Mittwoch, 20. Februar 2019

Ein todsicherer Tipp für das siebte Rennen


Blogstuff 283
„Alle Erinnerung ist Gegenwart.“ (Novalis)
Bald wird ja auch wieder auf den Beginn des Zweiten Weltkriegs hingewiesen. Achtzigster Jahrestag am 1. September. Hoffentlich gibt es nicht nur Gedenkfeiern und vage Anspielungen auf die Gefahren des Faschismus. Hitler mag lange tot sein, aber seine Henkersknechte leben noch heute mitten unter uns. Sie sind unsterblich, denn es kommen jeden Tag ein paar neue dazu.
Warum gibt es nicht wenigstens ein deutsches Medium, das den Mut besitzt, Merkel und Konsorten als Marionetten des amerikanischen Imperialismus zu bezeichnen? Muss ich alles selber machen?
Im Graduiertenkolleg "Freunde, Gönner, Getreue" treffen sich übrigens jeden Dienstag die Fans von Bonetti Media im Wichtelbacher Dorfkrug. Da Fastnachtszeit ist, gibt es einen kostenlosen Kreppel für jeden Besucher.

Ein typischer Hunsrücker Kreppel. 




Bayrische Variante.


Als Laie äußere ich mich ja gerne zu Dingen, von denen ich nichts verstehe. Heute frage ich mich, ob der Feminismus auf dem Vormarsch oder auf dem Rückzug ist. Es ergibt sich für mich ein zweigeteiltes Bild: Für die Frauen der westlichen Oberschicht und gehobenen Mittelschicht gibt es Fortschritte, für die Frauen der Unterschicht und in vielen Ländern der arabischen Welt, Asiens, Afrikas und Lateinamerikas ändert sich nichts. Der materielle Reichtum korrespondiert mit einem Reichtum an Entfaltungsmöglichkeiten, die materielle Armut mit zermürbender Hoffnungslosigkeit.
Der große Verlegerspross Jakob Augstein betreibt ja noch sein eigenes Blättchen, den „Freitag“. Laut IVW verkaufte er im letzten Quartal pro Woche 20.743 Exemplare im Einzelhandel und via Abo. Sein Erbe hält ihn über Wasser, er wird bis zum Tod von Beruf Sohn bleiben.
Ein Beispiel für die Weltferne der Medien ist die Debatte um die Grundsteuer. Dabei interessiert das Thema keine Sau, die ein Haus oder eine Wohnung besitzt. Ein konkretes Beispiel: Für die Villa Bonetti – in solchen Palästen haben in der Antike römische Cäsaren gelebt und ein Imperium regiert, es wird in einschlägigen Reiseführern nicht umsonst als „pfälzisches Versailles“ bezeichnet - beträgt die monatliche Grundsteuer 23 Euro, für meine Berliner Wohnung 11 Euro. Das ist einfach lächerlich! Das sind summa summarum 34 Euro, also weniger, als ich an TV-Gebühren für beide Wohnsitze zahle (35 Euro). Selbst wenn der demokratische Sozialist Scholz eine zehnprozentige Erhöhung durchdrückt, sind das nur insgesamt 3,40 mehr im Monat. Dafür bekommen Sie noch nicht einmal eine Flasche vom günstigsten Wein bei meinem Winzer.
Wirklich wichtig ist die Beteiligung an der Straßensanierung in Dörfern und Städten, die hier in Rheinland-Pfalz allein von den Grundstückseigentümern getragen wird. Ich weiß von einem Rentner in einem Nachbardorf, der mit 62.000 Euro zur Kasse gebeten werden soll. Wer hat so viel Geld auf der hohen Kante? In einem anderen Dorf wurden die Anlieger mit durchschnittlich 20.000 Euro belastet, hier in Schweppenhausen zittern die Leute vor der Sanierung einer Dorfstraße. Einer der Anwohner hat gerade die Privatinsolvenz beantragt, der ist dann komplett erledigt. Die verrottete Infrastruktur vor Ort muss der Bürger im Alleingang zahlen – darüber redet kein Mensch. Die Medien kennen das Thema überhaupt nicht. Aber weil in Berlin die Politiker über die Grundsteuer Palaver machen, plappern es die Journalisten brav nach.
P.S.: Ich habe gerade mit einem Bauarbeiter vor unserem Haus gesprochen. Ich bekomme Glasfaser. Hunsrück goes Highspeed!
The Beatles - Hey Bulldog. https://www.youtube.com/watch?v=M4vbJQ-MrKo

20. Februar 2019, 14 Uhr. Das ist ein Live-Bild vom Lkw mit dem Glasfaserkabel, das in meiner Straße verlegt wird. Er steht direkt vor meinem Haus. Danke, Merkel! Danke, Scheuer! Vergelt's Gott, jetzt gehe ich auch zur Europawahl und wähle die CDU.

