Freitag, 1. November 2019

Halloween? Kulturimperialismus!


Halloween in Wilmersdorf. 19 Uhr 15. Ich höre Stimmen. Schnell mache ich den Fernseher und das Licht aus. Lautlos wie ein Indianer schleiche ich zur Wohnungstür und warte mit angehaltenem Atem. Kinder kommen die Treppe hinauf, ich höre auch zwei Mütter.
Ich habe natürlich keine Süßigkeiten, ich könnte ihnen höchstens eine Dose Pichelsteiner Eintopf anbieten. Sie klingeln. Sie sind jetzt nur einen halben Meter von mir entfernt. Sie klingeln noch mal. Soll ich einfach brüllend die Tür aufreißen? Unrasiert und in Unterhosen? Was kostet die Behandlung traumatisierter Kinder?
Sie gehen weiter. Ich kann aufatmen. Auf meinem Stockwerk sind sechs Türen. Niemand öffnet, nur die schräge Öko-Tante ohne Computer und Fernseher. „Süßes oder Saures!“ Was antwortet sie? Ich glaub’s nicht! Sie bietet ihnen Obst an. OBST!!! Die Kinder lehnen es ab und ziehen enttäuscht weiter.
Wieder mal geschafft. Wer denkt sich diesen Mittelschichtkinderterror eigentlich aus? Auf dem Weg die Treppe hinunter sagt ein Kind „Scheiße“ und eine Mutter gibt ihm die Erklärung, nicht alle Leute würden bei Halloween mitmachen.
Kommt als Sternsinger wieder. Die bekommen von mir je eine Tafel Schokolade und zehn Euro in die Spendenbüchse. Ich wette: Kein Amerikaner kennt diese Sitte.

1 Kommentar:

  1. Kein Kind kommt in diesen Berliner Häusern die Treppe hoch. Wer macht denn da freiwillig die Tür auf. Aber so könnte es gewesen sein.

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