Sonntag, 24. Februar 2019

Es lebe die Bourgeoisie!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie aus ehemals linken Politikfeldern bürgerliche Herrschaft wird. Das war beim Umweltschutz so, der in den achtziger Jahren zum Hauptanliegen der Grünen (nomen est omen) wurde, und von dieser Partei in die bürgerliche Mitte bugsiert wurde, wo an diesem Sonntag KGE und AKK gemeinsam in der Springerpresse für ein schwarz-grünes Regierungsbündnis werben. Dazu gehören auch der Feminismus, die Schwulen- und Lesbenbewegung und der Kampf gegen Rassismus. Diese sozialen Bewegungen wurden unter dem Oberbegriff „Identitätspolitik“ verbürgerlicht. Herkunft wird entscheidend für die repräsentative Demokratie, nicht mehr die Zugehörigkeit zu Parteien, sozialen Milieus oder Klassen. Geschlechterproporz, Teilhabe von LGBT und People of colour usw. Angeborene Merkmale und einstmals private Vorlieben bei der Partnerwahl überlagern die Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche. Warum keine Arbeitslosenquote im Bundestag? Oder ein gewisser Prozentsatz alleinerziehender Mütter und Behinderter bei der Zusammenstellung der Wahllisten? Nein, es werden Hoden und Eierstöcke gezählt und der Stammbaum wird wieder wichtig. Vater Türke oder Italiener? Das gibt einen Bonuspunkt.

1 Kommentar:

  1. Das goldene Herz der Bourgeoisie

    Sie sind nicht so schlimm wie sie aussehn,
    Sie haben ein weiches Gemüt.
    Sie können den Tod keiner Laus sehn
    Und sind um die Wohlfahrt bemüht.
    Und wenn ein Proletenpaar draufgeht,
    Den Gashahn nicht zu, sondern aufdreht,
    Dann seufzen sie stark
    Und spenden 'ne Mark
    Für die kleine verwaiste Marie -
    Ja, das ist das goldene Herz der Bourgeoisie.

    Das Geld ist an sich nicht sympathisch,
    Sie beuten so ungerne aus.
    Sie fühlen durchaus demokratisch
    Und reden von Freiheit zu Haus.
    Und fällt ihnen wirklich die Not auf,
    Dann legen sie gern etwas rot auf
    Und schreien: Reform!
    Die Not ist ernorm
    Und die Börse so lustlos wie nie -
    Ja, das ist das goldene Herz.
    Das schwarzrotgoldene Fettherz der Bourgeoisie.

    Wie leicht ist man menschlich erschüttert.
    Man hat seinen Goethe im Schrank.
    Doch wenn man den Kriegsprofit wittert,
    Dann sieht man, wie schön ist ein Tank.
    Wie nett sehn die kleinen Schrappnells aus!
    Die Flamm'werfer und Parabells aus!
    Was Mumm hat, ja das
    Verdient auch am Gas -
    Ganz egal, wer krepiert wie das Vieh!
    Ja, das ist das goldene Herz.
    Das goldengepanzerte Fettherz der Bourgeoisie.

    Proleten, ihr habt sie genossen,
    So edel, so gut und human.
    Wird wirklich auf euch mal geschossen,
    Sie habens nicht selber getan.
    Die Kerle, die morden und raufen,
    Die kann man ja kaufen zu Haufen -
    Das ist ihr Geschäft.
    Doch wenn ihr sie trefft,
    Die gedungene Mordkompanie -
    Dann trefft ihr das goldene Herz,
    Das goldstückgepflasterte Fettherz der Bourgeoisie.

    Geschrieben hat es David Weber im jahr 1931. Wenn du wissen willst, was der sonst noch so geschrieben hat -1930 z.b.-, gern mit seinem freund Werner Richard Heymann und unter dem Namen Robert Gilbert, dann geh mal zur Tankstelle.

    Und weil ich seinen "bürgerlichen" namen nicht unterschlagen will: als Robert David Winterfeld Deutschland 1933 verlassen musste, da schrieb er -vielleicht schrieb er's auch erst 1934- diese zeilen hier:

    Weil das Vaterland erwacht ist,
    müssen viele schlafen geh’n,
    weil’s die Lange Messer Nacht ist,
    will man Leichen sehn.

    Keiner braucht mehr anzupochen,
    mit der Axt durch jede Tür.
    Die Nation ist aufgebrochen:
    Wie ein Pestgeschwür!

    Ha, endlich konnte ich das mal irgendwo unterbringen.

    Sorry, ich konnte da einfach nicht widerstehen, danke also für die gelegenheit, gibts vielleicht nur einmal.

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