Dienstag, 5. März 2019

Der Visionär

Es ist nicht leicht, in einem Dorf im Hunsrück zu leben und Visionen zu haben. Schnell ist man im Verdacht, Bücher zu lesen oder gar Drogen zu nehmen. Linus Rauschkolb war das egal. Er hatte im Internet von einer Technologie der Zukunft gelesen und sofort war ihm eine glänzende Idee gekommen.
Sein Haus lag am Waldrand. Neben dem Wohngebäude gab es eine Halle mit Flachdach. Sein Vater und sein Großvater hatten Landmaschinen verkauft, bis das Geschäft unrentabel geworden war. Die Halle stand voller kaputter Traktoren und verrosteter Ersatzteile, aber das Dach war ungenutzt. Auf diesem Dach wollte er seine Idee verwirklichen. Dreihundert Quadratmeter Fläche für seine Träume.
Linus beantragte Fördermittel von der EU und bekam tatsächlich einen jährlichen Zuschuss von 50.000 Euro bewilligt. Er malte fünf große weiße Kreise auf das Dach und baute aus einem hölzernen Gerüst und Rigipsplatten ein kleines Gebäude von dreißig Quadratmetern. Auf einer stählernen Wendeltreppe gelangte man auf das Dach. Innerhalb weniger Wochen war alles fertig: Deutschlands erster Landeplatz für Flugtaxis. In Wichtelbach.
Jeden Tag saß Linus auf einem Liegestuhl und wartete auf Gäste. Es gab drei Ladestationen, mit denen man die Flugtaxis mit Strom aufladen konnte. Dafür hatte ihm die Landesregierung Fördermittel gezahlt. Das kleine Häuschen auf dem Dach hatte Kühlschränke mit Getränken, eine Auslage mit Schokoriegeln und einen Kaffeevollautomaten.
Manchmal kam ein Nachbar vorbei und rief hinauf, ob man bei ihm einen Cappuccino trinken könne. Nein, sagte Linus. Der Kaffee sei nur für Fluggäste bestimmt. So gingen die Jahre ins Land und kein einziges Flugtaxi landete. Aber Linus war nicht unzufrieden, denn er hatte einen ruhigen Job, immer frischen Kaffee und von den Fördermitteln konnte er problemlos leben.
Eines Nachts träumte er, Dorothee Bär würde auf dem Hallendach vor ihm stehen. Ihr schwarzes Haar wehte im Wind und sie fragte ihn nach einem Latte Macchiato. Er warf die Maschine an, aber es kam nur grauer Staub aus dem verchromten Hahn. Da lachte die Staatsministerin für Digitalisierung und Flugtaxiwesen, sie lachte und lachte und hörte gar nicht mehr auf. Dann verwandelte sie sich in eine Hexe und schwebte auf einem Besen davon.
Im Sommer 2038 war es dann endlich soweit. Das erste Flugtaxi landete in Wichtelbach bei Linus Rauschkolb.
Der Pilot stöpselte das Stromkabel in seine Maschine, während die beiden Fluggäste in das Kabuff gingen, das Linus vor langer Zeit erbaut hatte.
„Kann man bei Ihnen einen Espresso bekommen?“ fragte einer der Passagiere.
„Selbstverständlich“, antwortete Linus in einem blasierten Tonfall, als seien Flugtaxis die selbstverständlichste Sache auf der Welt.
So fing alles an. Heute können sie mit ihrem Flugtaxi überall in Deutschland landen.
Rufus & Chaka Khan - Once You Get Started. https://www.youtube.com/watch?v=bUKVTLWa_fM

