Sonntag, 24. November 2019

10a on tour


Die aufregendste Reise meiner Jugend war die Klassenfahrt nach Berlin 1981. Du wirst aus deinem Karnickelbau in der Provinz in die Stadt von Christiane F. katapultiert, deren Geschichte damals jeder kannte. Aus Gründen, die ich bis heute nicht begreife, hat mein Provinznest in Rheinhessen eine Städtepartnerschaft mit Kreuzberg, dem damals sicher angesagtesten Stadtteil des Universums. Wir lernten Schüler eines Kreuzberger Gymnasiums kennen. Echte Punker und langhaarige Freaks – die mit uns redeten und durch Kneipen zogen, die keine Sperrstunde kannten. Wir sahen damals genauso normal und langweilig aus wie heute. Dann ein Tag in Ost-Berlin. Zum ersten Mal hinter dem Eisernen Vorhang. Ein falsches Wort und du kommst nach Bautzen. Das war besser als die Wilde Maus auf der Kirmes. Keine Werbung für Marlboro und Coca-Cola, dafür Sinnsprüche für Frieden und Sozialismus. Wir hatten keine Ahnung, was Sozialismus eigentlich genau war, aber schlimmer als Katholizismus konnte er nicht sein. Berlin! Zum ersten Mal im Leben in einer U-Bahn fahren, der Dreck, der Lärm, die Lichter. Der Kontrast war einfach unfassbar.
P.S.: Diesen Blogpost gibt es auch in Gepardensprache, Verzeihung: Gebärendensprache, nein: Gebärdenslang. Ich weiß nur nicht wo.
Smokey Robinson & The Miracles. Going to a Go-Go. https://www.youtube.com/watch?v=sWt4Hz1KGcQ

3 Kommentare:

  1. Also Gebärdensprache kriege ich hin, da jetzt aber noch einen Dialekt einzubauen, du schriebest ja Slang, wird schwierig, weil ich bloß meinen eigenen kann.

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    1. Ich habe einen eigenen Gebärdenslang entwickelt, als ich mir den kleinen Zeh an der Tür gestoßen habe.

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    2. Ich glaube, so lange du nicht eine gewisse Frau Schw. - eine relativ umstrittetene Dolmetscherin mit relativ großer Medienpräsenz - zum Dolmetschen engagierst, vergeben die Gehörlosen dir das. Ich werde das Kind mal fragen.

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