Dienstag, 4. Juni 2019

Strandgut eines Sofanachmittags

Blogstuff 313
„Dass ein längerer Aufenthalt in Berlin mich fähig machen würde, in meiner Kunst fortzuschreiten, zweifele ich keinen Augenblick.“ (Friedrich Schiller)
Wir sind wie die Erde. Einmal am Tag drehen wir uns um uns selbst und nur einmal im Jahr um das eigentliche Zentrum des Sonnensystems.
Eine junge Frau füllt bei Rewe das Regal mit Klopapier auf. Im Hintergrund läuft „Heroes“ von David Bowie.
Ich habe einen schwarzen Gürtel. Punkt.
Sonntagabend, Tatort. Kleine Angestellte in Reihenhäusern betrachten kleine Angestellte in Reihenhäusern.
Wie nah selbst die jüngste deutsche Geschichte ist, wenn ich meine Berliner Wohnung als Ausgangspunkt nehme. Nur zweitausend Meter Luftlinie von mir entfernt wurde 1967 Benno Ohnesorg ermordet (Krumme Straße 66), Georg von Rauch starb 1972 in tausend Meter Entfernung im Kugelhagel der Polizei (Eisenacher Straße 2), Klaus-Jürgen Rattay wurde 1981 in 1700 Meter Entfernung im Häuserkampf getötet (Kreuzung Potsdamer Straße/Bülowstraße). Vor seinem Tod war der 18-jährige Rattay drei Monate durch Europa getrampt und sagte in einem ARD-Interview: „Es ist einfach astrein, wie die Leute zusammenleben, Wohngemeinschaften, im besetzten Haus, echt optimal […] weil in Berlin viel mehr los ist, als woanders in Europa, weil ich mich wohler fühle hier, weil da kein Zwang ist.“ Das waren noch Zeiten.
Artensterben? Uns bleiben immer noch die Plastikblumen.
Löse ich einen Shitstorm aus, wenn ich das Asterisk als Behindertensternchen bezeichne?
„Sie lungern im Foyer an den Stehtischen herum. Stilles Wasser und Lachshäppchen. Die Dirnenblicke der Lobbyisten. Ich ertrage es nicht mehr.“ (Angela Merkel: Erinnerungen)
Für die Formulierung „Ich bin vor allem menschlich von Ihnen enttäuscht“ kann es nur die Todesstrafe geben.
Heimat. Dieses Schnulzenwort. Es reicht doch, wenn man eine Wohnung hat.
Ich weiß nicht, was in hoffentlich ferner Zukunft einmal auf meinem Grabstein stehen wird, aber sicher nicht Masern, Putin oder Klimawandel.
Klaus Nomi - Nomi Song. https://www.youtube.com/watch?v=NLYRjaqWm4M

Mein alter Kindergarten in Ingelheim steht noch. Er heißt jetzt „Abenteuerland“. Früher hießen wir „Die Rollmöpse“ oder so.

6 Kommentare:

  1. Heimat, ja, Schnulze.
    Mein Gemüt brauch das.
    Die eigene Sprache, Schwäbisch, und nicht das Hohenzollerische Richtung Hechingen.
    ( "id gsei" für "ed gwäh" )
    das eigene Bier, die eigenen Idioten ( Schwaben ), der VfB....
    Furchtbar, oder ?

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    1. Der Vorteil an Berlin liegt darin, dass dort niemand über Heimat redet. Schließlich kommt fast jeder irgendwo anders her. Das habe ich immer genossen.

      "Heimat" ist übrigens eine Fernsehserie, die hier im Hunsrück spielt. Alle Nicht-Hunsrücker sind also nur Trittbrettfahrer. :o)

      Der VfB ist da, wo er hingehört. Eisern Union! ;o)))

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    2. Ha Ha...genau.
      Der VfB ist ein Abziehbild der sog. "mittelständischen Industrie".
      Aber man kann einen Fußballverein nicht führen wie eine Maschinenfabrik.
      Man kann Profikicker nicht mit Furcht, Angst einflößen und schlechter Laune sowie Klüngel führen, so wie ich das im allgemeinen in der Industrie erlebe.
      Da kann das klappen, kann, noch........
      Das werden die aber nie blicken, auch wenn die dann glücklich in der Regionalliga gelandet sind.

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  2. Hier, wird alles abgerissen ...
    was nicht bis 3 ...auf den Bäumen ist

    oder umarmt ...

    am" Umarme-Deine-Katze-Tag 2019
    4. Juni 2019 in der Welt"

    *hehe*

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  3. Lobbyisten haben Zuhälterblicke.

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