Donnerstag, 16. Mai 2019

Blogpost 3000

„Schriftsteller ist mein Traumberuf, obwohl es eigentlich kein richtiger Beruf ist und in meinem Falle auch kein Traum.“ (Andy Bonetti)
Man kann sich dieses Blog als eine endlose Rolle Papier vorstellen, an der ich jeden Tag schreibe. Es gibt keine Seitenzahlen, keine Beschränkungen. Es ist das größte und vielleicht letzte Projekt meines Lebens. Der Charme besteht darin, keinen Berg Aufgaben mehr zu haben wie bei einem Roman oder einem Forschungsprojekt. Jeden Tag füge ich ein winziges Puzzlestück hinzu. Für eine Kurzgeschichte, eine Glosse oder eine kleine Betrachtung brauche ich zwischen dreißig und sechzig Minuten, für ein Stückchen Blogstuff nur wenige Minuten. Nichts belastet, nichts strengt an. Keine Festlegung eines Themas, kein tagesaktueller Bezug – nur wenn ich möchte.
Es ist in den letzten Jahren für mich die vollkommene Art des Schreibens geworden. Manchmal werde ich gefragt, wann ich wieder einmal einen Roman oder ein Sachbuch schreibe. Dann lächle ich nur und schüttele den Kopf. Die Freiheit des ungeplanten Handelns werde ich nicht mehr hergeben. Keine Ordnung mehr, keine Disziplin. Keine Ambitionen, keine Karriere. Nur der Spaß, der einmal am Anfang stand, als ich im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal an der Schreibmaschine saß und dabei zusehen konnte, wie sich meine Gedanken auf einem Stück Papier materialisieren.
Dieses Künstlerleben hat seinen Preis. Ich habe kein geregeltes Einkommen und keine Familie, ich habe kein Auto und gehe nicht auf Reisen. Ich gebe keine Steuererklärung ab und zahle den Mindestsatz der Krankenkasse. Ich trinke Wasser und koche selbst. Wenn ich neue Socken brauche, kaufe ich mir für einen Fünfer einen Zehnerpack bei Woolworth. Ich pflege keine teuren Hobbys und verzichte auf einen Hund. Der von mir erfundene Fachausdruck ist: minimal-invasiver Lebensstil. Ich habe keine Verpflichtungen, keine Termine, keine Ziele. Ich mache den ganzen Tag, was ich will. Meine Freiheit ist grenzenlos. Man muss sich das Künstlerleben leisten können.
Beethoven – 6. Symphonie, Allegro ma non troppo. https://www.youtube.com/watch?v=DudY_VcDN8k
Willkommen in der Wortspielhölle:


10 Kommentare:

  1. Ich würde mich freuen wenn Du Dich wohlfühlst und manchmal froh bist! Deine Gedanken sind gute Denkanstösse und sehr unterhaltsam. Und ich spüre in vielen Dingen einen sensiblen und wachen Menschen. Wenn ich etwas nicht verstehe bleibe ich trotzdem Leserin, Dein Kosmos interessiert mich.
    Manchmal bin ich ein wenig neidig auf Deine Wortgewandheit, ich würde gerne an einem Forschungsprojekt arbeiten, war mir nicht möglich.

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    1. Vielen Dank. Es wäre schön, wenn es in den nächsten Jahren einfach so weitergeht wie im Augenblick. Aber es kann einen auch ganz schnell aus der Kurve tragen, siehe Droste. Dazu später mehr.

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  2. Glückwunsch!

    Weißt du was komisch ist: Ich wollte in den nächsten Tag anfangen über ein ähnliches Thema zu schreiben (unter anderem weil die Fädenrisse vier Jahre alt werden) und dann lese ich bei dir und denke mir bei so vielem "Ja, passt."

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    1. Danke. Mach doch einfach Copy&Paste und ersetze Schweppenhausen durch Düsseldorf :o)

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    2. Bitte. Die Idee ist gut, auch wenn das nicht so ganz funktionieren dürfte. Eventuell komme ich drauf zurück, siehste dann ja (sofern wie du da noch mitliest, ich gestehe, dass das nervig ist mit dem Passwort, geht aber nicht anders).

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  3. Glückwunsch! Das heißt aber, dass sich 2,5 Millionen Weltbewohner jeweils einen Blogpost teilen müssen. Da geht noch was! Das ist noch nicht gerecht!
    Wortspielhölle: Ich löse auf: Stranda!

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    1. Wir haben einen Gewinner! Du darfst dich auf ein Meat&Greet mit Andy Bonetti freuen ;o)

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  4. EINKOMMEN wird total überbewertet...Hauptsache, Mann/Frau haben Geld !!! *tja...daliegtdasPROBLEM*

    3000 Millionen GLÜCKWÜNSCHE zum BLOGgekritzel...kicher...und weiter SO... ✿
    Ich freue mich drauf...mitohne Lackschuh (ړײ)

    *mitderCappuccinotassewinkewunkenachSchweppeshausen...♥DANKE*

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  5. Ich lebe in kontrollierter Armut.

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