Mittwoch, 13. November 2019

Die ewige Tragödie Lateinamerikas und der Kalte Krieg


Als ich 1987 in der tiefsten rheinhessischen Provinz mein Studium der Politikwissenschaft aufnahm, gab es am Institut in Mainz nur zwei Themenschwerpunkte: Europapolitik mit dem Kohl-Bro Werner Weidenfeld oder Lateinamerika. Dritte Welt. Kampf gegen den US-Imperialismus. Befreiung vom Joch europäischer Kolonialherren. Bolivar. Zapata. Castro. Che. Langjährige Leser dieses Blogs ahnen, welche Richtung ich einschlug.
Die Geschichte Lateinamerikas ist reich an Tragödien und arm an Hoffnung. Kuba galt uns als Leuchtturm, die Befreiungsbewegungen in Nicaragua und El Salvador waren die Boygroups jedes Linken der Generation X, die Militärdiktaturen waren Ausgeburten der Hölle, Pinochet der Anden-Hitler. Eine Erzählung hörte ich in diesen Tagen immer wieder und höre sie bis heute:
Aus dem einfachen Volk kommt ein charismatischer Anführer an die Macht, er befreit die Bauern und Arbeiter vom Joch der Ausbeuter, lebt alsdann fürstlich im alten Präsidentenpalast und verliert im Laufe der Jahre allmählich den Kontakt zur Basis, umgibt sich mit devoten Hofschranzen und wird Teil der Elite, bis er sich am Ende weigert, das schöne Leben als „Präsident auf Lebenszeit“ aufzugeben. Entweder jagt ihn das Volk davon oder das Militär.
Evo Morales. Bolivien. Die alte Geschichte. Und wie immer sind es eigentlich zwei Geschichten. Es gibt eine linke und eine rechte Variante.
Morales wurde vom Militär zum Rücktritt gezwungen, sagen die Linken. Morales ist auf Druck der Straße zurückgetreten, sagen die Rechten.
Dahinter stecken die US-Amerikaner, sagen die Linken. Kuba und meinetwegen auch noch China haben Morales an der Macht gehalten, sagen die Rechten.
Die Präsidentenwahl im Oktober wurde ordnungsgemäß durchgeführt und die Opposition kann die Niederlage nicht eingestehen, sagen die Linken. Die Wahl war gefälscht, eine weitere Amtszeit war ohnehin verfassungswidrig, sagen die Rechten.
Morales wurde vom Volk bis zum Ende unterstützt, sagen die Linken. Morales hat sein Volk verraten und ein Vermögen ins Ausland geschafft, von dem er im Exil bequem leben kann, sagen die Rechten.
Die Ausschreitungen waren manipuliert. Sie waren nicht manipuliert. Die Militärs sind Marionetten. Die Indios sind Marionetten. Die Medien sind Marionetten. Die Debatte sortiert sich in kürzester Zeit in zwei Schützengräben. Der Stellungskrieg um die Deutung der Vorgänge hat begonnen.
Ich kenne das alles zur Genüge. Es ist müßig, sich auf das Schlachtfeld der Besserwisser und Wichtigtuer zu begeben. Meine einzige Hoffnung ist, dass es in Bolivien faire Wahlen gibt und die Menschen sich einen neuen Morales oder meinetwegen einen Anti-Morales wählen können. Aber die Hoffnung ist nicht sehr groß. Alles wie 1987. Der Kalte Krieg zwischen Linken und Rechten hat nie aufgehört.
Cabaret Nocturne - Green Karma. https://www.youtube.com/watch?v=ge5bmbnO8p4

2 Kommentare:

  1. ☜✿☞ Welt-Nettigkeitstag 2019
    13. November 2019 in der Welt ☜✿☞

    Wusstest du, dass Türken die nettesten Leute auf der Welt sind?

    Sie kommen immer mit 10 Leuten und fragen dich: "Hast du ein Problem?"

    ... (ړײ) *duckundweg*

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