Mittwoch, 27. Februar 2019

Aufregende Erlebnisse mit Büchern, Teil 451

Als ich im zarten Alter von vierzig Jahren mal eine Weile arbeitslos war, bin ich immer in die öffentliche Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek in Wilmersdorf gegangen. Den Jahresbeitrag von zehn Euro hat man mir als Hartzer erlassen. Ich habe mir also jede Woche Bücher ausgeliehen und zu Hause gelesen. Eines Tages blättere ich eine Seite um – und was sehe ich? Ein centgroßes Stück plattgedrücktes weißes Pulver auf dem unteren Rand der Seite. Ich habe nicht lange überlegt. Das war entweder Koks oder Speed. Auf die Idee, dass es vielleicht auch Strychnin oder etwas anderes ist, was gefährlich sein könnte, bin ich gar nicht gekommen. Vorsichtig habe ich es mit dem Fingernagel auf die Tischplatte gekratzt, die Fingerkuppe meines linken Zeigefingers feucht gemacht, das Zeug aufgewischt und mir ins Zahnfleisch über den Schneidezähnen gerieben. Es war Koks. Die Wirkung war nicht überwältigend, aber für eine halbe Stunde war ich gut drauf. Ich hatte Koks gefunden! Irgendwo auf Seite 120. Ein Geschenk des Schicksals. Das gehört für mich zu den aufregendsten Erlebnissen, die ich je mit Büchern hatte. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, welches Buch es gewesen ist.

Marie Kondo rät uns, nicht mehr als dreißig Bücher zu besitzen.

8 Kommentare:

  1. "welches Buch es gewesen ist"

    Womöglich "Politik der Extase" von Timothy Leary? ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habe ich nie gelesen, dafür war ich oft auf Trip, wie es im 20. Jhd. hieß :o)

      Löschen
  2. Ignoranz ist das Überlebenselixier im Hamsterrad. Einem Bedenkenträger mag es helfen zu verstehen, warum die Welt, die man eh nicht ändern kann, ist, wie sie ist. Für Pragmatiker ist das bedeutungslos.
    Und wer glaubt das eine bürgerliche "Universalbildung" inklusive musischer Talentförderung bessere Menschen und ein besseres Zusammenleben bedeutet, dem empfehle ich die Biografie von Reinhard Heydrich. Für Eilige: Wikipedia aufrufen reicht, Bereich Kindheit und Jugend.
    Erst neulich habe ich ein Sachbuch zu Ende gelesen, dass mir half, einige Lücken in meinem Verständnis einer gewissen Zeit zu schließen.
    Geht es mir jetzt besser? Ändert das irgendwas an meinem Dasein?
    Das Geblubber zum Thema Bücher ist der gleiche Bullshit wie Bildung. Wer mit 35 bei einer Leiharbeitsfirma festhängt kann sich durch Bücher auch nicht retten.
    Für mich die größte Unverschämtheit der Neuzeit ist ja, das man den kleinen Lichtern, die sowieso von keiner Führungsetage wahr genommen werde, den mittelalterlichen Trost weggenommen hat, ihr Platz auf Erden sei Gott gegeben.
    Ist für mich neben dem Öl der zweite Hauptgrund für den Kampf des Wertewesten gegen den Islam.
    Leute mit intaktem Koordinatensystem (so verdreht das auch sein mag) sind schlechte Konsumenten, genau wie Leute, die mit ihrem Leben (da gottgewollt) zufrieden sind, schlechte Ameisen sind.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich nehme Literatur eher als Zeitvertreib wahr. Habe mich gerade mit "Fleckenteufel" von Heinz Strunk amüsiert. Deswegen lese ich auch keine Sachbücher. Schließlich möchte ich nichts lernen. Irgendwie muss ich den Tag ja rumkriegen, Arbeit und Familie habe ich nicht. Lesen ist eine angenehme Tätigkeit. Letzten Monat habe ich eine neue Matratze gekauft, ich verbringe mehr als den halben Tag im Bett.

      Löschen
  3. Lesen? Alter hastdu kein Netflix oda was?

    AntwortenLöschen
  4. Am Kleid von Monica Lewinsky wars kein Kokain :-)

    AntwortenLöschen
  5. Grins.........! Da sage doch noch mal ein Ignorant, Lesen bildet nicht! Nein, es hilft sogar dabei, dass man glaubt, sich auf Wolke Sieben schwebend zu befinden. Oder so ähnlich?.

    AntwortenLöschen