7 Kommentare:

  1. Oh du unwissender Tor, weißt du denn nicht, dass in der neoliberalen Ideologie Steuern des Teufels sind?
    Dutzende Kommunen finanzieren sich nur noch über kreative Buchführung, und die glücklichsten sind jene, die eine Müllverbrennungsanlage besitzen oder eine Abwasserreinigung, den Jackpot hat dann, wer beides sein Eigen nennt.
    Da in der Steuerfrage aber zwischen Bürger und Politik scheinbar weitestgehend Einigkeit herrscht, braucht der privat-insolvente Nachbar sich eigentlich nicht zu beschweren.
    Oder glaubt Bonetti Media etwa, der hat nicht mit gejubelt bei jeder Steuersenkung und Reform seit Helmut Kohl, die ihm/ihr jedesmal erst 10 Mark und später 5 Euro netto brachten?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Natürlich, und für jeden Fünf-Euro-Schein, den man ihm gnädig geschenkt hat, wird er jetzt mit einem Hunderter zur Kasse gebeten. Das nennt man Verzinsung der Dummheit. Aber für diese langfristigen Zusammenhänge fehlt den Leuten der Blick und die Medien, die Lehrer oder die Intellektuellen geben an diesem Punkt - offenbar ganz bewusst - keine Hilfestellung.

      Löschen
    2. Bei den Lehrern möchte ich dezent widersprechen, indirekt.
      Nach der Schule musste ich feststellen, in keinem anderen Fach so massiv belogen worden zu sein, wie im Fach "Geschichte". Nicht allein durch die Lehrer sondern insbesondere durch die Darstellung in den Büchern.
      Doch an Einem wurde zu keiner Zeit ein Zweifel gelassen, die Rechnung bezahlt immer "John Doe" und "Ließchen Müller".
      Ein Elefant muss bis zu 16 Stunden am Tag fressen, wer hat wohl das Heu während Hannibals Alpenüberquerung zur Verfügung gestellt?
      Und die vielen Hessen, die für die Briten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften, waren alle begeisterte Freunde des Krieges?
      Wer den Teil verschlafen hat kann sich ja mal mit dem "Lastenausgleichsgesetz" befassen.
      Wer nicht begreift, dass eine Immobilie in guten Zeiten eine feine Sache ist, in schlechten Zeiten aber immer etwas, auf das Vater Staat massiv zugreift, weil es eben eine "Unbewegliche" ist, sollte die Finger davon lassen.
      Im Zuge der Finanzkrise 2008 habe ich in vielen Foren gelesen, wie sicher sich gerade Immobilienbesitzer fühlten.
      Geht's noch? Was glauben die Leute eigentlich wer dann mit einer Zwangshypothek beglückt wird zur Erstfinanzierung des Neustart?

      Löschen
    3. 48 Prozent aller deutschen Haushalte verfügen über Immobilienbesitz (https://www.finblog.de/studie-wohneigentum-deutschland/). Welche Regierung oder welche Partei legt sich mit der Hälfte der Bevölkerung an? Dazu noch mit der reicheren Hälfte der Bevölkerung? CDU/CSU? FDP? Grüne? SPD? AfD? You name it :o)

      Löschen
    4. Wer das Heu während Hanibals Alpenüberquerung zur Verfügung gestellt hat?

      Ganz einfach!

      Damals waren die Alpen noch bis auf die höchsten Bergspitzen überall mit Gras bewachsen. Während Hannibals Alpenüberquerung wurde von den Elefanten alles weggefressen. Seitdem sind die Alpengipfel alle ratzekahl und in den Alpen wächst bis auf den heutigen Tag kein Elefantengras mehr. Nirgendwo!

      Aus dieser Zeit stammt auch der Ausdruck: "Wo der hinlangt, da wächst kein Gras mehr!"

      Löschen
  2. Lastenausgleich gabs schon, also alles kein Problem.
    Devisen und Platinmetalle waren 1923 verboten. In Berliner Caffees gab es Razzien, wer Dollar in der Börse hatte, musste abliefern.
    Ansonsten stimme ich Dir zu: Immobesitzer und Aktionäre dürften die weniger Gekniffenen sein.

    AntwortenLöschen
  3. Verrottet Infrastruktur: Privat geht vor Staat - Das wollten die Wähler doch, jetzt haben sie es. Man kann auch vorher Mal nachdenken, bevor man immer marktradikal wählt.

    AntwortenLöschen