeren Auspuffsound generieren. Serienmäßig.
    Ich halte das für krank. Absolut krank.

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    1. Und tausend andere Dinge..., Lärmschutz kontra Gewinnmargen.

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  5. Aus dem Herbarium des wackeren Antikapitalisten22. Januar 2020 um 13:55

    "Wenn wir jetzt eine kapitalismuskritische Partei in Deutschland hätten ..."

    ... dann lassen wir alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht.

    Der Kiezschreiber wird Parteivorsitzender, und es wird ein Dekret erlassen, dass,

    Wer sich Schwielen in die Hände schafft, unter Kuratel gestellt wird;

    Wer sich krank arbeitet, kriminalistisch strafbar ist;

    Jeder, der sich rühmt, sein Brot im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft für gefährlich erklärt wird.

    Und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine bequeme Religion!

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    1. Klingt gut. Vor allem die Stelle mit dem Parteivorsitzenden.

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    2. Aber Melonen und Feigen? Wie wäre es mit Freibier für alle?

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    3. Nieder mit dem Freibier !
      https://www.youtube.com/watch?v=GUPJLNro2BE

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