Sonntag, 17. Februar 2019

Lotte Laserstein


Selbstporträt.


Die Malerin wird 1898 in Ostpreußen geboren, 1912 zieht die Familie nach Berlin. Lotte Laserstein studiert an der Friedrich Wilhelms Universität zu Berlin und an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste (ab 1924 Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst) in Berlin. Nach dem frühen Tod des Vaters, eines wohlhabenden Apothekers, verliert die Familie in der Inflationszeit fast ihr gesamtes Vermögen. 1927 richtet Laserstein ihr erstes eigenes Atelier in Wilmersdorf ein, 1930 zieht sie in die Nachodstraße – nur einen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt.

"Abend über Potsdam". Das Bild ist von 1930, als die Weltwirtschaftskrise und der Niedergang der Demokratie in Weimar ihren Anfang nahmen. Allein die Resignation im Blick der zentralen Figur, deren starke blaue Augen im Kontrast zur Verlorenheit des Blicks stehen, macht dieses Gemälde zu einem Zeitdokument. Wehmütig und melancholisch sehen alle Menschen in eine andere Richtung, jeder scheint mit sich und seinem Schicksal beschäftigt zu sein. Nur die Frau ganz rechts, deren Mimik wir allerdings nicht dechiffrieren können, schenkt lakonisch ein neues Glas ein. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann mich zuletzt ein Gemälde so begeistert hat. Zum Vergrößern bitte anklicken.


Trotz erster Auszeichnungen und erfolgreicher Ausstellungen erhält sie ab 1933 als Jüdin Ausstellungsverbot, sie arbeitet als Kunstlehrerin an einer jüdischen Privatschule. 1937 emigriert sie nach Schweden, zur Erlangung der Staatsbürgerschaft geht sie eine Scheinehe mit einem Schweden ein. Ihre Mutter stirbt im KZ, ihre Schwester Käte überlebt im Berliner Untergrund. 1993 stirbt Lotte Laserstein im südschwedischen Kalmar.



Liegendes Mädchen auf Blau.




Alter Mann mit Mädchen auf der Treppe.


Lotte Laserstein – noch bis zum 17. März im Frankfurter Städel Museum. Ab 5. April in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, in Kreuzberg.


Die Tennisspielerin.


Sergei Prokofiev – Tanz der Ritter. https://www.youtube.com/watch?v=bBsKplb2E6Q

2 Kommentare:

  1. Schöne 'fefesche' lesekompetenzübung – das war es doch, oder?!: Elsa Birnbaum, malerin war die tante; Käte Laserstein die schwester, die in Berlin überlebte.

    Laserstein

    Ansonsten danke für die reise, auf die du mich geschickt hast, ich habe heute einiges zu Lotte Laserstein gelesen und von ihr gemaltes angesehen.

    Dieses „allgemeinere“ fundstück stelle ich mal dazu:

    http://edition-memoria.de/wp-content/uploads/2016/04/F1611231.010.pdf


    Und auch wenn ich das vielleicht schon mal erwähnte: immer ein vergnügen hier zu lesen.

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    1. Danke für den kompetenten Hinweis. Habe es im Text korrigiert. Und Danke auch für dein Lob. Es ist die einzige Belohnung für einen Nischenschreiber, der allerdings in seiner Phantasie über ein ganzes Medienimperium herrscht :o)

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