Montag, 13. Mai 2019

Krause weiß mehr

„Ich habe meinen Kindern gezeigt, wie man Geschichten schreibt und Cocktails mixt. Damit habe ich ihnen alles beigebracht, was ich weiß.“ (Andy Bonetti)
Brehmer tippte auf das Display. Eine Nummer, die er nicht kannte. Er nahm den Anruf an.
„Woher haben Sie meine Nummer?“
„Sagen wir, ich habe sie von einem gemeinsamen Freund.“
„Wer sind Sie?“
„Nennen Sie mich Krause.“
„Hören Sie, ich habe für diesen Quatsch keine Zeit.“
„Das ist kein Quatsch, glauben Sie mir. Ich habe unglaubliches Material. Mein Mandant hat beschlossen, dass es Ihre Zeitung bekommen soll.“
„Wer ist Ihr Mandant, Krause?“
„Ich schlage vor, wir treffen uns in der Trattoria Inferno. Das ist nicht weit weg von Ihrem Büro. Kommen Sie sofort.“
„Wenn das ein Trick ist, dann …“
Krause hatte aufgelegt.



Auf dem Bürgersteig gegenüber dem Restaurant saßen zwei Männer in einem schwarzen Van mit Bonner Kennzeichen. Junge Leute in dunklen Anzügen. Sie passten nicht hierher. Krause wurde misstrauisch. Sein Straßeninstinkt sagte ihm, dass es Agenten waren. Offensichtlich wurde die Redaktion der Berliner Abendpost abgehört. Es musste also schnell gehen, wenn Brehmer eintraf. Und der Rückweg würde ihm versperrt sein.
Krause saß an der Bar, als Brehmer das Lokal betrat. Er sah älter und aufgeschwemmter aus als auf den Fotos im Internet.
Er ging sofort auf ihn zu und sagte: „Setzen wir uns. Wir haben nicht viel Zeit. Wir werden beobachtet.“
Brehmer sah ihn verärgert an. Er war misstrauisch. „Was soll das eigentlich alles?“
Krause setzte sich mit ihm an einen Tisch, der von der Straße nicht zu sehen war. Der Kellner kam und er bestellte zwei Campari mit Soda, ohne Brehmer nach seinen Wünschen zu fragen.
Dann legte er einen Stick auf den Tisch. „Hier ist alles drauf. Das Material, von dem jede Zeitung in Deutschland träumt.“
„Und das wäre?“ fragte Brehmer. Sein Gesicht war das steinerne Mahnmal seiner Überheblichkeit.
„Die Akte von IM Erika alias Angela Merkel. Ein Video von Schröder und Maschmeyer im Partykeller, in dem zu sehen ist, wie sie den Riester-Renten-Betrug und das Milliardengeschäft für die Versicherungskonzerne einfädeln. Protokolle von Gesprächen zwischen Finanzminister Steinbrück und Josef Ackermann zur Bankenrettung 2008 und noch viel mehr.“
„Das ist doch wohl ein schlechter Scherz. Ist hier irgendwo eine versteckte Kamera?“
„Studieren Sie das Material in Ruhe. Die Originale habe ich an einem sicheren Ort versteckt. Meine Nummer haben Sie ja. Bis bald.“
Krause rannte los und stieß die Tür zur Küche auf. „Lebensmittelaufsicht, Ordnungsamt Mitte. Das ist eine Kontrolle“, brüllte er.
Das reichte, um das Personal zu verwirren. Einen Augenblick später war er am Hintereingang, wo eine Rampe aus Beton in den Hof führte.



Krause wartete eine Woche. Zwei Wochen. Nichts. Brehmer meldete sich nicht. Wenn er seine Nummer wählte, kam automatisch ein Besetztzeichen. In der Berliner Abendpost gab es auch keine Ankündigung zu sensationellen Enthüllungen. Offenbar hatte niemand Interesse an der Wahrheit. Wem sollte er die Informationen noch anbieten? Einem Whistleblower? Einem Blogger? Bonetti Media?!
Carl Schmidt - Mein Liebling, mein Rose. https://www.youtube.com/watch?v=VSfvCmlG13w&fbclid=IwAR3gUATpHk4s6y-vEKup3Tg9LdV1fwk43R3TkWOwIQjZ60DmadfBZYiL0rw

6 Kommentare:

  1. Gestern lief wieder ein TATORT !!! *wissemerBescheid...hehe*

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  2. Als es nach 3 Wochen an der Tür klingelte schaute Krause durch den Türspion. Brehmer!
    Krause riss die Tür auf und zerrte Brehmer in die Wohnung.
    "Wo waren Sie?"
    "Entschuldigung, ich musste ihr Material verifizieren, ihren Mandanten identifizieren, und das hat gedauert. Aber das Ergebnis entschädigt umso mehr. Außerdem hat es ein wenig gedauert all Ihre Backups zu finden.
    Das wird jetzt aber nichts mit Julian Assange 2.0 für Frau Y. Dankenswerterweise ist die Dame ja türkische Staatsbürgerin und bereits auf dem Weg in die Heimat.
    Zuerst haben wir überlegt Sie ganz aus dem Weg zu schaffen, aber ich denke, Sie könnten uns noch nützlich sein. Schönen guten Tag noch, Herr Krause."

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    1. Haben Sie Interesse an einer Urlaubsvertretung bei Bonetti Media?

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    2. Seitdem ich angefangen habe auf diesem Blog zu lesen lasse ich ab und an der Fantasie freien Lauf.
      Und gerade die Kurzgeschichten hier schätze ich sehr. Aufrichtigen Dank für die Inspirationen und für die Blumen.

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  3. Den Trick mit dem Lebensmittelaufsicht- Ruf in der Küche finde ich fies.Aber die Filmchen würde ich gerne sehen. Vielleicht auch Ackermanns Geburtstag im Kanzleramt?

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  4. So isses.
    Es interessiert tatsächlich keine Sau mehr.
    Und wenn man mal was in der Richtung erzählt ist man schnell Verschwörungstheoretiker.
    Und manchmal hat man den Eindruck, die Leute haben richtiggehend Angst und schauen sich um, ob ihnen einer beim Zuhören zuhört.
    Und Dieter Nuhr erzähl einem konziliant, wie gut es uns doch gehen würde und wie toll alles ist.
    Ist ja auch so, aber so will ich es nicht gesagt bekommen.
    Außerdem verrecken die Bienen.

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