Dienstag, 19. März 2019

Die Abiturfeier

Er stand vor dem Waschbecken und starrte auf sein Gesicht. Es war bis auf den letzten Quadratzentimeter mit Pickeln übersäht. Sie waren so groß und dunkelrot wie Himbeeren und wenn er einen von ihnen ausdrückte, spritzte der Eiter bis auf den Badezimmerspiegel. Es war, als sei sein ganzer Schädel mit Eiter gefüllt.
„Es ist schon acht Uhr, Benny. Willst du dich nicht langsam auf den Weg machen?“
Seine Mutter war eine Nervensäge. Vor allem, wenn sie betrunken war. Und sie war jeden Abend betrunken. Er lebte allein mit ihr im siebten Stock eines Hochhauses am Stadtrand. Er war achtzehn Jahre alt und schon jetzt ohne Hoffnung. Natürlich hatte er kein Mädchen gefragt, ob sie mit ihm zum Abi-Ball gehen würde. Mit dieser Visage hatte er keine Chance. Pizzagesicht. Hackfresse. Er hatte tausend Spitznamen in der Schule. Niemand wollte in seiner Nähe sein. Akne ist wie AIDS oder Beulenpest. Ein Leben in der Hölle.
„Ja, ich fahr gleich los“, rief er durch die geschlossene Badezimmertür. Es hatte keinen Zweck. Die Alte würde den ganzen Abend nörgeln.
Er holte sein hellblaues Klapprad aus dem Keller und fuhr in die Stadt.
Der Abi-Ball war in der Turnhalle des Gymnasiums. Vor der Halle standen die schicken Autos, die die reichen Kinder von ihren reichen Eltern geschenkt bekommen hatten. Söhne und Töchter von Rechtsanwälten, Zahnärzten und Unternehmern. Manche kamen sogar in einer gemieteten Limousine und stiegen aus, als wären sie bei der Oscar-Verleihung in Hollywood.
Benny schlich auf die Rückseite des Gebäudes und sah durch die riesige gläserne Fassade in die Halle wie ein Tier, das durch das Licht und den Lärm angezogen wurde. Die Jungs trugen schwarze Anzüge und die Mädchen schicke Ballkleider. Sie tanzten und lachten, die Stimmung war offenbar großartig. Ein DJ machte Musik. Auf der anderen Seite der Halle war ein Buffet aufgebaut, auf dem eine große Schüssel mit Bowle stand.
Er wurde wütend. Er hasste sie alle. Es ging diesen Idioten gut und es würde ihnen immer gut gehen. Nur er selbst war ein armes Schwein und würde bis an sein Lebensende arm bleiben. Sie standen auf der Sonnenseite. Sie würden studieren und anschließend Rechtsanwälte, Zahnärzte und Unternehmer werden. Was sollte aus ihm schon werden? Welchen Job kriegt man mit so einer Visage? Er würde genauso enden wie seine Mutter.
„Was machst du hier?“ Die Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
„Nichts.“
„Warum verschwindest du nicht einfach?“ Der Wachmann grinste ihn an.
Als Benny nach Hause kam, war seine Mutter schon im Fernsehsessel eingeschlafen.
Undertones - It's Going To Happen. https://www.youtube.com/watch?v=GRPeOAkKnrE

10 Kommentare:

  1. Der Lass-uns-lachen-Tag wird gefeiert am 19. März 2019.
    An diesem Tag sollen Menschen miteinander lachen (ړײ)

    ...ganz EGAL, ob "Barfuss oder Lackschuh"

    https://www.youtube.com/watch?v=5vEXKnQb8ZI

    *SINGundTRÄLLER*

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  2. *SEUFZ...wenn´sdennnursoeinfachwär..(ړײ)***

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  3. Sehr einfühlsam geschrieben, der Text könnte der Beginn eines Romans sein. Ich möchte Benny etwas Hoffnung mitgeben auf seinem Weg und ihm Mitmenschen schicken, die gibt es. Auch wenn es wehtut, weit weg von der Mutter muss er, er kann nicht helfen.

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    1. Ich habe gerade die Kindheitserinnerungen von Heinz Strunk gelesen, da begeht die Mutter am Ende Selbstmord.

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  4. Genau so einen Ford Taunus hatte ich auch mal.
    Eigentlich hatte ich 2 Stück hintereinander, einen Kombi und ein mal als Limousine.
    Der Kombi war klasse, man konnte drinn pennen.
    Eine Nacht war interessant, tiefster Winter, richtige Minusgrade und nur eine Zeitung, keinen Schlafsack. Was soll ich sagen, es geht ! So eine Zeitung wärmt außerordentlich.
    Dann hatte ich noch div. Transit, zum in den Urlaub und so, und einen Escort, der war auch witzig.
    Jetzt stehe ich auf Franzosen. Die laufen auch gut.
    Ich bin bis auf einen Käfer nie deutsche Autos gefahren. Seltsam...
    Die Fords laufen bei mir als Ami, das sind so gesehen keine deutschen Autos.

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  5. Vielleicht muss man Benny nur sagen, daß er eigentlich sehr begehrt ist. Ob nun die NSA oder der FSB eine False-Flag-Operation durchführen oder die Mafia jemand aus dem Weg räumen und direkt einen Schuldigen präsentieren will oder ob der IS das Tor ins Paradies zeigen möchte,
    in seinem Zustand finden sich viele helfende Hände für Benny mit ultimativen Lösungen.

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  6. Plemplem and the Girls19. März 2019 um 11:44

    28 SCHÖNHEITSTRICKS, DIE IHR LEBEN VERÄNDERN

    https://www.youtube.com/watch?v=pcL5u4Oc_yY

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  7. Will dein Benny denn zu den ganzen selbstgefälligen Wix.... gehören? Meiner einer kam nicht mal auf den Gedanken das deren Kunstwelt mit ihren Rollen der Falschheit, dieser entsetzlichen Langeweile und ihrer ständigen Bereitschaft jeden und alles über den Tisch zu ziehen auch nur im Ansatz erstrebenswert ist.

    Der Mensch ist des Menschen Wolf was ja bedeutet das so lange untereinander rumgebissen wird bis eine lohnende externe Beute auftaucht. Da bin ich lieber Lobo, was u.a. auch mit den Mädels besser kommt.

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  8. Jugend und Eiterbeulen hat schon Charles Bukowski schaurig schön beschrieben.
    Es war für ihn auch scheiße.

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    1. Ich musste beim Spitznamen "Pizzagesicht" als erstes an Arnie Cunningham aus Stephen Kings "Christine" denken. Das war für mich lange Zeit die beste Darstellung der Hänseleien die heute das modische Etikett "Bullying" verpasst bekommen. Aber Bukowski hatte es, wenn "Ham on rye" nicht übertreibt, wirklich schlimm getroffen. Als hätte ein prügelnder Vater nicht schon gereicht.

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