Freitag, 20. September 2019

Kinder haften für ihre Eltern


„Kommt die Gesellschaft von der Droge Erdöl los? Kommt sie von der Droge Egoismus los? Von Wachstum und Geld? Wie bekommt man einen hundert Jahre alten Junkie clean?“ (Andy Bonetti: Sterben Sie wohl)
Heute ist ein wichtiger Tag für die Klimaschutzbewegung. Allein in Deutschland sind 500 Demos angemeldet. Fridays for Future ist eine bedeutende soziale Bewegung geworden, die auch von Bonetti Media im Rahmen der Artists for Future unterstützt wird. Aber wenn die Boulevardpresse voller Pathos schreibt, „eine 16-jährige Schwedin erschuf, nur mit einem Pappschild bewaffnet, die erste dezentrale, internationale, langlebige Protestbewegung der Menschheitsgeschichte“ (Christian Stöcker, SPON, 16.9.19), kommen mir doch leise Zweifel. Ob sie langlebig ist, können wir nach so kurzer Zeit nicht wissen. Greta Thunberg setzte sich am 20. August 2018 zum ersten Mal vor das Parlament in Stockholm, damals war sie noch ganz allein. Internationale Protestbewegungen sind auch kein Novum: Friedensbewegung, Attac, Occupy usw.
Es wäre unglaublich, wenn ausgerechnet diese Bewegung die Politik verändern könnte. Denn die Verhinderung der Klimakatastrophe hängt ja nicht nur an ein paar Stellschrauben des Steuersystems oder einer leichten Verteuerung von Flugreisen. Der Kern des Problems ist die kapitalistische Wirtschafts- und Denkweise und zu diesem Kern wird die Politik nicht vordringen wollen und nicht vordringen können. Die Lebensweise jedes Einzelnen von uns ist viel zu sehr mit dem bestehenden System verwoben, ob ich mir als Latschenkiefertrulla eine Avocado reinziehe oder als hirntoter Vollspacko einen Mikrowellen-Hotdog. FFF hat die Wissenschaft auf ihrer Seite und sieht sich argumentativ im Vorteil. Da kann ich nur viel Glück wünschen, ich war selbst mal als Wissenschaftler in der Beratung tätig. Mir wurde immerhin bescheinigt, die Ideen seien gut. Aber eben finanziell oder parteipolitisch nicht umzusetzen.
Ich habe in den siebziger und achtziger Jahren die Umweltbewegung kommen und gehen sehen. Sie hat das System nicht geändert. Ich habe die Anti-Atomkraft-Bewegung erlebt, die Atommeiler blieben stehen. Die Friedensbewegung brachte Millionen auf die Straße, die NATO hat trotzdem gnadenlos aufgerüstet. Die Frauenbewegung hat an der Ungleichheit nichts geändert. In den neunziger Jahren habe ich Attac erlebt, später Occupy. Ich wurde in meinem Leben so oft von der Politik enttäuscht, dass ich heute nicht allzu viel Hoffnung in die nächste Bewegung habe. Wie viele Klimakonferenzen hat es gegeben? Rio, Kyoto, Paris. Wo hat der Wanderzirkus der Geschwätzigkeit noch nicht Halt gemacht?
Ich drücke euch die Daumen, Kids. Ansonsten bleiben euch immer noch Sex, Drugs und Rock’n Roll. Das hat uns geholfen. Jede Generation muss ihre Enttäuschung selbst verarbeiten. Oder geschieht tatsächlich ein Wunder? Ich würde so gerne daran glauben, aber ich schaffe es nicht mehr. Soziale Bewegungen haben noch nie etwas im bundesdeutschen Politikbetrieb bewegt. Die SED war 1989/90 wesentlich flexibler und offener.



Brandrodung in Finnland 1893. In Europa seit 6000 v.Chr. eine übliche Methode zur Gewinnung von Ackerland. Der brasilianische Wald hat übrigens nicht nur diesen Sommer gebrannt, er brannte schon vor unserer Geburt. Aber der Betroffenheitsnomade ist ja längst wieder woanders. Kennen sie die Pandababys im Berliner Zoo? Sooo süß – und vom Aussterben bedroht!
Lesertipp: Propellerheads - History Repeating (ft. Shirley Bassey). https://www.youtube.com/watch?v=15QngStkp-E

18 Kommentare:

  1. Wer nur einen kurzen Blick auf Gretas familiären
    Hintergrund wirft, wer sich einfach nur anschaut, wer die Spendenkonten der FFF verwaltet, wer sich die Zusammensetzung des IPCC anschaut, begreift bei normalem IQ ganz schnell, das sich die Old Economy ein neues Spielfeld sucht.
    Den Profit aus Daten zu gewinnen, das hat man verschlafen, das lassen sich die Gates und Bezos nicht mehr nehmen.
    Was tun in Zeiten des endlichen Öls? Genau wie Soros es sagte: "Klima ist das Öl des 21. Jahrhunderts."
    Wieso sollte eine vom Kapital gegründete, finanzierte und medial maximal unterstützte "Graswurzelbewegung" den Kapitalismus abschaffen wollen?
    Man beisst nicht die Hand, die einen füttert.
    Und da zitiere ich einen großen Dichter und Denker:
    "Jede Generation muss ihre Enttäuschung selbst verarbeiten."

