Freitag, 9. August 2019

Wir müssen über das Essen reden


Obwohl der Mensch ein Allesfresser ist ...


Zu meiner favorisierten Lektüre gehören negative Bewertungen von Restaurants und Lieferdiensten. Unendlicher Spaß. Hier zu McDonald’s in Berlin: „Katastrophal. Trotz geringer Entfernung viel zu lange gedauert. Dann auch noch das falsche Essen geliefert, was dazu noch nahezu kalt war. Was soll ich bitte mit 40 chicken Nuggets, wenn ich nur 1-2 Burger haben wollte?!?! Das war die letzte Bestellung!“ Man kann sich die Dramen bildlich vorstellen. Manche Leute sind ja auch noch so blöd und bezahlen per Kreditkarte im Voraus. Neulich habe ich nach zwei Stunden Wartezeit die Segel gestrichen und bin zu meinem Italiener um die Ecke gegangen. Ich sitze dort noch keine fünf Minuten, als mich die SMS des Fahrers erreicht, der mir das Essen bringen will. Ich sitze in der fabelhaften Trattoria Toscana Sant' Antonio und sehe den Fahrer auf seiner Heimreise, während ich auf dem Bürgersteig mein Kristallweizen serviert bekomme. Danke für nichts, Schwachkopf!


… wirkt die Auswahl seiner Beutetiere ...


In den Medien wird eine Mehrwertsteuererhöhung auf Fleisch diskutiert. Die zusätzlichen Steuereinnahmen sollen ins „Tierwohl“ investiert werden. Davon mal abgesehen, wie der Staat konkret ins Wohl einer Kuh in Privatbesitz investieren will, stellt sich die Frage, ob die Preiserhöhung wirklich das Verhalten ändert. Ein Päckchen Salami für 99 Cent kostet dann eben 1,11 €, ein Päckchen Hackfleisch statt 2,99 dann 3,35 €. Wer isst deswegen weniger Fleisch? Wir wissen nicht, wohin die Steuererhöhung wirklich fließen wird, wenn sie in der Staatskasse ist. Schließlich sind Steuerzahlungen der Bürger nicht zweckgebunden. Wenn dem Staat das Tierwohl wirklich am Herzen liegt, kann er entsprechende Gesetze erlassen. Die Stallfläche für Schweine wird verfünffacht, das Kastrieren ohne Narkose wird verboten, die Kühe sind im Sommer auf der Weide, die Kälber werden nicht mehr von den Müttern getrennt. Die Gesetze werden streng kontrolliert, notfalls werden Bauernhöfe geschlossen. Wir können eine Menge tun, wenn wir wollen. Aber dann kostet das Fleisch auch sehr viel mehr. Dann zahlen wir für das Hackfleisch zehn Euro und mehr. Alle aktuellen Debatten sind nur semantische Problembearbeitung. In Wirklichkeit interessiert sich kein Schwein für die gequälten Tiere.


… doch sehr beschränkt.


P.S.: Edeka hat letzten Monat Hähnchenschenkel mit dem Label „Initiative Tierwohl“ für 1,50 € pro Kilo verkauft. Das wären nach der Steuererhöhung 1,68 €. „Wir müssen doch an die Armen denken, die es sich dann nicht mehr leisten können.“ Wenn ich das schon höre. Jeder Geizkragen denkt zuerst an seinen eigenen Geldbeutel – und an nichts anderes.


WutzApp. Mörderwitz. Früher hatten die Metzger ja noch einen abgeschnittenen Schweinekopf im Schaufenster.
P.P.S.: Hey Pestarzt, du räudiger Genitalwarzenversteher! #gedankensudelei 7/19. Das ist nur für dich: das Vipan habe ich vor etlichen Jahren gelobt, das ist wahr. Tempi passati. Der absolute Nr. 1-Inder in Wilmersdorf ist längst das Bahadur in der Sigmaringer Straße, vor allem die Tandoori-Sachen sind schwer zu empfehlen (siehe Blogstuff 302, 14. Mai 2019). Toni „Fatuccine“ Visconti hat für dich Arschmade auch noch zwei gute Italiener im unangesagtesten Teil der Stadt im Angebot: Punto Uno in der Laubacher Straße 28 und Trattoria Freni e Frizioni in der Pariser Straße 18A.
Arcade Fire presents Sprawl II (Mountains Beyond Mountains). https://www.youtube.com/watch?v=awHWColYQ90

Diese Hundewelpen sind gerade auf die Welt gekommen. Erst in einigen Tagen öffnen sie ihre Augen.

8 Kommentare:

  1. P.P.P.S.

    Es ist nur ein Gedankenspiel – aber eines, das einen so schnell nicht wieder loslässt:
    Theoretisch alle Lebensmittel, die in diesem Jahr bislang hergestellt wurden, landen in der Tonne.
    Erst ab dem 3. Mai verbrauchen wir die angebotenen Lebensmittel.
    Also dann, wenn ein Drittel des Jahres vorbei ist.

    Denn soviel Essen verschwenden wir in Deutschland jährlich, sagt die Umweltorganisation WWF.
    Insgesamt landen so 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr im Müll.

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  2. Frage: warum sind arme Leute eher fett als Mittelschicht Typen ?
    Weil das Fleisch zu billig ist.
    Die Steuern rauf und nur noch glückliche Kühe, aber zügig !
    Zusammenlegung jetzt !

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    1. Fleisch macht nicht fett. Einfache Kohlenhydrate (fest und flüssig) in Übermaß machen fett. Isso.

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  3. Haben Sie auch Empfehlungen für Zehlendorf?

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    1. Fressnapf Berlin
      Ludwigsfelder Straße

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    2. Wir haben gestern im BUON GUSTO, Bucher Chaussee 5 in Berlin Karow(ital.) so gut gegessen, dass die Berliner sich alles notiert haben. Auch der Service und Wein waren prima, die Vorspeise für 2 Personen reichte auch für 4. Nur mal so, falls es nach Pankow geht...

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  4. Bestelle mir ein Condom Blö im "Steakhouse" und darf gewiss sei, dass das ökologisch gezüchtete Kälbchen gerne für meinen Gaumenschmaus gestorben ist.

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