Donnerstag, 14. November 2019

Nach Drogenskandal: Bonetti wirft das Handbuch


Blogstuff 364
„Das Vergangene ist ein Produkt der Gegenwart, in viel stärkerem Maße als umgekehrt. (…) Wie die Zukunft wandelt sich die Geschichte von Augenblick zu Augenblick.“ (Harry Mulisch: Selbstporträt mit Turban)
Es sind nur zwei winzige Löcher, durch die Licht in deine Höhle fällt: die Pupillen. Würden wir es aushalten, wenn es noch heller in uns würde?
Jahrtausende hatten uns die Hunde aufmerksam studiert. Sie hatten sich unser Vertrauen erschlichen und lebten in unseren Häusern. Eines Nachts übernahmen sie die Macht. In den Palästen veranstalteten sie wahre Orgien mit Leckerlie und Hundekuchen. (wird fortgesetzt)
Mit dem iPhone können Sie jetzt endlich Ihre eigene Darmkrebsdiagnose erstellen. Führen Sie das Gerät bis zum Anschlag ein und drücken Sie die 1.
Ich staune immer wieder, welche Biere inzwischen in Berlin serviert werden. Als ich Anfang der neunziger Jahre in die Stadt gezogen bin, hat die Schultheiß-Mafia noch aus fahrenden Autos mit Maschinenpistolen die Scheiben der Lokale zerschossen, die ihre Plörre nicht verkaufen wollten.
Wir schreiben das Jahr 2099. Eine kleine Pension im Westerwald. Im Frühstücksraum gibt es ein Regal mit abgegriffenen Büchern, die von den Gästen in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten hier zurückgelassen wurden. Darunter auch „Das Echo deines Schweigens“ von Andy Bonetti. Es ist das letzte Exemplar des Meisters, das auf dieser Welt existiert. Das letzte Stück Bonetti, selbst sein Blog ist längst gelöscht worden. Ein älterer Herr nimmt es mit auf sein Zimmer, liest einige Seiten und bei der Abreise packt er es gedankenlos in seinen Koffer. Im Zug auf dem Weg in seine Heimatstadt liest er weiter und lässt es beim Aussteigen auf dem Sitz liegen. Am Abend wird das Abteil gereinigt und das Buch wandert in den Müll. Das war’s. So endet die Geschichte.

Sie sitzen im Ohrensessel oder an einem Kneipentisch. Sie sagen, sie wären im Dritten Reich natürlich im Widerstand gewesen, wenn sie damals schon gelebt hätten. Sie sind brave Arbeitnehmer, brave Steuerzahler, brave Autofahrer. Es gibt heute so viele Mitläufer wie 1939.
Mancher Stadtmensch beschwert sich, weil die Briefkästen nur noch zwei Mal am Tag geleert werden. Im Hunsrück haben wir jetzt schon die Weihnachtskarten eingeworfen.
Wenn ich viel Geld besäße und mir ein Reiseziel aussuchen dürfte, irgendwo auf dieser Welt, würde ich meine Heimatstadt Berlin wählen. Genauer gesagt: das Adlon-Hotel am Pariser Platz. Ich würde die teuerste Suite buchen und sie vierzehn Tage nicht verlassen. Champagner und alle Köstlichkeiten des Hauses würde ich mir rund um die Uhr an mein Bett, meinen Tisch oder mein Sofa bringen lassen. Ich säße an einem schönen Schreibtisch mit Blick auf den Platz und schriebe mit einem Füllfederhalter auf Büttenpapier.
White Town - Your Woman. https://www.youtube.com/watch?v=lVL-zZnD3VU

6 Kommentare:

  1. Soll ich Dir einen Füller und einen Block Büttenpapier schicken, dann wäre doch ein Stückchen Deines Traumes erfüllt? Aber ich stelle es mir sehr langweilig vor, dort in der Suite zu sein, ich zöge ein Zimmer in der Kreuzberger Alten Feuerwache oder sowas vor. Weil dort gibt es Diskussionen, da kann ich mit Menschen reden.

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    1. Danke, aber ich bin wunschlos glücklich. Habe gerade ein Futterhäuschen bei einer Freundin im Nachbardorf aufgebaut. Wer braucht das Adlon, wenn er einen Werkzeugkasten hat? :o)

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  2. "Mancher Stadtmensch beschwert sich, weil die Briefkästen nur noch zwei Mal am Tag geleert werden. Im Hunsrück haben wir jetzt schon die Weihnachtskarten eingeworfen."

    OH...ich bekomme Post... aus Schweppenhausen ...hibbel...gibbel... FREU ... ♥

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    1. Dir schicke ich ein atheistisches Jahresendmännchen aus Schokolade :o)

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  3. Schöner Text, vor allem das mit den Briefkästen. Das Schmelzkäse-Tomatenmarkmus Baguette passt da wunderbar zu.

    Die städtischen Briefkästen werden vermutlich seltener geleert weil da weniger reingeworfen wird. Würde ja sonst nur bei Zustellung am selben Tag Sinn machen.

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