Dienstag, 21. Mai 2019

Sternstunden der Blogistik


Blogstuff 306
„Woher denn anders hat Dante den Stoff zu seiner Hölle genommen, als aus dieser unserer wirklichen Welt?“ (Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung)
Inzwischen gibt es einen Jahreszyklus der Empörung. Seit Jahrzehnten das gleiche Line-up im Feuilleton und in den sozialen Medien. Valentinstag: Erfindung der Blumenkonzerne. Karneval: Spießerveranstaltung mit offizieller Lacherlaubnis. Karfreitag: fettleibige Ü50-Kommentatoren beschweren sich übers Tanzverbot. Endet mit: Glühwein ist doof, Weihnachten ist ein Fest des Konsums (Nein! Doch! Oh!) und Silvester wäre ohne Knaller viel schöner. In der Abenddämmerung der Kultur werfen Themen lange Schatten.
Die Erde ist 940 Millionen Kilometer unterwegs, bis sie einmal die Sonne umrundet hat und ein Jahr um ist. Ich werde im Sommer 53 und bin dann schon 49,8 Milliarden Kilometer unterwegs. Natürlich habe ich Rücken.
Frauen können sich ja nie entscheiden. Mal hü, dann wieder nicht hü. Wenn ein Mann sich für einen Weg entschieden hat, wird er gnadenlos bis zum letzten Meter zu Ende gegangen. Auch wenn es ein Holzweg ist. Aber es ist mein Holzweg. Es ist doch ein Zeichen von Schwäche, seine Meinung zu ändern.
Tier des Jahres: die Blauflügelige Ödlandschrecke. Klingt ein bisschen nach AfD, ist aber eine gefährdete Tierart.
Was ist eigentlich ein Schoppen? Blöde Frage, wird der Weinkenner sagen. Schließlich trinkt er ja regelmäßig seinen Schoppen. Möchte man den Schoppen jedoch präzise definieren, erkennt man schnell die regionalen Unterschiede. Schon in meiner Erstheimat am Rhein kann es 0,4 oder 0,5 Liter bedeuten. In Franken sind es 0,25 Liter. In Hessen oder Baden können es aber auch 0,3 oder bis zu 0,75 Liter sein. Beim Apfelwein sind es 0,25 Liter – außer in Frankfurt, dort misst ein Schoppen 0,3 Liter. Im 19. Jahrhundert waren es in Baden und der Schweiz 0,375 Liter, in Württemberg 0,459 und in der Pfalz 0,564 Liter. In meiner Zweitheimat Berlin gibt es diese Maßeinheit gar nicht. Gibt man „Schoppen Berlin“ in die Suchmaschine ein, wird man gefragt: „Meintest du Shoppen Berlin“. Fazit: Der Schoppen widersetzt sich erfolgreich der EU-Norm und jeder anderen Form der Vereinheitlichung. Recht so.
Was wollen die jungen Leute eigentlich immer mit ihren Drogen? Seit Generationen zeigt uns James Bond, wie es der Profi macht. Er ist Alkoholiker (alle Welt kennt sein Lieblingsgetränk), sexsüchtig und wir sehen ihn praktisch in jedem Film im Spielcasino. Alles legaler Spaß: saufen, vögeln, zocken.
Das Leben war früher schon einfacher. Da bist du einfach losgegangen und hast irgendwo gegessen. Heute checkst du online die Speisekarte. Uijuijui, drei von siebenundfünfzig Gerichten enthalten Koriander. Den mag ich aber nicht. Oder du liest erstmal die Kundenkommentare der letzten drei Jahre. Eine Schwäbin, ein Turkmene und ein Texaner würden hier nicht noch einmal etwas zu essen bestellen. Was soll das? Wo bleibt das Abenteuer? Natürlich ist das Essen manchmal beschissen und man ist enttäuscht. Spoiler-Alarm: Das ganze Leben ist beschissen und am Ende stirbst du. Man kann sich auch totplanen.
Chris Montez - Let's Dance. https://www.youtube.com/watch?v=iNLXxDMxe18

4 Kommentare:

  1. Mein Lieblingsspruch aus Jagd auf Roter Oktober:
    "Die Russen gehen nicht mal aufs Klo ohne einen Plan".

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  2. Dann kenne ich auch die Schopping-Queen: Julia Klöckner.

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  3. …..hey....und an der Mosel gab es früher mal das "Schöppchen"....war 0,1...und derSchoppen war 0,2......

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    1. Mlle Cha-U Ka-O21. Mai 2019 um 12:59

      ... und der Schoppenhauer 2 Fuder.

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