Mittwoch, 13. März 2019

Der unerwartete Besucher

Es ist sehr selten geworden, dass Gäste an meine Tür klopfen. Aber ich lebe weit entfernt von der Stadt und auf dem Land ist man es gewohnt, die Tür zu öffnen, wenn es klopft.
Er war etwa in meinem Alter und trug eine verblichene hellbraune Cordjacke. Ob er für einen Augenblick hineinkommen dürfe, fragte er mich. Ich bat ihn ins Wohnzimmer und holte eine Flasche Wein aus der Küche.
Wir saßen vor dem Kamin, den ich seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Ein Weidenkorb mit Brennholz stand davor, als ob ich im nächsten Augenblick ein Feuer entfachen wollte. Aber wozu? Ich lebe allein, es lohnt sich nicht, für einen einzelnen Menschen mühselig den Kamin anzumachen.
Nach dem ersten Glas Wein begann er zu erzählen. Von der Wiese zwischen den Häusern, auf der im Sommer Fußball gespielt wurde. Vom Wald hinter dem letzten Haus, in dem der Wind rauschte, wenn ein Sturm aufkam. Vom Fluss, an den man mit den Fahrrädern fuhr. Von duftenden Bratwürsten auf dem Grill und eiskalter, prickelnder Limonade im Sommer. Von abgegriffenen Comicheften, die sich die Kinder gegenseitig liehen.
Erinnerungen kann man nicht erwarten. Sie kommen zu Besuch und ich lasse sie einfach hinein.
Maurice Ravel - Pavane for Dead Princess. https://www.youtube.com/watch?v=GKkeDqJBlK8

7 Kommentare:

  1. Machen Sie doch einfach mal wieder ein Feuer an.
    Ich mache oft ein Feuer in meinem Ofen, es tut einfach der Seele gut.
    Zigarette an, schönes Bier auf und im Feuer rummstochern.
    Gibt es was schöneres ? Ja, zusammen mit Freunden.
    Irgendwie seltsam, früher saß man immer mit irgend welche Gestalten rum, irgendwer war immer da, im Alter wird man immer einsamer.
    Das ist schlecht. Andererseits strengt Gesellschaft auch ungemein an.
    War jetzt wieder Skifahren auf einer Hütte, schön in den Bergen, mit einigen Leuten.
    Irgenwann ist man dann doch froh, wieder zuhause zu sein und seine Ruhe zu haben.

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    1. Ich nehme es mir in jedem Winter vor, den Kamin anzumachen. Seit 2013. Hab's natürlich wieder verpasst. War aber auch nicht lange kalt. Aber zwei Körbe mit trockenen Buchenscheiten stehen bereit. Im Keller habe ich noch einen Riesenstapel sitzen ...

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  2. Bitteeschööön....

    https://www.youtube.com/watch?v=m3eMBErXMYE

    ...für die Erinnerungen, die zu Gast kommen ♥

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    1. Das ist ja nett gemeint, aber voll Plastik !
      Ist keiner mehr in der Lage, ein Feuer zu entzünden ?
      Ich befürchte fast, das es schon alleine daran scheitert, am Feuer machen.
      Habe Sonntags schon Leute, irgend welche Wanderer aus der Landeshauptstadt oder dem Speckgürtel, beobachtet, wie Sie ein Feuer machen wollten.
      Super ! Riesen Hölzer, frisch geschlagen, aus dem Wald geschleift und dann das Feuerzeug drunter gehalten. Echt jetzt.
      Wenn Wir schon solche rudimentären Kulturtechniken verlernen, wie soll es dann überhaupt mit der Menschheit weiter gehen ?
      Es wird nie eine App geben, die uns solche Sachen, Kuh melken, Huhn schlachten, Kochen, Überleben abnimmt.

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    2. Feuer machen kann ich noch, keine Sorge. Das verlernt man nicht. Die Typen aus der Stadt haben wahrscheinlich noch nie eins gemacht. Wir haben als Kids sogar alte Autoreifen zum Brennen gebracht, so dass die Feuerwehr kommen musste. Ich bin nur zu faul, das ist alles. Alleine bringt's das ja auch irgendwie nicht.

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    3. So war das nicht gemeint !
      Nein nein !
      Das unsere Generation noch ein Feuer ankriegt ist klar.

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  3. Ich freue mich wenn ohne Anmeldung jemand zu uns kommt. Mit dem Alter scheinen die Menschen immer mehr zu denken, sie seien anderen lästig. Ich nehme mir die Freiheit zu sagen, wenn ich keine Zeit habe, aber das st keine Ablehnung des Besuchers.
    Die Geschichte könnte auch ein geheimnisvoller Beginn sein.

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