Freitag, 21. Juni 2019

Ingelheim – 1859 und 1907

Ingelheim, 1) Oberingelheim, Flecken an der Selz, im Kreise Bingen der großherzoglich hessischen Provinz Rheinhessen; Weinbau (Ingelheimer, guter rother Wein); 2500 Ew.; 1/2 Stunde davon ist 2) Niederingelheim, in demselben Kreise, Überreste des Kaiserpalastes, viel Weinbau; 2200 Ew. – Karl der Große erbaute hier eine Pfalz zwischen 768 u. 774, welche 100 Säulen von Granit u. Marmor stützten. Er hielt hier 774 einen Reichstag, wo Herzog Thassilo II. entsetzt wurde; Ludwig der Fromme empfing hier 817 die Gesandtschaft des Kaisers Leo IV., u. neun Jahre später ließ sich hier der Dänenkönig Harald II. mit Frau u. Kindern taufen; auch viele Kirchenversammlungen wurden daselbst gehalten. Friedrich I. ließ den Palast wieder herstellen; Karl IV. war der letzte, welcher darin wohnte. Öfters wurde es, bes. während des Krieges zwischen Diether von Isenburg u. Adolf von Nassau, von den Mainzern u. 1689 von den Franzosen zerstört. Jetzt sind noch wenige Reste übrig.
Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 909.

Ingelheim (Ober- und Nieder-I.), zwei Flecken in der hess. Provinz Rheinhessen, Kreis Bingen, nahe beieinander, unfern des Rheins, Knotenpunkt der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Mainz-Koblenz und der Eisenbahn Frei Weinheim-Jugenheim-Partenheim. Ober-I., an der Selz, mit Mauern umgeben, ehemals Reichsstadt, hat eine romanische evang. Kirche mit vielen Denkmälern, eine kath. Kirche, Synagoge, Reste einer alten Burg, Amtsgericht, vorzüglichen Weinbau (Rotwein) und (1900) 3402 meist evang. Einwohner. – Nieder-I. hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Ruinen eines alten Palastes, ebenfalls Weinbau sowie Papier-, Zement- und Malzfabrikation, eine chemische Fabrik, Ziegelbrennerei und (1900) 3435 Einw. – Der Ort ist der Sage nach Geburtsort Karls d. Gr., der hier 768–774 eine durch seltene Pracht ausgezeichnete Pfalz erbaute. Das Gebäude war mit 100 Marmorsäulen, Skulpturen und Mosaikzieraten aus Italien, meist Geschenken des Papstes Hadrian I., geschmückt und wiederholt der Schauplatz von Reichsversammlungen. Friedrich I. ließ den Palast wiederherstellen; Karl IV. bewohnte ihn zuletzt und verpfändete ihn dann an Kurpfalz. Im Kriege des Pfalzgrafen Friedrich des Siegreichen gegen den Erzbischof Adolf von Mainz (1462) ward das Gebäude von den Mainzern in Brand gesteckt. Die Stätte des ehemaligen Palastes heißt bei den Einwohnern noch heute der »Saal«. Von den Säulen sind einzelne nach Paris gekommen; eine befindet sich im Museum zu Wiesbaden, eine andre am Brunnen auf dem Schillerplatz zu Mainz. Vgl. Loersch, Der Ingelheimer Oberhof (Bonn 1885); Clemen, Der karolingische Kaiserpalast zu I. (»Westdeutsche Zeitschrift«, Bd. 9, Trier 1890).
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 829.

Mit ein wenig Phantasie können Sie sich vorstellen, wie Karl der Große an diesem Ort seine Angestellten zusammengeschissen oder eine fette Party geschmissen hat.

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