Samstag, 16. November 2019

„Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen“


1997 hielt der damalige Bundespräsident Herzog im Berliner Adlon-Hotel seine berühmte Ruck-Rede. Es klingt alles seltsam bekannt, das Ende der Ära Kohl gleicht dem Ende der Ära Merkel:
„Ich komme gerade aus Asien zurück. In vielen Ländern dort herrscht eine unglaubliche Dynamik. (…) Was sehe ich dagegen in Deutschland? Hier herrscht ganz überwiegend Mutlosigkeit, Krisenszenarien werden gepflegt. Ein Gefühl der Lähmung liegt über unserer Gesellschaft.“
„Was ist los mit unserem Land? Im Klartext: Der Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft, eine unglaubliche mentale Depression - das sind die Stichworte der Krise. Sie bilden einen allgegenwärtigen Dreiklang, aber einen Dreiklang in Moll.“
„Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" sprach schon von der "deutschen Krankheit". Das ist gewiss übertrieben. Aber so viel ist doch richtig: wer heute in unsere Medien schaut, der gewinnt den Eindruck, dass Pessimismus das allgemeine Lebensgefühl bei uns geworden ist. Das ist ungeheuer gefährlich; denn nur zu leicht verführt Angst zu dem Reflex, alles Bestehende erhalten zu wollen, koste es was es wolle. Eine von Ängsten erfüllte Gesellschaft wird unfähig zu Reformen und damit zur Gestaltung der Zukunft.“
„Zuerst müssen wir uns darüber klar werden, in welcher Gesellschaft wir im 21. Jahrhundert leben wollen. Wir brauchen wieder eine Vision. Visionen sind nichts anderes als Strategien des Handelns. Das ist es, was sie von Utopien unterscheidet.“ „Die Welt ist im Aufbruch, sie wartet nicht auf Deutschland. Aber es ist auch noch nicht zu spät. Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“
„Und wieder glaube ich an die jungen Leute. Natürlich kenne auch ich die Umfragen, die uns sagen, dass Teile unserer Jugend beginnen, an der Lebens- und Reformfähigkeit unseres "Systems" zu zweifeln. Ich sage ihnen aber: wenn ihr schon "dem System" nicht mehr traut, dann traut euch doch wenigstens selbst etwas zu!“
Inzwischen ist ein Ruck durch Deutschland gegangen. Ein Rechtsruck. Und im Rückspiegel erscheint eine Vision …

6 Kommentare:

  1. Totaler Müll im TV, immer mehr Staus auf der AB, trotz weniger Plastik noch mehr Müll, spontane Extremwetterlagen mit enormen Schadensfolgen, sozialer Smartphonezwang, unzumutbare Wartezeiten bei Arztterminen, mehr und mehr Überfälle am Tag auf offener Strasse, Chaos bei der DB, diese Entwicklungen des alltäglichen Wahnsinns treibt irgendwann in die Alternative "Amok" oder "Suicid".

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  2. RUCK ma olle wieder näher zam ...

    https://www.youtube.com/watch?v=usua4eZn21M *♥*

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  3. Der Ruck muss durch die Köpfe gehen, selbst denken ist notwendig. Leben ist nie ohne Konflikte und Sorgen, warum soll es uns besser gehen als dem Rest der Welt? Es gibt nicht mehr Kriminalität allgemein, nur in Randgruppen, die vielen TV-Krimis scheinen Menschen Angst zu machen. Brauchen wir wirklich Hochwasser oder Sturm o.ä., um die Solidarität unserer Mitmenschen zu spüren und Vertrauen zu fassen?

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    1. Vor allem sollte man nicht mehr warten, bis die Politiker ihre steifen Hüften bewegen ;o)

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  4. Wer soll denn rucken? Doch immer die anderen, oder. Oder "die Jugend" die blöd genug sein soll die irrwitzige Abgabenlast für einen "Generationenviertrag" zu schultern von dem Sie selber nichts haben werden.

    Oder was neues erfinden und herstellen? Schon mal was von WEEE, BattG, CE, IHK, GEZ, VerpackG, KSK, GEMA etc. gehört? Wo sich die Gesetze ständig ändern resp. "verschärfen"? Oder DSGVO wo die "Datenschützer" gestern ein 68 seitiges Papier vorgestellt haben. Das sol man lesen und verstehen um ein paar Cookies zu setzen und den Kundennamen zu speichern.
    Oder die juristische Selbstjustiz des Abmahnunwesens? 1000 Euro für ein falsches Komma. Das gab es nicht mal in Schule unter Iwan dem schrecklichen.

    So sieht es aus, wer da noch ruckt wird das in seiner Zwangsjacke tun. Schlaue machen rüber, zum Staat oder sonstwohin.

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  5. ...dieser alte "Ruck"sack namens Herzog konnte gut auf den Rücken der Bevölkerung rucken...

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