7 Kommentare:

  1. Provinzinschinör5. März 2019 um 07:46

    Nichts braucht mehr Energie als ein Hubschrauber.
    Oder besser gesagt die Luftschraube, das ist ja das wesentliche Element eines Lufttaxis.
    In dem Fall, siehe Bild oben, 4 oder bei einem Oktokopter, wie der Name schon sagt, sogar 8 Stück.
    Ein besseres Energievernichtungsgerät gibt es nicht.
    Uneffektiv ohne Ende. ( Drum hat der VW Käfer auch so viel Sprit gebraucht, mein "Sparkäfer" mit 34 PS genehmigte sich schon mal 10 Liter, die größeren gerne auch mal 15 - 20 Liter. Alles nur wegen der Luftkühlung, ein Gebläse eben. Scheißkärren. )
    Aus diesem Grund wird diese Technologie eine große Zukunft haben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wissenschaftlicher Beirat5. März 2019 um 09:15

      Meine Güte, wie provinziell ist das denn...
      Lufttaxis gleiten auf Antigravitationsantrieben. Dabei wird das Magnetfeld der Erde angezapft und die überschüssige Energie benutzt man, um die überall aufgestellten Riesenventilatoren zu betreiben.
      Deshalb baut man doch aktuell die Stromautobahn, damit die vor der Küste stehenden Winderzeuger immer versorgt werden.
      Wir sorgen vor, wenn die globale Erwärmung kommt, ein Knopfdruck und wir haben kühlenden Wind.

      Claus Relotius, Wahrsprecher und Experte für Migration, private Altersvorsorge und antike amerikanische Mythen.

      Löschen
  2. Eine gelungene Persiflage auf die marktradikale CSU-Trulla und ihr mediales Geschwafel, fein die gängige EU-Realität, als Finanzier ("Fördermittel", Beihilfen etc) mit eingebaut.

    Wobei EU-Fördermittel meist Großkonzerne, Groß-Landwirte einsacken, denn die EU denkt groß.

    Wenn marktradikale Politiker öffentlich schwätzen, dann hat die Regie die Anweisung erteilt: "Je blöder und dümmer geschwafelt, desto besser".

    Beer, Merkel, Klöckner, Scholz, Maas, Seehofer, Altmaier, Barley, Giffey, Scheuer, Schulze, Karliczek, Müller beweisen jedesmal, das jeder öffentliche "Minister"-Auftritt als verdummender, einschläfernder Verblödungsauftritt durchgeführt werden muss.

    Einzig von der Leyen darf Hassreden gegen Russland halten, sich für Krieg aussprechen und der schwule, dekadente Spahn soll ruhig seine Abscheu gegen Arme aussprechen.

    Als Beer in den "Nachrchten" vom Flugtaxi halluzinierte, hatte sie bereits die Anweisungen der Industrie entgegen genommen, was diese von der "Staatssekrätrin für Digitalisierung" erwarteten. Welche Aufgaben die Dame , wann und wie durchzustzen hat.

    Dem "mündigen Wähler" gefallen die "Wortmeldungen" von Politikern im RTL 2-Format. Sonst würden Politiker sich öffentlich ganz anders ausdrücken und es gäbe auch Journalisten, die "bis aufs Blut" nachhaken.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also die meisten Kasper (m/w/d) auf der Liste kenne ich nicht mal vom Namen. Politiktheater soll von der Macht ablenken, nicht Sie ausüben.

      EU Fördermittel werden auch nicht an "Großkonzerne" (gibt es auch Kleinkonzerne?) vergeben. Die sind nahezu immer ausgeschlossen (de minimis Regel). Bringt aber trotzdem nichts da nicht "die Innovation" das Problem ist sondern Produktion und Vertrieb derselben. Das braucht brutal viel Kapital und Risikobereitschaft.

      Die europäische Feudalstaat- und Schuldturmdenke verhindert da das meiste.

      Löschen
  3. Hi! I've been following your site for some time now
    and finally got the courage to go ahead and give you a shout out
    from Lubbock Tx! Just wanted to say keep up the good job!

    AntwortenLöschen
  4. Immerhin Service, ich hatte Angst davor mit einer Drohne geflogen zu werden, ganz ohne Kaffee bei der Landung. Sehr weitsichtg war Linus, und mit ihm wohl der Bonetti- Konzern im Hintergrund.

    AntwortenLöschen