Dienstag, 26. März 2019

Vergesellschaftung des Konsums

Was haben uns der Neoliberalismus und der Individualismus eigentlich gebracht, liebe Genossinnen und Genossen? Eine zerstörte Umwelt, unverschämt reiche Bonzen. Dicke Männer, unglückliche Frauen. Woran liegt das? An unserem Konsumverhalten und an der aktuellen gesellschaftlichen Organisation. Falsches Angebot, falsche Nachfrage. Von wem können wir lernen, wie man es besser macht? Von der ruhmreichen Sowjetunion und ihren Freunden in aller Welt.

Wie konsumieren wir? Jeder kauft für sich alleine ein, jeder kocht für sich alleine, jeder produziert seinen eigenen Müllberg. In der Folge ernähren wir uns falsch, Frauen werden durch die Hausarbeit immer noch stärker belastet als Männer, wir fördern eine Kultur der Ausbeutung im internationalen Maßstab, weil wir Äpfel aus Neuseeland und Wein aus Südafrika kaufen. Die Folgen dieser kapitalistischen Fehlentwicklung sehen wir jeden Tag. Wir ernähren uns falsch, wir machen alles kaputt und keiner ist glücklich.

Wie war das eigentlich in der DDR? Da hat man sein Mittagessen in der Kantine eingenommen, sei es im Betrieb, in der Schule, in der Uni, oder in staatlichen Gastronomiebetrieben. Selbst die Kleinkinder wurden in Kitas verköstigt und die Rentner durften immer noch in ihren Betrieben essen. Die Vergesellschaftung des Konsums bedeutete seine Professionalisierung. Der Staat hat bereits beim Einkauf der Lebensmittel, im Vergleich mit der atomisierten Masse der Einzelkäufer, eine geballte Marktmacht gegenüber dem Oligopol der internationalen Nahrungsmittelkonzerne. Die Zubereitung der Mahlzeiten wird nicht von Millionen Amateuren geleistet, sondern von tausenden Profis. Die Zeit für den Einkauf und das Kochen sparen wir uns, ebenso wird der zentral gelenkte Einkauf viel günstiger sein als der individualisierte Konsum. Außerdem wird die ungesteuerte Verschwendung von Lebensmitteln vermieden. Gerade die Millionen Tonnen Nahrung, die wir jedes Jahr wegwerfen, zeigen, dass der Markt als Steuerungsinstrument versagt hat.

Endlich wird auch eine nachhaltige und gesunde Ernährung möglich sein. In den vergesellschafteten Kantinen und Restaurants - ergänzt durch Volksküchen für die Menschen, die nicht in einem Betrieb oder einer Bildungseinrichtung sind - kommt das auf den Tisch, was gut für alle ist. Fleisch nur einmal die Woche, Gemüse und Obst aus der eigenen Region, Vitamine statt Fett und das alles in Portionsgrößen, die dem Bedarf angemessen sind. Nur durch Vergesellschaftung können wir den apokalyptischen Konsum unserer Gesellschaft aufhalten. Ich zitiere aus dem Lehrbuch „Wissenschaftlicher Kommunismus“ (Berlin, Hauptstadt der DDR, 1973):
„Nur die Ablösung der individuellen durch die gesellschaftliche Hauswirtschaft kann die volle Emanzipation der Frau und ihre volle Gleichberechtigung in der Praxis verwirklichen. (…) Die allseitige Entwicklung eines Systems der gesellschaftlichen Versorgung (…) schafft die Voraussetzungen für die Ablösung der Hausarbeit durch gesellschaftliche Formen der Versorgung der Familie und führt zu einer kommunistischen Organisation der Lebensweise. Diese Entwicklung trägt dazu bei, Tendenzen der Privateigentümermentalität zu überwinden und bei den Mitgliedern der Gesellschaft die Sitten und Gewohnheiten des Gemeinschaftslebens herauszubilden.“

Gleiches gilt natürlich auch für die Mobilität, die durch massiven Ausbau eines kostengünstigen ÖPNV und die Abschaffung privater Pkw vergesellschaftet werden muss.
Nächste Woche: Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Herrschaft des Proletariats.

New Order - Dreams Never End. https://www.youtube.com/watch?v=zrh5kaWfyMQ

11 Kommentare:

  1. Dann bin ich auch für Eintopfsonntag, da können denn Reste gegessen werden, und es wird Energie gespart. Aber beim ÖPNV müssen sie nachschulen, besonders in der Eifel, Hunsrück und ähnlichen fernen Gegenden.

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  2. Erfinde-Deinen-eigenen-Feiertag-Tag 2019 am 26. März 2019 in der Welt...

    -> "Vergesellschaftung des Konsums" <- *hehe*

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  3. Beim letzten Bild entwickele ich ganz neue Assoziationen zum Begriff "Datenbus".

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  4. Provinzüberlebender26. März 2019 um 11:41

    Es hat sich doch schon längst eine Einheits-Ernährung herausgebildet.
    Burger-Döner-Pizza
    Es rennen doch alle in die gleichen Läden und kochen ist ja inzwischen zur Geheimwissenschaft verkommen. Es laufen zwar Kochsendungen ohne Ende, aber es versteht keiner.
    Man lernt ja auch nicht Schweißen und Automechaniker, wenn man bei DMAX zuschaut, wie Sie irgendwelche Chopper oder Amischlitten zusammenschwarten. Oder ? Also !
    Ich schaue ja so gerne in fremde Einkaufswägen, wenn ich mal im Supermarkt bin.
    Kikkoman Sojasauce gibt`s nur da...also..
    Und was man da sieht lässt einen grausen.
    Ich sage nur Verlust der rudimentärsten Kulturtechniken.

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  5. Dahabenwirswieder! Kollektive Zwangsernährung! Sechs aufgezwungene Veggie-Days pro Woche! Mann, Mann, Mann, dafür ist Westerwelle nicht gestorben...

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    1. Für deinen Brunch-Exzess kommst du drei Jahre nach Bautzen!

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  6. Oh großer Bonetti, muss ich heute wieder mit Hammer und Sichel essen?

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    1. Für die Anrede "großer Bonetti" darfst du dir ein Duplo nehmen. Aber nur eins!

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    2. Ist das denn Bio?

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    3. Es ist zumindest vegetarisch.

      Aber dieses Blog ist Bio, Fairtrade und CO2-neutral, wenn dein Strom aus Windkraft oder Sonnenenergie stammt.

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  7. Eigentlich ne gute Idee,

    die Weltrevolution über die Betriebskantine einzustilen.

    Mit den Volxküchen hat es ja nicht geklappt.

    Die in der Flora war zwar lecker, aber strategisch schlecht aufgestellt. Zu sehr auf Pali-Tuch, zu wenig auf Jeans.

    Kann man ändern, sollte man ändern.

    Wie wäre es mit 'nem Handbuch?

    Bonetti: Spaghetti, danach war alles anders.

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