Dienstag, 30. Juli 2019

Niemand stirbt, wenn alles tot ist


Ich bin am Ufer des Rheins aufgewachsen. Meine ganze Kindheit und Jugend war ich jede Woche mindestens einmal schwimmen. Ich war Mitglied der DLRG. Aber der Rhein war in den siebziger und achtziger Jahren ein toter Fluss, voller Gift und Abfall. Es lebten keine Fische in ihm und uns Kindern war es verboten, im Rhein zu schwimmen. Die DLRG hatte eine große Rettungsstation am Ufer und ein paar tolle Rettungsboote. Es machte einen Riesenspaß, auf diesen Booten über das Wasser zu jagen. Der Rhein ist an dieser Stelle fast einen Kilometer breit, in der Flussmitte gibt es Inseln mit unberührtem Dickicht, die wir gelegentlich besuchten.
Eigentlich war es damals eine Welt voller Abenteuer und Geheimnisse. Aber unsere Anwesenheit hatte keinen tieferen Sinn. Niemand schwamm damals im Rhein. Also konnten wir auch keinem Menschen helfen. Wir haben versucht, in einem toten Fluss Leben zu retten.
Hans Albers – La Paloma. https://www.youtube.com/watch?v=DT86KDYyzu0

Ansichtskarte von 1984. Der komplette Stadtname "Ingelheim am Rhein" wird gekürzt, der Abwasserkanal, der früher einmal "Vater Rhein" genannt wurde und dem im Tschernobyl-Jahr 1986 mit der Sandoz-Katastrophe der Rest gegeben wurde, taucht auch in den Bildern nicht auf.



Hier habe ich, wie die anderen Ingelheimer meiner Generation, Schwimmen gelernt. Einmal die Woche bin ich mindestens dort gewesen. Nebenan ist gleich der Fußballplatz, wo unsere Mannschaft trainiert hat und die Heimspiele waren. Meiner Position, Linksaußen, bin ich bis heute treu geblieben.

7 Kommentare:

  1. Gibt es heute noch professionelle Postkarten von Ingelheim zu kaufen?

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    1. https://wifo-digital-verlag.de/german/code/shop/bpk_rhg_wi/ingelheim.html

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  2. Good old days ... ;)

    Internationaler Tag der Freundschaft 2019
    am 30. Juli 2019 in der Welt

    *weissteBescheid...♥lieberworldwidewebFREUND...zwinker*

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  3. War das schön, als wir noch Frontstaat gegen den alles verschlingenden Kommunismus waren.
    Die Steuern wurden noch gezahlt und vor allem erhoben !
    Ich glaube so ca. 30% des Staatshaushaltes gingen in die Rüstung, aber keine nennenswerte Staatsverschuldung. Hab jetzt keine genauen Zahlen, aber massig auf jeden Fall.
    Tausende Panzer und Düsenjäger, ca. eine Million Soldaten unter Waffen, kein Problem.
    Die Straßen waren alle glatt wie Billardtische, was ich sehr zu schätzen wußte, ich fuhr Motorrad, die Schulen neu und sauber, die Lehrer auch, die Bahn war noch pünktlich, auch bei Schneegestöber, war alles irgendwie überhaupt kein Problem.
    Alles komplett easy, mega Sozialhilfe-Kohle, da ging echt was, manche lebten damit im Ausland, mußten halt ab und zu mit dem Auto, dem eigenen, als Sozialhilfeempfänger, kurz nach D heizen, auf`s Amt, und wir faselten was von "no future". Ha....

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  4. Sauber, aber nicht Rhein.

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    1. Stimmt, manch ein Lehrer hatte noch Vergangenheit.
      Unser Geschichtslehrer war ehemaliger Falschirmjäger.
      In hohem Maße traumatisiert, oft betrunken im Unterricht.
      Eine Biolehrerin war auch irgendwie seltsam, die hatte auch irgendwie NS-Spuren.
      So Typ Leiterin im BDM oder Aufseherin im KZ,gnadenlos.
      Und dann wieder die hoffnungsvollen Junglehrer, die waren alle klasse, was uns nicht daran hinderte, die fertig zu machen. Wir waren Monster.

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