Samstag, 24. August 2019

Aufstieg und Fall des Radiergummis

Das 18. Jahrhundert wird von der Masse der halbgebildeten Stände gerne mit Goethe, der Erfindung der Dampfmaschine und der Unabhängigkeit Amerikas verbunden. Was machen Sie aber, wenn Sie sich mit einem graphitbasierten Schreibgerät aus Zedernholz – im Volksmund fälschlicherweise als Bleistift bezeichnet – verschrieben haben? Jetzt ist guter Rat teuer, oder?

1770: ein gewaltiger Sprung für die Menschheit, aber eine Petitesse für den genialen Erfinder Edward Nairne. Der englische Optiker und Instrumentenbauer machte zahlreiche Erfindungen und arbeitete mit berühmten Forschern wie Benjamin Franklin zusammen. Nairne entdeckte, dass man mit Kautschuk Bleistiftstriche entfernen konnte. Er stellte die ersten Exemplare her und gab ihnen den Namen „Rubber“.
Der Durchbruch bei der Herstellung der Radiergummis war das Verfahren der sogenannten Vulkanisierung. Anfangs kam es zu zahlreichen Explosionen, bis der Prozess, insbesondere durch Verkleinerung der Vulkane, beherrschbar wurde. Lange war die genaue Technik des Radierens unbekannt. Unter dem Mikroskop kann man erkennen, dass der Kautschuk des Radierers das Graphit aufnimmt, während es auf dem Papier gerieben wird. Dabei entstehen winzige schwarze Würstchen als Abrieb. Darunter erscheint wieder neuer Kautschuk. So nutzt sich der Radiergummi – ebenso wie der Bleistift – permanent ab, was ihn zur perfekten Ware des aufkommenden Kapitalismus macht.
Heute benutzt man Radiergummis kaum noch zum Radieren. Es sind hübsche Sammlerobjekte geworden, deren schnöde Verwendung als Arbeitsmittel nicht mehr vorgesehen ist. Aktuell schreibt man auf Tastaturen. Die komplette Umstellung der Kommunikation auf Emojis ist in vollem Gange.

Für 2020 plant Apple den iRubber mit eingebautem GPS und Bluetooth.

Trivia und Anekdoten
Es gibt diverse Radiergummis, die es zu zeitloser Berühmtheit gebracht haben. Kafka hat mit einem Hurvinek 59A K.s Vornamen wegradiert. Wir wissen bis heute nicht den genauen Namen des Landvermessers. Bei der Teilung Berlins wurde auf der Stadtkarte der Siegermächte so viel herumradiert, dass die Grenze zum sowjetischen Sektor vom ursprünglich geplanten Stadtschloss zum Brandenburger Tor verlegt wurde, bevor die Amerikaner irgendwas gemerkt haben. Später hat man sicherheitshalber einfach das Stadtschloss gesprengt.
Bei den Olympischen Sommerspielen 1904 in Helsinki gab es die Disziplin des Radiergummiweitwurfs. Es gewann ein gewisser Mario Flötenkönig aus Breslau.
Die blaue Seite des Radiergummis ist übrigens nicht zur Entfernung von Tinte gedacht, wie viele User denken, sondern enthält LSD. Lutschen Sie einfach mal eine Weile „die andere Seite“.
Der Radiergummi ist aber auch anderweitig verwendbar. So entfernen weiße Radiergummis Rostflecken und können bei der Politur von Silberbesteck verwendet werden.
Angela Merkel kann aufgrund ihrer Kautschukallergie keine Radiergummis anfassen. Kompromissvorschläge bei Verhandlungen müssen daher immer wieder neu ausgedruckt werden, weswegen manches Gipfeltreffen erst im Morgengrauen endet.
Nina Hagen - Der Spinner. https://www.youtube.com/watch?v=fxHSbstAUYs

1 Kommentar:

  1. NIVEA(u) ... hier, vom FEINSTEN:

    "Die blaue Seite des Radiergummis ist übrigens nicht zur Entfernung von Tinte gedacht, wie viele User denken, sondern enthält LSD. Lutschen Sie einfach mal eine Weile „die andere Seite“."

    HÄTTE ich DAS schon mal eher gewusst... zur Schulzeit hätt´s gut gepasst...hehe !!!

    Mal meine alten Ratzefummel such geh (ړײ)

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