Sonntag, 12. Mai 2019

Bonetti – scharf mit alles


Blogstuff 301
„Schreiben ist nichts anderes als eine endlose Reihe von Zweifeln, die zugunsten eines Satzes überwunden werden müssen.“ (Jurek Becker)
Er ist wie der Yeti. Eine geheimnisvolle Sagengestalt, deren Existenz nie bewiesen werden konnte. Wir finden gelegentlich Spuren von ihm, beispielsweise einen Zettel im Briefkasten. Aber keiner hat ihn je gesehen: den Paketboten.

Schlagzeile: Deutschlands selbsternannter Interimspräsident Bonetti nimmt Kontakt mit den amerikanischen Streitkräften auf.
Seit 1980 hat sich die Zahl der Selbstmorde in Deutschland nahezu halbiert. Das kann doch gar nicht sein, schreie ich. Es bringen sich immer mehr Leute um, alles wird schlimmer, die Apokalypse findet noch vor Weihnachten statt. Ich will katastrophale Nachrichten, ich will mich aufregen, ich will einen guten Grund für meine schlechte Laune haben, verdammt! Die Zahlen: 18.451 (1980), 11.065 (2000), 9.838 (2016).
9. April. Zum ersten Mal in meinem Leben besuche ich eine Lesebühne. „Rakete 2000“ in Pankow ist die einzige Frauen-Lesebühne in Berlin, Lea Streisand liest und moderiert die Veranstaltung mit weiteren Autorinnen und einem Gast aus Kreuzberg. Eine junge Frau mit der Stimme und den Augen der späten Hildegard Knef. Vier Frauen, die Stammgäste sind, haben mich mitgenommen, ich habe mich zwei Stunden großartig amüsiert. „Zimmer 16“ ist winzig, siebzig Leute passen rein, ich musste den Bauch einziehen, um die Klotür schließen zu können.
12. April. Eine Woche nach der Outdoor-Grillorgie im T-Shirt schneit es in Berlin. Ich fasse es nicht.
Das Schneckenrennen ist eröffnet: Brexit vs. BER. Wer wird als erstes über die die Ziellinie gehen?
Ist die Aluminiumschale mit kalten Pommes frites neben meinem Notebook halb voll oder halb leer?
Ich werde bestimmten Leuten gegenüber immer beim „Sie“ bleiben. Neuer Anglizismus: Unduzable.
Politisch korrekt: „Was spielt ihr, Kinder?“ – „Cowboy und Italiener.“
Habe ich eigentlich schon von meiner neuen Tätigkeit als Graffiti-Lektor erzählt? Achten Sie doch mal auf die Korrekturen, die ich mit roter Sprühfarbe auf Wänden und Waggons hinterlasse.
Das SUV müsste ja eigentlich Fliewatüüt heißen. Es vereinigt die Geschwindigkeit und die Beschleunigung eines Sportwagens mit der Frachtkapazität eines Kleinlasters und der Stabilität eines Schützenpanzers im Falle eines Un-Falles. Demnächst wird es sich als Drohne aus dem Stau erheben, dann mit 6000 statt 600 PS. Ist aber kein Problem, weil die Kraft aus der Steckdose kommen wird. Der bescheuerte Andy verteilt die ersten hundert Fluggenehmigungen persönlich, dazu gibt’s eine goldene Warnweste, um sich vom Pöbel abzuheben.
Skinny Lister - Trouble On Oxford Street. https://www.youtube.com/watch?v=AB3ew6BZiv0&feature=youtu.be

Die heiße Wahlkampfphase beginnt.

8 Kommentare:

  1. Also bei mir haben sich vor kurzem 4 Paketboten getroffen, direkt vor meiner Tür.
    Einer von DHL, einer von UPS, GLS und einer von Transoflex.

    Alle mit einem Paket für mich, es gibt Sie also wirklich.

    War ein schönes Bild, jeder hatte ein Paket mit dem gleichen Aufdruck in der Hand. Die waren alle von der gleichen Firma und aus einer Bestellung ;-).

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  2. Den Lektor hat Herr Haderer bereits vor einigen Jahren gesichtet. Oder waren am Ende das gar Sie, Bonetti?

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    1. "There is a finite number of jokes in the universe." (Talking Heads)

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  3. ICH wähle die MÜTTER dieser WELT ... und zwar das ganze JAHR über:

    Leon hat seine Mutter zum Abendessen in seine Zweier-WG eingeladen.

    Als seine Mutter sich von ihm verabschiedet, sagt sie zu ihm, wie hübsch sie seine Mitbewohnerin findet. Leon, der bereits ahnt, dass seine Mutter sich vorstellt, dass zwischen ihm und Nina mehr vorhanden ist, versucht gleich, jeglichen Verdacht zu entkräften und sagt: "Ich weiß, dass du denkst, dass zwischen Nina und mir mehr als nur ein freundschaftliches Verhältnis besteht, aber ich versichere dir, dass zwischen uns nicht mehr ist."

    Eine Woche später suchen Nina und Leon vergeblich in der Küche nach ihrem Abtropfsieb. Nina bemerkt, dass dieses seit dem Besuch von Alexanders Mutter nicht mehr da ist. Leon kann sich zwar nicht vorstellen, dass seine Mutter damit etwas zu tun hat, schreibt ihr aber trotzdem eine E-Mail: "Liebe Mutter, weder behaupte ich, dass du unser Abtropfsieb mitgenommen hast, noch dass du es nicht mitgenommen hast. Tatsache ist jedoch, dass es seit deinem Besuch verschwunden ist. In Liebe, Leon."

    Noch am selben Tag erhält Leon folgende Antwort von seiner Mutter: "?Mein lieber Schatz, weder behaupte ich, dass du mit Nina schläfst, noch dass du nicht mit ihr schläfst. Doch wenn sie in ihrem eigenen Bett geschlafen hätte, dann hätte sie das Abtropfsieb schon längst gefunden. In Liebe, Mutter."

    ♥ HAPPY MOTHER´s DAY ♥

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    1. Dir auch einen schönen Muttertag. Ich bin ja schon seit über zwanzig Jahren mutterlos, es musste also keine Blume ihr Leben aushauchen ;o)

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    2. ...schhab auch keine Blumen bekommen,
      beide Eltern sind schon lange im HIMMEL
      und meine Katzen gratulierten auch nicht zum Muttertag (ړײ)

      *SOsieht´sheutzutageaus...dont´sworryBEhappy...SINGundTRÄLLERendindenMontagentschwebe*

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    3. Ich habe noch nicht mal Katzen … :o)

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