Montag, 7. Oktober 2019

007 Goldbroiler – Verblühte Landschaften


Heute wäre die DDR, der 1990 verstorbene Zwillingsbruder der BRD, siebzig Jahre alt geworden.

Wenn die Titanic nach der Einheit über den Osten berichtet hat, hieß es immer „Aus den neuen Kolonien“. Die Pointe hatte einen wahren Kern. Die Ostdeutschen vertrauten ihren „Brüdern und Schwestern“ im Westen, aber man kann dem Kapitalismus nicht trauen. Sie haben dem Wolf arglos die Tür geöffnet und der Wolf hat sie gefressen, weil es nun einmal in seiner Natur liegt. Im Kapitalismus gibt es keine Brüder und Schwestern, nur Konkurrenten. Er hat ihre Industrie zerstört, hat mit seinen Waren das Land überschwemmt und sich Grundstücke und Häuser unter den Nagel gerissen, weil er „Ansprüche“ aus der Nazi-Zeit geltend gemacht hat. Wie naiv kann man sein? Man hat sich dem Kolonialherren vor die Füße geworfen und ist freiwillig in die Knechtschaft gegangen, hat Niedriglöhne akzeptiert und kauft auch heute noch den allerletzten Schrott, wenn er nur aus dem Westen kommt.












Was wäre passiert, wenn die Ostdeutschen selbstbewusst geblieben wären und sich nicht aufgegeben hätten – nur um endlich Golf zu fahren, Milkaschokolade zu essen und Jacobs Krönung zu trinken? Was hätte aus einem Staat werden können, der mit neuen Politikern den Begriff Deutsche Demokratische Republik endlich mit Leben erfüllt hätte? Was hätte dieses andere Deutschland für die BRD bedeuten können, deren einziger Lebensinhalt bis heute im Konsum besteht? Wäre es für die EU nicht besser, wenn es Deutschland doppelt gäbe, statt einem riesigen Moloch im Zentrum, der das Gleichgewicht stört wie das Deutsche Reich seit Karl dem Großen? Gorbatschow hat den Menschen in Osteuropa so viele neue Möglichkeiten eröffnet – und sie wurden kläglich vergeben.

Der Kapitalismus instrumentalisiert die einzige deutsche Revolution, die jemals Erfolg hatte. Danke, BMW.
https://www.youtube.com/watch?v=DTV92wqYjfA

6 Kommentare:

  1. Bin gerade auf der Treppe gestolpert.
    Eine Kollegin sah das und sagte,
    die Treppe hochfallen kann genau so gefährlich sein
    wie herunterfallen.

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  2. "Was hätte dieses andere Deutschland für die BRD bedeuten können, deren einziger Lebensinhalt bis heute im Konsum besteht?"

    *SEUFZ*

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  3. Mit Almosen ("Begrüßungsgeld") wurden sie ins Knusperhäuschen der Hexe gelockt.

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  4. Kurz nach der Wende war ich "drüben". Ein paar Monate Schulung für Menschen deren VEB spurlos verschwunden war. Die Gebäude und Maschinen waren zwar noch da, aber die Produkte, vorher in den ganzen Comecon geliefert, wollte niemand mehr haben. Alles Ingenieure, menschlich wesentlich besser drauf wie das was im Westen so geschult werden wollte. Aber inhaltlich?

    Das war "Stand der Technik" von 1950. Mit all seinen Umweltunverträglichkeiten, Energieverbräuchen und technischen Mängeln. Die Firma galt im Osten noch als hochqualitativ.

    Selber hab ich versucht mich mit den Produkten dort zu versorgen. Wenn man schon mal die Chance hat in ein System einzutauchen das es in kürze nicht mehr gibt...

    Allein die Zahnpasta. Nachdem man es geschafft hatte die Tube aufzumachen kam einem eine ölige Flüssigkeit entgegen, gefolgt von einer gräuslich grauen Pampe. Packung, Design Aufdruck und Inhalt hatten nur eine Produktmessage: "Wir hassen dich".

    Die Unterkunft war auch speziell. Heizungsrohre überall, mit Asbest beflockt wie eine 20 mal überstrichene Raufasertapete. Abstellen konnte man die auch nicht, im Hochsommer. Alle haben mit offenem Fenster geschlafen damit es nichts nicht zu heiß wurde.

    Wieso fällt mir grad beim Systemvergleich ein Zitat ein?
    Von einer Stadt erwarte ich das Sie funktioniert
    Gemütlich bin ich selber.

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  5. Der Osten war schräg, klarer Fall, Straßen im Arsch, die Hütten keine Paläste u.s.w..
    Aber die Leute sind mir manches mal tatsächlich lieber. Also Kollegen, jetzt hier im Westen, gleiches Alter wie ich, die sozialistisch sozialisiert wurden. Das spürt man und es ist nicht schlecht so.
    Das können auch hintervotzige Arschlöcher sein, klar, aber in der Regel sind diese Typen korrekter als die Westbrut, zu der ich ja auch gehöre....weniger Ellbogen, weniger Härte, irgendwie menschlicher, weiß auch nicht, irgendwie anders.
    Und man muß einfach sehen, daß viele große Firmen im Westen ohne Steuergeschenke auch nicht überlebt hätten, Stahl, Atom, Kohle, die Automobiler (zahlen ja auch fast keine Steuern, heute noch ) u.s.w.. Habe lange Jahre in einem Großbetrieb gearbeitet, ha, da ist der Sozialismus auch nicht weit, da führt so manche ein sehr ruhiges Leben, von den gut dotierten Bullshitjobs ganz zu schweigen. Also, Ball flach halten, und wären wir nicht Frontstaat gegen den Kommunismus gewesen hätten wir kein so schönes Leben gehabt, in den 70ern / 80ern. Aber das glaubt heute ja eh keiner mehr, oder will es nicht wahr haben, daß wir in einem Paradies gelebt haben.

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  6. @Alt70er: völlig d'accord!

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