Sonntag, 12. Mai 2019

Enteignung im Hunsrück

Knapp zwanzig Kilometer von Schweppenhausen entfernt liegt das Gelände des früheren Militärflughafens Pferdsfeld. Die Nazis waren die ersten, die hier Flugzeuge stationierten. Am 29. August 1939, drei Tage vor Kriegsbeginn, landete die erste Maschine. 1951 wurden 320 Hektar von Frankreich nach dem Besatzungsrecht beschlagnahmt. Im Kalten Krieg waren hier Kampfflugzeuge aus den USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Griechenland und der Türkei stationiert. In der Einflugschneise wurden Anfang der achtziger Jahre drei Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und die Bewohner vertrieben: Eckweiler, Rehbach und Pferdsfeld.
Ich habe eine dieser „Wüstungen“ mal besucht, weil der Vater eines Freundes in Eckweiler aufgewachsen ist. Man kann die Straßen und die Grundrisse der eingeebneten Wohngebäude sehen. Es sieht aus, als hätte es hier einen Krieg gegeben. Die Vertriebenen treffen sich noch heute regelmäßig in ihrer alten Heimat, um die gemeinsamen Erinnerungen am Leben zu halten. Nach der Maueröffnung 1989 war der Flughafen militärisch nicht mehr notwendig und wurde geschlossen. Heute ist es ein Industrie- und Gewerbegebiet.
Es gibt bis in die Gegenwart viele solcher Beispiele. Ganze Dörfer werden zerstört, weil sie den Profitinteressen der Energiekonzerne im Wege stehen. Es genügt das Stichwort Braunkohle. Protest gab es erst, als man den Hambacher Forst abholzen wollte. „Insgesamt wurden in Deutschland alleine für den Braunkohlebergbau mehr als 300 Siedlungen devastiert und ca. 100.000 Menschen umgesiedelt.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_abgebaggerter_Ortschaften)
Nur mal so als kleine Info für die durchgedrehten Wutmedien und tobsüchtigen Hassparteien im Parlament.

2 Kommentare:

  1. Es ist nicht nur der Kapitalismus, der ist für mich nur die ökonomische Unterfütterung eines viel tieferen Problems, der Hierarchie.
    Solange Menschen bereitwillig Dritten das Denken überlassen und lieber auf "Oben" schimpfen als zu handeln, sehe ich keine Hoffnung, warum die "Elite, Führer, Päpste, Imame, Klimaprophetin usw." nicht weiter "kleine" Leute für "große" Taten opfern sollten.
    Zynisch gesagt sind Enteignungen in unseren Breitengraden doch geradezu harmlos mit finanzieller Entschädigung und körperlicher Unversehrtheit.
    Da gibt es in Südamerika und Afrika dezidiert andere Erfahrungen.
    Übrigens würde der Hambacher Forst nur optisch bewahrt, den "Naturschutz" haben die Retter gründlich zertreten.

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  2. Was soll ich dazu sagen, außer daß das sinnlose Abholzen im Hambacher Forst hoffentlich nicht weiter stattfindet. Soviel Kompensation für die Natur und die Menschen kann niemand leisten.

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