Samstag, 30. März 2019

17 Kilometer


Nieder-Ingelheim 1902, im Hintergrund die Ruine der Kaiserpfalz.


Nach der Eingemeindung von Heidesheim am 1.7.2019 wird Ingelheim über 17 Kilometer Rheinufer verfügen. Trotzdem ist dieses Ufer immer noch das Stiefkind der Ingelheimer Stadtentwicklung. Im Zentrum ist mit der Neuen Mitte in den letzten Jahren ein Ort entstanden, der immerhin eine erste Anmutung von Urbanität verströmt. Es sind zwar nur schmuck- und mutlose Zweckbauten, aber es ist der Platz, wo inzwischen das Stadtleben im eigentlichen Sinne stattfindet: als Kommunikation, als Treffpunkt, als Öffentlichkeit.


Ober-Ingelheim 1912.


Die Wahrzeichen der Stadt liegen in den alten Ortsteilen Nieder-Ingelheim und in Ober-Ingelheim: die Kaiserpfalz Karls des Großen und das Areal um die Burgkirche. Nähert man sich Ingelheim vom Fluss aus, ist von der Stadt nicht viel zu sehen. Das alte Fischerdorf Frei-Weinheim liegt nahezu unverändert am Ufer. „Ingelheim am Rhein“ heißt die Stadt nur auf dem Papier, der Begriff ist nie mit Leben gefüllt worden. Wir schauen nur auf eine verschlafene Anlegestelle für die Fähre in den Rheingau und eine Verladestation für Kies und Sand.


Rheinstraße 1952. 


Während andere Städte wie Mainz oder Hamburg längst das Thema Wasser für sich entdeckt haben, wurde es in der Ingelheimer Verwaltung verschlafen. Hier wäre der Ort, wo ein neues Wahrzeichen entstehen könnte. Die Generation der Lebenden würde selbst etwas Bleibendes erschaffen, anstatt immer nur auf die Denkmäler des Mittelalters zu verweisen. Ingelheim hat einen Strand, aber kein Strandbad. Keine nennenswerte Gastronomie am Ufer. Nichts. Was die Stadt braucht, ist ein Ideenwettbewerb, ein Architekturwettbewerb, Mut zu Visionen. Aber meine alte Heimat spielt noch immer Dornröschen.


Strandbad Frei-Weinheim 1955.


The Skatalites - Rock Fort Rock. https://www.youtube.com/watch?v=6bLVdKbPHHY

7 Kommentare:

  1. Die einzige "Vision" die toitschen Stadtoberhäuptern im Jahre 2019 noch einfällt ist noch 'ne Shoppingmall, oder man stellt wie Bad Münstereifel gleich die ganze Innenstadt als Outlet zur Verfügung.
    Gerade in Klein- und Mittelstädten ist vor Ort selten genug Korruptionskapital vorhanden um die Obrigkeit zu befriedigen.

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    1. Ingelheim ist die reichste Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Hauptsitz von Boehringer Ingelheim. Die zahlen jährlichen einen dreistelligen Millionenbetrag in die Stadtkasse. Hier muss man keine Investoren suchen, der Bürgermeister weiß gar nicht, wohin mit dem vielen Geld.

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  2. http://www.ingelheimer-geschichte.de/index.php?id=136

    ... und dann, kein STRANDBAD !!! *ABGRÜNDE*

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    1. Eigentlich müsste hier ein Fernsehturm stehen, der höher als der Berliner Turm ist :o)

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  3. Gibt es nicht bald Kommunalwahlen? Da könnte doch endlich jemand eine Initiative fürs Flußufer gründen und Druck machen. Aber vieles scheint zementiert, überall. In Heidelberg gibt es eine solche Gruppe, sie wollen" Stadt am Fluß" erreichen, weil ja oft eine Straße zwischen Stadt und Fluß ist.
    Ich bin immer für Freibäder!

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  4. Sie sinn jo a rischtischeä Kuhrphälzer ( Nicht Kurpfälzer )
    Ai jo !

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    1. Rhoihesse! Mit Pälzer Woi wärn bei uns die Felge gewasche.

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