Samstag, 19. Oktober 2019

Ein unangenehmes, nichtsdestotrotz aber erhellendes Detail der bayrischen Kultur


1980 war ich zum ersten Mal im Münchner Hofbräuhaus. Damals war ich mit meinem Vater dort und durfte noch kein Bier trinken. Meinem Vater, ein gelernter Handwerker mit einem wachen Blick für architektonische Details, fiel damals auf, das unter unserer Sitzbank eine Rinne im Fußboden war. Also fragte er den Kellner nach der Funktion dieser Rinne, die es bis heute in keinem Gasthaus am Rhein gibt.
Der Kellner sagte, die Biertrinker würden in diese Rinne pissen. Das würde ihnen den Gang zur Toilette ersparen. Deswegen könne man auch die bayrischen Lederhosen vorne aufknöpfen. Der Gast hole dann, während er sich weiter unterhielte, sein Gemächte heraus und ließe es einfach in diese Rinne laufen. Gerade nach einigen Maß Bier würden die Intervalle, so vornehm hat er sich natürlich nicht ausgedrückt, immer kürzer werden, in der ein Gast vom Harndruck geplagt würde.
Im Englischen gibt es den Ausdruck „Breaking the seal“, das Siegel brechen. Sobald du – auch wenn es nach drei Litern Bier ist – zum ersten Mal schiffen musst, geht es danach im Fünfzehn-Minuten-Takt weiter. Erfahrene Biertrinker wissen es. Im Hofbräuhaus hat man mit einer baulichen Maßnahme darauf reagiert. Auf dem Oktoberfest ist dieser Brauch bis heute üblich, nur die auswärtigen Gäste wundern sich.
Fehlfarben - Söhne und Töchter. https://www.youtube.com/watch?v=FIhNehTZopE

3 Kommentare:

  1. Da werde WIR - Damen - auch wieder benachteiligt !!! *ABGRÜNDE*

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  2. Und wo bleibt der Spritzschutz für die Nachbarn, wenn der Druck so groß ist bei einer "Fallhöhe" von ca. 45 cm(Sitzhöhe)? Ich gehe dann aber nur noch mit hohen Gummistiefel dorthin!

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    1. Bei meinem letzten Besuch im Hofbräuhaus 2005 gab es die Rinne schon nicht mehr. von einem Oktoberfestbesuch möchte ich dir abraten ;o)

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