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    1. Luisa Neubauer ist schon bei den Grünen, der Rest wird auch noch handzahm gemacht und mit Posten versorgt. FFF fordert ja nur die Einhaltung des Pariser Abkommens. Wer auf diese Weise in der Spur der Alten läuft, ist keine Gefahr. Bei Shakespeare - Gruß an den Kollegen! - hieß das: Der Widerspenstigen Zähmung.

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  2. Meine Mudda bringt mich heute mit dem Helikopter zur Demo.

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  3. Deutscher Kindertag 2019
    20. September 2019 in Deutschland

    Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten,
    die viele kleine Dinge tun,
    können das Gesicht der Welt verändern.

    Bedauerlicherweise werden SIE erwachsen (Kinder an die Macht - Herbert Grönemeyer) ... und dann sehen WIR ja ... die Resultate ;((( *seufz*

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  4. Ich stimme Dir zu bei allen Argumenten, ich glaube auch, erst größere Katastrophen können gegen den Widerstand mehr Änderung erreichen. Und trotzdem gehe ich heute zur Demo, weil ich es gut finde, dass die jungen Leute sich gesellschaftlich engagieren. Was bliebe sonst zu tun, außer mich selbst und mein Verhalten zu ändern?

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    1. Solange jedem Friday for Future ein Saturday for Shopping folgt, wird sich leider nichts ändern.

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  5. Dieser naive Idealismus. Man muss den Politikern nur mit wissenschaftlich belegten Argumenten kommen, schon ändert sich der Kapitalismus.

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    1. Habe ich zumindestens nicht behauptet. Was wäre die Alternative zum Idealismus? Was hast Du in Händen?

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    2. Wie alt bist du? 12??

      Die Industrie verspricht seit 20 Jahren das 3-Liter-Auto, bekommen haben wir Betrüger-Software und die Politik macht nix. wie immer.

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  6. Eine Runde Wohlfühlaktivismus.

    Wenigstens bewegen sich die jungen Leute an der frischen Luft.

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    1. Warum nicht auch das, bei der Vielfalt der Aktivitäten. Warum nicht?

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  7. Halt, da stimmt nicht!!
    Einfach mal nach dem Drei-Liter-Lupo von VW googeln oder wiki fragen.
    Piech hat damals Ernst gemacht, hat alles aus dem vorhandenen Serien Fahrzeug an unnötigen Extras heraus werfen lassen, z.B. elektrisch verstellbare Fensterheber und hat das Auto mit einem Saugdiesel auf 2,99 Liter Verbrauch gebracht.
    Der Verbraucher hat sein damals wie heute absolut verlogenes Gesicht gezeigt und schlichtweg nicht gekauft.
    Zitat aus Wiki:
    "Durch die eingeschränkte Funktionalität (Dreitürer, kleiner Kofferraum, wenig Platz im Fond), den hohen Anschaffungspreis und die dadurch bedingte lange Amortisationszeit erschloss sich dem VW Lupo 3L TDI keine breite Käuferschicht".

    Warum haben unsere ach so tollen Aktivisten alle kein Problem bewaffnet mit Smartphone und Hoverboard "für das Klima" zu demonstrieren?
    Weil ihnen weis gemacht wird, und sie WOLLEN das auch alle ganz fest glauben, das sich nichts, aber rein gar nichts an ihrem persönlichen Leben ändern muß, nur bei den Anderen.
    Um Gottes Willen, doch kein 400 kg Auto mit maximal 80 km/h, nein, SUV ist nur böse mit Verbrenner, E-Motoren machen kein CO2, die Energie schickt das Universum.

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    1. Solange es kein SUV mit 600 PS und Drei-Liter-Motor gibt, fahre ich weiter mit meinem Leopard II zum Supermarkt.

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    2. Es gab sogar das ein Liter Auto (unverkäuflich). Aber das und vieles andere passt nicht in die Welt von Mitläufern.

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  8. Die Generation Schneeflöckchen macht ne Demo. Also fordert man was von anderen mittels einer Kampagne. So in dem Stil die Elbe muss wieder sauber werden weil das was die Kommunisten in der DDR da reinkippen daraus eine einzige Gift- und Drecksbrühe macht. Oder die Alster, das man Ironman Veranstaltungen machen kann.

    Oder Abschaltung der Kernkraftwerke, Einführung von Subventionen für Wind- und Sonnenergie. Investitionen in die Forschung für regenerative Energien, Fahrverbote für Diesel und europaweite Harmonisierung der KFZ-Abgasregeln und deren regelmäßigen Verschärfung.

    Bleifreies Benzin, ROHS Richtlinen und milliardenschwere Investitionen in Reinigungsanlagen für Kraftwerke und der Müllverbrennungsanlagen (bzw. deren Einführung weil Deponien Umweltsünder ersten Ranges sind).

    Was kommt als nächste Forderung von diesem Selbstgerechten Haufen? Der grüne Punkt?

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    1. Enteignung und Vergesellschaftung von RWE, Vattenfall, VW, BMW und allen anderen Verursachern und Profiteuren der Klimakrise. Raus aus der Kohle, weg vom Auto, öffentliche Mobilität und Klimagerechtigkeit für alle!

      Plus, selbstgerechte rechte Spacken ab nach Sibirien zum Feststampfen aufgetauter Permafrostböden.

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    2. Endlich mal Vorschläge, die nach meinem Geschmack sind. Schneeflöckchen, du bist meine neue Kanzlerin der Herzen!

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    3. https://www.wetteronline.de/wetterticker/schweden-fruehester-schnee-seit-20-jahren-20190918271621

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