Freitag, 12. Juli 2019

Liebe Angela

Es brach mir das Herz, als ich Sie bei den militärischen Ehren für die dänische Ministerpräsidentin sah. Sie saßen auf einem Stuhl. Sie hatten Angst, im Stehen zu zittern.
Ich empfand Mitleid mit Ihnen, als ich Sie so sitzen sah. Ein Mensch, der kein Vertrauen mehr zu sich hat. Ein Mensch, der sich nicht mehr traut, auf seinen eigenen Füßen zu stehen. Ich weiß nicht, was unsere Kanzlerin hat. Der Hintergrund ist dunkel. Von außen sieht sie wie immer aus, trotzdem ist alles anders.
Aber irgendetwas hat sie. Sie setzt sich hin, setzt sich auf einen Stuhl, um nicht zu zittern. Sie kämpft. Gegen etwas, das wir nicht kennen. Schwäche? Wir sehen gerade einem Menschen zu, der stark bleiben will und zittert und zittert. Trump zittert nie und Putin lässt sich regelmäßig mit nacktem Oberkörper fotografieren. Ich mache mir Sorgen.
Herzlichst,
F-Jupp Wagner



P.S.: Am Tag ihres Rücktritts wird das mediale Geflenne des Hofstaats losgehen. Vermächtnis. Unvergessen. Großes Irgendwas. Was hat dieser Mensch denn im Kanzleramt geleistet? Denken Sie ruhig mal nach. Na? Ging mir genauso. Gar nix. Keine Westbindung, keine Versöhnung, keine Wiedervereinigung. Der Laden lief irgendwie. Dornröschen. Das höre ich aber auch regelmäßig von meinen Babysittern, wenn ich aus dem Berghain zurückkomme. Okay. Spaß. Ich habe keine Kinder und ich bin nie ins Berghain reingekommen. Aber Merkel auch nicht.

Die Nachfolger bringen sich in Position.

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